2, 4, 6, 8 we appreciate ... first hate

Würde es Post Internet nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Musik geben, dann wären First Hate die Band, die man eindeutig erwähnen müsste.

von Alexandra Bondi de Antoni
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05 Oktober 2015, 10:55am

First Hate sind uns das erste Mal beim Spot Festival in Aarhus aufgefallen. Nach drei Tagen Musik und wenig Schlaf hatte uns der Auftritt der zwei Boys wieder aufgeweckt. Nerdig schauen sie aus, mit ihren Brillen und Mützen könnten sie auch Kunststudenten sein, die sich auf die Bühne verirrt haben, während sie über die Girls im Club singen, von denen sie Bilder machen, während der Beat hin und her hüpft und sie gelegentlich ins Mikrofon stönen. 

Joakim Nørgaard und Anton Falck Gansted sind die zwei Musiker hinter First Hate, deren erste EP auf dem Label von keinem Geringeren als Ben Cook erschienen ist und die gerade erst Trentemøller auf seiner Europa-Tour begleitet haben. Ihren Sound kann man als Low-Fi-Sync-Pop beschreiben, der einen zweimal hinhören lässt. Vor ihrem ersten Berlin-Gig am Donnerstag bei Ja Ja Ja haben wir dem Duo ein paar Fragen gestellt. 

2 Lektionen, die wir fürs Leben gelernt haben

1. Wir werden wie Hippies klingen. 
Wir denken jeden Tag darüber nach, wie wir bessere Menschen werden und wie wir das meiste aus diesem Leben herausholen. Manchmal erwischt man sich dabei, wie man einem Phantom nacheifert, von dem man denkt, dass es dem eigenen Unbehagen ein Ende setzt. Wenn man sich mal wieder über sein Leben aufregt oder nicht damit zufrieden ist, wo man gerade im Leben steht, dann hilft es, etwas für die Leute zu machen, die man mag. Liebe ist nichts, was man einfach so erhält, aber etwas, was man einfach geben kann. Man soll der Liebe nicht hinterjagen, sondern sie geben.

2. Keine Giftschlange anfassen.
Das ist eine ganz schlechte Idee. Ich (Anton, Anm. d. Red.) tat es und wurde gebissen. Ich landete im Krankenhaus mit Krämpfen und einem Arm, der auf den doppelten Umfang anschwoll und sich dunkelviolett verfärbte. Sie mussten das Gegengift aus einer anderen Stadt besorgen. Es dauerte ein Jahr, bevor ich meine Hand wieder vollständig bewegen konnte. Ich glaube, dass da die Kraft der Schlange in mich übergegangen ist. Mein Leben und das Leben der Schlange sind jetzt miteinander verbunden.

4 Künstler, die euch beeinflusst haben

1. The Tough Alliance  
Sie haben einen eigenen Sound. Ich entdeckte sie zu einer Zeit, als ich nicht besonders glücklich war. Dank ihnen blieb ich nachts wach und machte auf meinem Laptop Musik. Es war sowieso unmöglich zu schlafen, weil ich so viel nachdenken musste. - Anton

2. jj 
So wie bei Nummer 1. Sie haben einen eigenen Sound und machen ihr Ding. 

3. Enya 
Mein Bruder hat mal ein Mixtape gemacht, auf desen Cover ein Adler war. Enya und Scooter waren auf diesem Mixtape. Das waren die ersten Songs, an die ich mich erinnere. Zu der Zeit schlief ich im Stockbett, weshalb ich ganz nah an der Zimmerdecke war. Wann immer ich jetzt Enya höre, sehe ich diese Zimmerdecke vor mir. Manchmal denke ich an die Zimmerdecke, wenn ich Musik mache. - Joakim.

4. Symphony Of Science 
Wir sind davon besessen. In diesen YouTube-Clips sprechen Wissenschaftler über Themen wie das Gehirn oder die Quantetheorie. Die Reden sind aufgezeichnet und werden durch Musik und Videos begleitet. Klug zu sein und die Welt zu erkunden, macht uns zu Menschen. Diese Videos haben uns verändert. Schaut sie euch an!

6 Gründe, wieso ihr so klingt, wie ihr klingt

1. Mangel an Wissen: In einem Lernprozess zu stecken und nicht zu wissen, was man tun soll oder was nicht, macht das Produzieren interessant. Vieles entstand durch Zufall.

2. Kindheit: Wir erinnern uns oft an unsere Kindheit und denken darüber nach, warum wir so sind, wie wir sind. Unsere Songtexte entspringen oft diesen Gedanken.

3. Lange Nächte: Musik zu machen ist unsere Art, mit gelegentlicher Schlaflosigkeit umzugehen. Unsere Songs entstehen meistens in Einsamkeit und wir arbeiten dann im Studio gemeinsam daran weiter.

4. GEM-PX 3ii: Dieses Keyboard hat ein paar fantastische Sounds, besonders der stählerne Gitarrensound!

5. In einer Wohnung mit schlafenden Leuten zu sein: Nachts den Gesang aufzunehmen und darauf zu achten, dass man nicht die Leute, die im nächsten Raum schlafen, aufweckt. Anfangs waren das unsere Eltern, weil wir damals noch zu Hause gewohnt haben. Das gibt den Melodien und den Aufnahmen eine besonders verletzliche Qualität.

6. Unsere Stimmung: Die Stimmung, die wir haben, wenn wir an Songs schreiben, hat einen großen Einfluss darauf, wie sie klingen. Es fühlt sich manchmal eher wie Therapie an. Uns geht es eher darum, sich einem Gefühl hinzugeben, als einen Song zu schreiben.

8 Dinge, die du über First Hate wissen solltest

1. Wir haben Matador über 20 Mal gesehen und wir lieben Pierce Brosnan. Wir haben auch für ihn in der Abstimmung über den besten Bond aller Zeiten gestimmt.

2. Wir haben dasselbe Mädchen zur gleichen Zeit gedatet. Wegen ihr haben wir uns zuerst gehasst und uns aber dann angefreundet. Daher kommt auch der Name der Band.

3. Joakim war in Harry Potter und die Kammer des Schreckens Statist, bei 01:34:13 in der rechten oberen Bildecke kann man ihn sehen.

4. Antons Mutter verlor während der Schwangerschaft seinen Zwillingsbruder. Sie sagte es ihm Heilig Abend 2011 und er war danach total fertig.

5. Joe ist vom Sternzeichen Krebs, Anton ist vom Sternzeichen Zwilling. Wir sind 10 Tage auseinander im selben Krankenhaus zur Welt gekommen.

6. Wir glauben an das Übernatürliche und das Göttliche.

7. Joe ist Halb-Chinese und ging als Kind zur chinesischen Samstagsschule. Sein chinesischer Namne ist Shang Wei.

8. Unsere erste EP entstand mit Garageband.

@firsthate

Live kannst du First Hate am 08. Oktober bei Ja Ja Ja Berlin sehen.

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Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 

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