Dieser Instagram-Account teilt anonyme Geschichten von Models, die sexuell missbraucht wurden

Du dachtest, Hollywood hat ein Problem mit sexueller Gewalt? Model Cameron Russell teilt Erfahrungsberichte aus der Modeindustrie, die nicht nur schockieren, sondern aus der ganzen Welt stammen.

von Tish Weinstock
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16 Oktober 2017, 9:14am

via @cameronrussell

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

WARNUNG: Dieser Artikel beinhaltet graphische Schilderungen sexueller Gewalt.

Als eine Kollegin Model und Aktivistin Cameron Russell anvertraut hat, dass sie in der Vergangenheit von einem berühmten Fotografen sexuell missbraucht wurde, war Cameron sofort klar, dass sie etwas tun muss — vor allem angesichts der Missbrauchs-Vorwürfe gegen Harvey Weinstein und der Diskussionen, die damit weltweit ausgelöst wurden.

Mit der Erlaubnis ihrer Freundin, postete sie ihren Bericht mit dem Hashtag #MyJobShouldNotIncludeAbuse und der folgenden Überschrift auf ihrem Instagram-Account: "Ein mutiges Model hat mir heute ihre Geschichte erzählt. Sie wollte anonym bleiben, hat mich aber darum gebeten, ihre Worte hier zu teilen, weil der Fotograf immer noch in der Modebranche arbeitet. Wir müssen beginnen, das Schweigen zu brechen. Wir sprechen hier nicht von einem, fünf oder sogar zwanzig Männern. Es ist eine ganze Kultur der Ausbeutung und es muss endlich aufhören."

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Seit ihrem ersten Post hat Cameron mittlerweile über 80 weitere Berichte über sexuellen Missbrauch in der Modeindustrie geteilt, einer grauenhafter als der andere. "Ich wurde oft als Feministin verschrien, weil ich es angesprochen habe, wenn mich jemand ungewollt begrapscht, mir einen Klaps auf den Hintern gegeben, mir anzügliche SMS geschrieben oder mich ständig angerufen hat, mich zu Dates überreden wollte oder es einfach keine Möglichkeit gab, sich vor Blicken geschützt umzuziehen, etc.", fügt sie hinzu, "aber weil ich daraufhin immer nur Sätze wie 'Überrascht dich das?' oder 'Das gehört eben zum Job' zu hören bekam, habe ich es hingenommen. Je schlimmer das Vergehen, desto schwieriger ist es für das Opfer, den Mund aufzumachen und sich damit negativen Reaktionen und Zweifeln auszusetzen, wodurch das schreckliche Erlebnis für sie noch schmerzhafter und oft auch beschämender wird, obwohl sie keine Schuld tragen."

Als Model ist man anderen während eines Jobs gewissermaßen ausgeliefert; es gibt Leute, die einen ankleiden, die einem die Haare machen, sagen, wo man hinschauen und wie man sein Bein am vorteilhaftesten präsentiert. Das Ungleichgewicht bezüglich der Macht am Set ist riesig, aber es gehört zum Job. Wenn diese Macht missbraucht wird — wenn ein Model statt in Position gebracht zu werden, angegrapscht wird, wenn aus dem Ankleiden ein Begaffen wird, die Machtdynamik über die Grenzen des Jobs hinausgeht und man dazu gedrängt wird, sich in Hotels zu treffen — hast du ein Problem. Und nein, es ist ganz klar nicht Teil des Jobs.

Auch das Model Edie Campbell hat es Cameron gleichgetan und auf Instagram eine Reihe von Geschichten gepostet, die ihr erzählt wurden und sie auch selbst erlebt hat: "Wenn wir am Set sind, gibt es eine unausgesprochene Regel: für diesen Tag übergeben wir unseren Körper oder unser Gesicht dem Fotografen, den Stylisten und den Make-Up-Artists. Ich möchte jeden, der in der Modebranche arbeitet, daran erinnern, was für ein Machtgefälle das ist, und darauf zu achten, ihre Macht nicht zu missbrauchen, sondern sich um die Models zu kümmern und sie zu beschützen."

Wenn auch du eine Geschichte zu erzählen hast, kannst du dich direkt an Cameron wenden oder unter ihrem Hashtag #MyJobShouldNotIncludeAbuse darüber berichten, damit das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in der Branche öffentlich wird und ein für allemal dagegen vorgegangen werden kann.
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