Foto: via i-D UK

So kämpft Grindr gegen den Rassismus innerhalb der LGBTQ-Szene

"Kindr" soll ein besserer Ort für alle werden.

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Aug. 13 2018, 11:38am

Foto: via i-D UK

Die unter nicht-heterosexuellen Menschen äußerst beliebte Dating-Plattform Grindr setzt endlich das um, was queere People of Color seit Jahren von der Plattform verlangen: Maßnahmen gegen die Diskriminierung vieler Nutzer.

Trans-Aktivistin Munroe Bergdorf ist eine von vielen, die bereits in ihren sozialen Netzwerken den Rassismus und die Transphobie auf Grindr kritisiert hat. Die Dating-App kündigte nun an, ab September mit Kindr eine neue App ins Leben zu rufen. Weitere Details sind noch nicht bekannt. Ob sich das Unternehmen gleich ganz umbenennen wird, steht noch nicht fest. Aber dem Post auf dem offiziellen Instagram-Account der Firma zu urteilen, steht die weltweite Grindr-Community vor großen Veränderungen.


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Grindr hat jahrelang zugelassen, dass Rassismus und Diskriminierungen auf ihrer Plattform geduldet wurden. Ich habe aufgehört, mitzuzählen, wie oft mich weiße, schwule Cis-Männer rassistisch beleidigt und als "Terrorist" bezeichnet haben, weil ich nicht auf ihre Angebote eingegangen bin. Oder dahin zurückgehen soll, wo ich herkomme – dabei bin in London geboren.

Doch eine Sache geht in der ganzen Debatte bisher unter: Dieses Verhalten beschränkt sich nicht nur auf Grindr. Rassismus und Transphobie gibt es auch in Clubs, in den Medien und andere vermeintlich sicheren, öffentliche Räumen unserer Community. Grindr und andere Apps haben sich nur zum perfekten Ort für rassistische Schwule entwickelt, weil sie hier ihre Vorurteile ausleben können, unter dem Vorbehalt es handle sich dabei lediglich um "sexuelle Vorlieben".

Der frühere CEO von Grindr, Joel Simkhai, hat in einem Interview 2016 die Bedenken der schwarzen User beiseite gewischt, dass sie fetischiert werden. Im Gespräch mit den Kollegen von Broadly sagte er: "Ist es wirklich so schlimm, zu sagen, dass man nur auf Schwarze steht? Das ist doch einfach nur eine sexuelle Vorliebe." Für jede queere Person of Color ist das nichts Neues. Das sind nur Beispiele für den tief verwurzelten Rassismus innerhalb der queeren Community. Wir wissen seit Langem, dass unser Platz in der Mainstream-LGBTQ-Community am Rande ist. Wir sind nur Gäste, die offline und online geduldet werden – und bitte auch noch dankbar dafür sein sollten.

Wenn es die Macher von Kindr wirklich ernst meinen und etwas in der Community verändern wollen – und das nicht nur PR ist –,dann darf der Fokus nicht nur darauf liegen, wie wir im Internet kommunizieren. Es muss um die Diskriminierung innerhalb der queeren Community gehen – und diese nimmt viele Formen an. Scruff, Gayromeo, Tinder sind nicht besser. All diese Plattformen tragen dazu bei, dass sexueller Rassismus normalisiert wird. Das Problem ist nicht erst durch die Apps entstanden, sondern durch das Verhalten der Menschen, die diese benutzen.

Ich habe Stunden meiner wertvollen Zeit damit verschwendet, weißen Schwulen zu erklären, dass "Ich stehe auf Asiaten" oder "Rice Queen" keine Komplimente sind. Ich bin müde. Jedes Jahr klären uns unzählige Artikel über den Rassismus in der LGBTQ-Community auf. Danach folgt der routinemäßige moralische Aufschrei. Doch es ändert sich nie etwas.

Es ist wichtig, was hinter den Kulissen passiert. Bei den Menschen in Machtpositionen. Was Grindr angekündigt, ist eine gute Sache. Ich hoffe wirklich, dass Kindr der Wendepunkt ist und realistische und proaktive Lösungen für das viel größere Problem entwickelt werden: Innerhalb der LGBTQ-Community gibt es ein riesiges Problem mit Rassismus und der Diskriminierung nicht-weißer Menschen.