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dafy hagais verträumte porträts von israelischen teenagerinnen

Die in Tel Aviv lebende Fotografin Dafy Hagai, Mitglied von Petra Collins’ Künstlerkollektiv The Ardorous, hat mit uns über ihre Fotografiephilosophie, ihre Lieblingsfilme und Feminismus gesprochen.

von Zio Baritaux
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19 August 2016, 11:00am

Was Mädchen-Sein heutzutage im Nahen Osten bedeutet, erkundet die israelische Fotografin Dafy Hagai mit dem Zine Summer und dem Bildband Sunset. Das Thema, das man immer und immer wiederkommt: weibliche Sexualität. Zu sehen sind Wassernixen, sorgenlose jugendliche Abenteuer. Die Farben sind in Pastell gehalten, oder haben „Mariah Carey-Regenbogen-Vibes", wie die Künstlerin in einem Post auf Instagram geschrieben hat. Doch in dem Bildband Sunset geht es mindestens eben so sehr um die Landschaft in Israel. Entstanden sind die Fotos auf Roadtrips an die Küste. Sexy Girls halten in der Wüste Negev Händchen, stehen auf mit Salz bedeckten Felsen im Totenmeer, spazieren vor abgerockten Hotels in Eilat, ein Ferienort an der Grenze zu Ägypten. „Diese Orte haben etwas Faszinierendes an sich—von den neuen Luxusresorts bis zu den Ferienorten, das städtische Umland und die Leute, die dort leben", erklärt uns Dafy. Wir haben mit der Fotografin über ihre Ästhetik, ihre Lieblingsfilme und Feminismus gesprochen.

Wo bist du aufgewachsen?
Ich bin in einer Kleinstadt in der Nähe von Tel Aviv aufgewachsen. Das war ziemlich langweilig und ruhig. Aber ich habe viel mit meinen Mädels rumgehangen und wir haben immer lustige Sachen gemacht. Wir waren viel draußen. Wir haben uns geschminkt und Sachen anprobiert. Dabei haben wir verschiedene Styles ausprobiert, von Girly bis Punk, und alles dazwischen. Wir haben immer Wege gesucht, um unsere Persönlichkeit auszudrücken.

Wenn du deinem jüngeren Ich etwas sagen könntest, was wäre das?
Sei du selbst und lass dich nicht durch die Meinungen anderer beeinflussen.

Wann und wie bist du zur Fotografie gekommen? Und was hat dich daran fasziniert?
Vor ungefähr drei bis vier Jahren. Während des Studiums habe ich an Kurzfilmen und Videoprojekten gearbeitet. Aber die Produktion war alleine zu kompliziert. Ich habe dann für meine privaten Projekte mit dem Fotografieren angefangen.

Ich bin in einem Vorort von L.A. aufgewachsen. Die Fotos könnten auch irgendwo in Kalifornien entstanden sein. Sollten sich die Fotos bewusst zeitlos anfühlen, als ob sie in einem Traum entstanden sind?
Die Locations, die ich beim Scouting ausgewählt habe, sind mit Absicht zeit- und ortsunabhängig. Ich hatte einfach eine bestimmte Stimmung im Kopf. Das Projekt sollte eine suburbane Teeniefilm-Ästhetik haben. Ich nehme an, dass es daran liegt, dass sich andere damit identifizieren können und ihre eigenen Erfahrungen hineininterpretieren können.

Was sind deine Teenie-Lieblingsfilme?
Kids, Nowhere, The Doom Generation, Clueless, Girls Club, Heathers.

Glaubst du, dass moderne Kunst und Fotografie das Gesicht von Feminismus verändern?
Ich glaube, dass moderne Kunst und Fotografie hauptsächlich auf den sozialen Plattformen Anliegen und Ideen pushen können, die sonst nicht genug beachtet werden. Das Publikum ist eindeutig größer. Außerdem hilft es dabei, Communitys zu schaffen, in denen sich Künstlerinnen untereinander austauschen können, sich gegenseitig inspirieren und zusammenarbeiten können.

Was wolltest mit deinem Bildband Sunset zeigen? In deinem Zine Israeli Girls hast du die Jugendkultur und Sexualität in Israel zeigen. Ist das Buch eine Fortführung?
Es geht in dem Buch eher um die Ästhetik, die mich in letzter Zeit so interessiert, die Nostalgie der Küstenstädte in Israel, in die ich in unterschiedlichen Phasen in meinem Leben gefahren bin. Die ganze Ästhetik dieser Städte hat etwas Faszinierendes an sich, von den Luxusresorts bis zur Geschichte dieser Touristenstädte, ihr Umland und die Leute, die dort leben. Auch wenn sie sich in den letzten Jahren viel geändert haben, stehen ein paar der alten Hotels noch. Das ist toll. Ich war mal in Vegas und war von den alten Motels fasziniert. Ich mag es, dass man durch Architektur ein Gefühl für eine bestimmte Zeit bekommt. Man stellt sich vor, was wohl damals in diesen Gebäuden passiert ist. Ich habe mich auch an Nachtaufnahmen versucht. Das Thema weibliche Sexualität steht weiterhin im Zentrum, im Buch Sunset eben nur an verschiedenen Orten und auf verschiedene Weise. Ich behandle beide Veröffentlichungen als Einheit: ich erschaffe eine Welt. Als ob ich einen Film drehe.

Sunset

von Dafy Hagai ist bei Perimeter Editions erschienen und hier erhältlich.

Credits


Text: Zio Baritaux
Alle Fotos: Courtesy of Dafy Hagai