2015 war das jahr von … lgbt-rechten

Dieses Jahr legalisierte das oberste amerikanische Gericht in allen US-Bundesstaaten die Homo-Ehe, im Fernsehen gab es „Transparent“, „Looking“, „Cucumber“, „Banana“ sowie „Tofu“ und in der Popkultur waren Transgender und gleichgeschlechtliche...

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Dez. 28 2015, 9:00am

2015 war ein ziemlich gutes Jahr für LGBT-Themen. Im Juni wurde die Homo-Ehe in allen US-Bundesstaaten legalisiert, Caitlyn Jenner nutzte ihren globalen Promistatus, um auf Themen der Transgender-Community aufmerksam zu machen, und Olly Alexander von Years & Years brachte gleichgeschlechtliche Pronomen in die Popmusik. Der einzig offen schwul lebende Regierungschef auf der Welt, der Luxemburger Xavier Bettel, heiratete seinen Partner - ein Signal der Stärke und Geschlossenheit, von dem die ganze Welt noch viel lernen kann. Dennoch zogen zum Jahresende hin auch noch dunkle Wolken über die Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen auf, als der Boxer Tyson Fury homophobe Kommentare los ließ. Obwohl sich auch bekannte Persönlichkeiten gegen solchen Hass ausgesprochen haben, sah die BBC dennoch keinen Anlass, ihn von der Wahl zum Sportler des Jahres auszuschließen: Das zeigt einmal mehr, dass wir auch im Jahr 2015 längst noch nicht da sind, wo wir hin müssen. Wir haben uns gefragt, wie einige dieser Klischees beseitigt werden können, die wie schlechte Gerüche einfach nicht verschwinden wollen.

Das neue Jahr geht gleich mit dem Kinostart des von Kritikern hochgelobten Films The Danish Girl los. Darin wird die wahre Geschichte der dänischen Transpionierin Lili Elbe (gespielt von Oscar-Gewinner Eddie Redmayne) aus den 1920ern erzählt, die vor ihrer Transition als Einar Wegener lebte, und eine der ersten Transsexuellen war, die sich geschlechtsangleichenden Operationen unterzog. Das Thema Transgender ist durch Caitlyn Jenner und Laverne Cox aus Orange Is the New Black in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nicht zuletzt die fantastische und Emmy-gekrönte Serie Transparent von Jill Soloway, in der sich ein Vater vor seinen Kindern als Transgender outet, schafft es, das Thema auf kluge, berührende und lustige Weise einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Die Künste und die Medien sind wichtig, wenn es um LGBT-Themen geht. Sie sind reichweitenstarke und entscheidende Werkzeuge, die durch Entmystifizierung und durch die Darstellung von Ungerechtigkeit die Leben von Leuten verbessern können. Die HBO-Serie Looking, die in San Francisco spielt, war innerhalb der Community ein großer Erfolg, auch wenn leider die Quoten nicht so gut waren, sodass HBO keine komplette dritte Staffel mehr in Auftrag gab. Stattdessen werden Russell Tovey, Frankie J. Alvarez und Raúl Castillo Anfang 2016 für eine finale Folge zurückkehren, um die Geschichten der Figuren abzurunden. In der Serie wurden die oft falsch dargestellten Gewohnheiten von schwulen Männern gerade gerückt. Andere Beispiele dafür sind Cucumber, Banana und Tofu vom britischen Sender Channel 4. Es ist wichtig, dass Serien von diesem Format weiterhin Teil des täglichen Fernsehprogramms bleiben, um eine größere Vielfalt der LGBT-Community zu zeigen.

Für einen Schritt zurück könnte im nächsten Jahr die mit Spannung erwartete Fortsetzung von Zoolander sorgen. Seit Ben Stiller und Owen Wilson auf dem Valentino-Laufsteg der Saison Herbst/Winter 2015 zu sehen waren, läuft sich die Presse warm. Das fanden noch alle lustig, aber der Trailer sorgte für hitzige Diskussionen. Den Anlass dafür lieferte Benedict Cumberbatchs Rolle des Transgender-Models All. Diese Figur sei eine übertriebene, schamlose Klischeedarstellung von androgynen, Trans- oder nicht-binären Personen, so jedenfalls die Initiatoren eines Boykottaufrufs, der fast 23.000 Unterzeichner hat. „Dadurch, dass ein Cis-Schauspieler eine nicht-binäre Person auf offensichtlich negative Art und Weise darstellt, werden schädliche und gefährliche Vorstellungen über die queere Community weiterverbreitet", liest sich der Aufruf weiter.

Außerdem werde die Modeindustrie und ihr fortschrittlicher Umgang mit LGBT-Themen zu großen Teilen falsch dargestellt. Das Label GoGo Graham hat kürzlich im New Yorker Ace Hotel seine Frühjahr-/Sommerkollektion 2016 mit einem Modelcast ausschließlich aus Transgender-Models präsentiert. Die Entwürfe feiern das Individuum, anstatt in den klassischen Kategorien Gender und Kleider zu denken. Für denselben Ansatz hat sich das Londoner Kaufhaus Selfridges mit seinem „Agender"-Floor entschieden. Das ist ein Concept-Floor, auf dem Kleidung verkauft wird, die sich außerhalb der traditionellen Mann-Frau-Dialektik bewegt. Das sorgte für die Lancierung von Plattformen wie You Do You, eine inklusive Onlineplattform für geschlechterfreie Mode. Diese Sichtweise auf Kleidung spiegelt sich in Labels wie Vetements, Hood By Air und Telfar immer mehr wider. Es ist wichtig, dass die Modewelt 2016 diese Ansätze und Ideen weiterentwickelt, um unnötige Beiträge zur Diskussion um LGBT-Rechte wie Derek Zoolander und Co. etwas entgegenzusetzen.

Was es dieses Jahr auch gab, waren Gräueltaten des IS an schwulen Männern. 2016 muss es darum gehen, wie Religionen, Glaube und Philosophie zu LGBT-Rechten stehen. Die US-Botschafterin bei der UN Samantha Power erklärte, dass sich der Sicherheitsrat der UN zum ersten Mal mit LGBT-Themen beschäftigt habe. „Es ist unmöglich, den Kampf für ihre Menschenrechte nicht als unseren Kampf anzusehen", zitiert sie der Independent. „Heute machen wir einen kleinen, aber wichtigen Schritt in diese Richtung. Es darf nicht unser letzter Schritt sein."

LGBT-Rechte sind im Jahr 2015 weiter vorangekommen. Wir sollten auch stolz darauf sein, dass wir so standhaft in der Kunst, Mode und Politik dafür gekämpft haben. Hoffentlich werden wir 2016 davon mehr sehen.

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Credits


Text: Greg French
Bild: Looking