im gespräch mit soko

Sie dachte, sie sei ein Alien und lieh einem sexy Roboter in Spike Jonzes Her ihre Stimme. Sie macht gute Musik, ist charmant und auch ein bisschen komisch: Soko ist das Mädchen, mit dem wir ab jetzt immer abhängen wollen. Immer!

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26 August 2015, 3:55pm

Stéphanie Sokolinski musste schnell erwachsen werden. „Mein Vater starb, als ich fünf war und ich lernte schnell, was Realität, Moral und Vergänglichkeit bedeutet", sagt sie. „Diese Erkenntnis im Alter von fünf Jahren macht aus einem viel zu früh einen Erwachsenen und man entwickelt zu früh ein Bewusstsein für die Welt, das man als Kind so noch nicht haben sollte."

Die Sängerin und Schauspielerin - besser bekannt als Soko - entschied mit zehn Jahren, dass sie keine Eltern braucht. Sie wollte alleine wohnen und Verantwortung als Erwachsene übernehmen. Mit 16 lief sie weg, von Bordeaux nach Paris. Sie besorgte sich eine Wohnung, einen Agenten und ein paar Schauspieljobs, bevor sie mit 20 ausflippte. „Ich fühle mich wie eine Idiotin, weil es nur um Besitztümer und Wohnungsfragen ging. Ich lebe seit neun Jahren wie ein Teenager, ich übernachte auf Sofas von Freunden und lebe aus meinem Koffer. Und jetzt möchte ich nichts anderes als für immer ein Kind sein und es lähmt mich, weil ich mich an nichts binden kann oder nicht zu viele Verpflichtungen eingehen möchte. Ich will einfach nur Dinge machen, die mich glücklich machen und die mich nicht langweilen - wie mehr Kunst." Eine Balance zu finden, stellt sich als ziemlich schwierig heraus, besonders wenn man fast jede Woche auf einen anderen Kontinent fliegt, um zu arbeiten. „Dadurch kann ich mich kaum irgendwo niederlassen und ich hänge in einer Teenager-Welt fest. Irgendwo länger als zwei Wochen zu sein, hört sich für mich wie ein Traum an." Dies vorausgeschickt, gibt sie schnell zu, dass sie sich schwer damit tun, ihre Freizeit sinnvoll zu nützen. „Ich werde krank und bin gelangweilt. Im Leben gibt es nichts Schlimmeres als Langeweile. Ich denke, dass Langeweile gleich Tod ist, also sorge ich dafür, dass ich genau das Gegenteil tue, nämlich hyperaktiv zu bleiben und überarbeitet zu sein", sagt sie mit dem charmantesten französischen Akzent, den wir je gehört haben.

Ihr Schicksal vor Augen, nie älter zu werden, zitiert sie im Gespräch oft den Lieblingsfilm aus ihren Kindheitstagen Hook, der ganz offensichtlich einen großen Einfluss auf sie ausübte. „Mit meinen ganzen heutigen Problemen, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich dazu verdammt bin, in Nimmerland zu wohnen und nicht älter zu werden. Auf meinem letzten Album gibt es den Song „Peter Pan Syndrome". Trotz ihres Nomadentums hat Soko in L.A. ihr Nimmerland gefunden und betrachtet es mittlerweile als ihr Zuhause. „Es ist eine Stadt, die einem erlaubt, Träumerin zu sein, weil die Mieten hier so niedrig sind. Ich finde es wirklich inspirierend, wie die Leute hier mit ihrem inneren Kind eins sind, während man in anderen Städten einem normaleren, erwachsenerem Lebensstil gehorchen muss." Ihr neues Album My Dreams Dictate My Reality fühlt sich erwachsener an als das letzte - eher The Cure als The Moldy Peaches. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich mit schmerzvollen Erinnerungen abschließen muss. Ich musste Songs darüber schreiben und an einen Punkt gelangen, an dem ich sie akzeptiere, weil sie mich zu der gemacht haben, die ich heute bin." Einige Nummern, besonders „Keaton's Song" sind unglaublich ehrlich, emotional, da muss es doch ziemlich anstrengend sein, sie jeden Abend auf Tour zu spielen? „Das sind sie!", sagt sie lachend. „Es ist sehr einsam, aber auch toll, beängstigend und unglaublich zugleich." Andere Stücke sind punkig, voller Energie und führen beim Publikum zu einer schweißtreibenden Tanz-Ekstase. „Ich wollte ein Album machen, das Spaß beim Performen macht", erklärt sie. Ihr Konzert im Londoner 100 Club endete mit einer spontanen Nacktdemonstration. Liebe lag in der Luft. „Ich singe über so persönliche Dinge, da fühlt es sich bereits so an, dass ich nackt bin. Es war fantastisch zu sehen, wie befreiend es für die Leute war, auf die Bühne zu kommen. Ich habe E-Mails bekommen, in denen sie mir schrieben, dass es das Befreiendste war, was sie in ihren Leben getan hätten!" Deshalb ist Soko unser Teenage Dream.

Apropos Träume, sie analysiert ihre und schreibt sie immer auf. „Die meisten der wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben treffe ich aufgrund von Träumen. Ich bin nach L.A. gezogen, weil ich am Tag zuvor davon träumte. Es war glasklar, dass es das war, was ich tun musste. Es war komplett irrational, aber ich wusste einfach, dass ich es tun muss. Als Kind litt ich darunter, dass ich keine Freunde hatte, aber ich habe endlich die Leute gefunden, die mir in meinem Leben am wichtigsten sind."

Nachdem sie ihr Album herausbrachte und damit auf Tour ging, widmet sie sich jetzt ihrer Schauspielkarriere. Ihre Haare, die erst wasserstoffblond, dann blau waren, sind jetzt schwarz und kurz. „Ich hasse es", sagt sie. Die Frisur ist für ihre Rolle in Voir du Pays. In dem Film spielt sie eine Soldatin, die aus Afghanistan zurückkommt und unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidet. „Ich habe mich vor dem Dreh wirklich gut gefühlt und mich gefragt, ob ich wirklich an einen dunklen Ort gehen soll. Ich bin spießig geworden und räume meine Wohnung zwanghaft auf. Meine Freundin erträgt es und hilft mir, alles ordentlich zu halten."

Das ist die erste Rolle in seiner ganzen Serie von starken weiblichen Charakteren, die Soko porträtieren wird. In Things You Missed While You Were Gone wird sie neben Freundin und Kollegin Jena Malone zu sehen sein und bald beginnen die Dreharbeiten zu The Dancer, einem Film mit Elle Fanning und Louis Garrel, der ihren Stern mit Sicherheit nach ganz oben befördern wird. Louis wird dabei die Rolle ihres Lovers spielen, während Soko die Rolle der Jugendstil-Muse und Tänzerin Loïe Fuller übernimmt, die für ihren Serpentine-Tanz bekannt wurde und eine Wegbereiterin des modernen Tanzes ist. Besonders spannend an dieser Rolle ist der Fakt, dass Regisseurin Stéphanie Di Gusto das Drehbuch mit Soko im Kopf schrieb. Als Soko die Nebenrolle in einem Film von Di Gustos Ehemann spielte, sprach sie Soko an. „Du kannst keine Nebenbesetzung sein! Du musst der Star sein! Ich werde dir die Rolle deines Lebens schreiben" Und so sollte es kommen. Uns beschleicht das Gefühl, dass diese Rolle Sokos Leben wirklich für immer verändern könnte. „Das wird sie und das tut sie bereits", sprudelt es voller Energie aus ihr heraus. „Alles braucht Zeit und alles wird sich fügen. Manchmal hält man Dinge für einen Rückschlag, aber dann stellt sich heraus, dass sie etwas viel Besseres verdeckt haben. Vertraut mir." OK, Soko.

@sokothecat

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Credits


Text: Francesca Dunn
Foto: Axel Filip Lindahl
Styling: Elodie David-Touboul
Haare: Karin Bigler at Jed Root verwendete Bumble and bumble
Make-up: Aude Gill at Studio 57
Fotoassistenz: Noah Beyene, Olivier Baillon
Stylingassistenz: Nathalie Moussier
Soko trägt eine Jacke und einen Hut von April 77. Hemd: The Kooples. Halskette: Harpo. Ohrring (links): Pamela Love. Ohrring (rechts): model's own.