Photography Alasdair McLellan

Alasdair McLellans nostalgischer Film fängt das Erwachsenwerden in den 90ern in Großbritannien ein

Der Fotograf spricht mit uns über sein Roadtrip-Projekt, das er gemeinsam mit der Band Saint Etienne entwickelt hat.

von Frankie Dunn
|
06 September 2021, 10:29am

Photography Alasdair McLellan

Alasdair McLellan ist vor allem als Fotograf und langjähriger Mitarbeiter von i-D bekannt, jetzt hat er sich mit der britischen Band Saint Etienne zusammengetan und einen 45-minütigen Film zu ihrem neuen Album I’ve Been Trying To Tell You gedreht. Das Projekt, das am 10. September auf Heavenly Recordings erscheint, ist das zehnte Studioalbum der Band - 30 Jahre nach ihrem Kultdebüt Foxbase Alpha - und beschäftigt sich mit Jugend, Optimismus und den späten 90ern.
 
Das Album wurde größtenteils aus Samples und Sounds aus den Jahren 1997 bis 2001 zusammengestellt, eine Zeitspanne, die durch den Sieg der Labour Party im Vereinigten Königreich eingeläutet und durch den 11. September brutal zu Ende gebracht wurde. "Das Album handelt von den späten 90er Jahren, von diesem Gefühl des Optimismus und davon, wie die Erinnerung einem Streiche spielen kann", erzählt Alasdair. "Für den Film habe ich mich für die Zeit entschieden, als ich anfing, Saint Etienne zu hören.”

Alasdair, der in South Yorkshire aufgewachsen ist, erinnert sich an die jugendliche Langeweile, an Orten, an denen wenig passiert ist. „Heute blicke ich ganz anders auf diese Zeit zurück - selbst die Langeweile erscheint mir idyllisch - und ein großer Teil des Soundtracks damals war Saint Etienne."

a topless young man wearing Adidas shorts skims stones
Fotografie Alasdair McLellan

Das nostalgische Projekt ist eine Art Roadtrip, bei dem Alasdair junge Leute von Scunthorpe bis Stonehenge eingefangen hat. In dem daraus resultierenden Film werden Aufnahmen der M1 gezeigt, gotische Kathedralen mit Fabriken und Einkaufszentren. Wir bekommen Gruppen von Freunden zu sehen, die ihr Leben in der Sommersonne genießen und bei Dämmerung provisorische Raves auf einem Feld veranstalten, von den Scheinwerfern eines alten VW Golf GTI beleuchtet. Alle sind jung und frei und nichts anderes scheint wichtig. Der Film ist eine Hommage an das Land, das sowohl dem Regisseur wie auch der Band so viel bedeutet.

In unserem Interview spricht Alasdair über seine verschwommenen Erinnerungen an die 90er Jahre und die Filme, die er sich als Referenzen für dieses Projekt angesehen hat.

Erinnerst du dich noch an das erste Mal, als du Saint Etienne gehört hast?
Ganz vage. Es war zu Beginn der 90s und ich war gerade dabei, mein Abitur zu machen. Ich erinnere mich, dass ich alle ihre Alben gekauft habe, von Foxbase Alpha bis Home Counties. Für mich fühlt es sich immer noch wie ein Ereignis an, wenn ein neues Album von Saint Etienne herauskommt. Ich habe das Gefühl, dass ich mit ihrer Musik aufgewachsen bin.

I've Been Trying To Tell You spielt in den späten 90er Jahren. Wie sah dein Leben damals aus? Was glaubst du, was diese Zeit und ihre Ästhetik für junge Leute heute so anziehend macht?
Es stimmt, die Ästhetik der 90s ist noch immer omnipräsent. Gerade was Sportbekleidung angeht orientieren sich viele Marken an den Klamotten von damals als Inspiration. Was mein eigenes Leben in den späten 90er Jahren angeht, da habe ich gerade meinen Uniabschluss gemacht und bin dann nach London gezogen, um mein Glück als Fotograf zu versuchen.

Welche Bedeutung haben eigentlich die einzelnen Städte, die du für den Roadtrip im Film ausgewählt hast?
Die Idee war, ein Video über Großbritannien zu machen oder zumindest über einige Orte. Ich hatte schon immer eine Faszination für Fabriken, also haben wir in Southampton, Ferrybridge und Scunthorpe gefilmt und dann in einer riesigen Fabrik in Schottland, die Grangemouth heißt und aussieht wie aus einem Science-Fiction-Movie. Der Roadtrip war eine Möglichkeit, all diese Orte miteinander zu verbinden. Wir haben in vielen Städten gedreht, von Sheffield über London, Blackpool bis nach Portmeirion.

a woman in a leather jacket stands on an otherworldly pale blue mermaid balcony in Port Meirion
Fotografie Alasdair McLellan

Du hast erzählt, dass du für das Projekt einige Filmreferenzen benutzt hast, welche genau?
Obwohl Saint Etienne eine unglaublich britische Band ist, habe ich ihre Musik immer als sehr international empfunden. Ein Großteil ihrer Musik ist vom europäischen Kino beeinflusst, und als wir am Marble Arch in London drehten, dachte ich, es wäre interessant, wenn Hannah dort in den Brunnen steigen würde, wie in La Dolce Vita. Der Brunnen ist zwar nicht der Trevi-Brunnen, aber er hat trotzdem etwas Besonderes an sich. Er sieht dort auch nicht aus wie in London. Wir haben auch in Portmeirion in Wales gedreht, das eher wie ein verträumtes italienisches Dorf wirkt und deshalb sehr gut zur Ästhetik des Films passt.

Gibt es eine Szene, die dir besonders am Herzen liegt?
Ich glaube, ich mag die Illuminationen in Blackpool. Meine Mutter wurde in Blackpool geboren, deshalb waren mir die Szenen dort besonders wichtig.

Es ist eine schöne Vorstellung, dass man die Langeweile, die man als Teenager empfindet, später als idyllisch wahrnimmt. Was würdest du deinem jugendlichen Ich von damals sagen?
Es gibt vieles, was man damals gerne gewusst hätte, haha. Ich hätte mir selbst gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll und alles schon seinen Weg finden wird.

a woman with an afro blows bubbles in the golden hour light
Fotografie Alasdair McLellan
a burnt out white car with the bonnet up sits by a lush green field
Fotografie Alasdair McLellan
Tagged:
Music
90S
coming of age