das mädchen unter dem kopftuch

Modebloggerin Wiwid Howat räumt mit Klischees über muslimische Frauen auf.

von Naeun Kim
|
10 Juli 2015, 11:10am

Foto: Samuel Howat

Wiwid Howat hört sich wie jede andere, erfolgreiche Modebloggerin an: Sie postet Fotos von ihren Outfits auf ihrem Blog, sie hat fast 20.000 Instagram-Follower, sie arbeitet mit Labels zusammen und ihre Arbeiten waren bereits in einer Ausstellung des bekannten Powerhouse Museum in Sydney zu sehen. Was sie aber von anderen unterscheidet: ihr Glaube. Die 26-jährige Wiwid, die in in Indonesien geboren und als Muslima erzogen wurde, räumt mit Klischees über muslimische Frauen auf.

Wie bist du Modebloggerin geworden?
Als ich in Indonesien an meiner Uni-Abschlussarbeit geschrieben habe, fing ich an, muslimische Kleidung zu entwerfen. Die Abschlussarbeit hat mich so gestresst und das Entwerfen von Kleidung hat mich abgelenkt - es war wie eine Art Therapie. Zu der Zeit hatte ich kein Geld für Models, also hat eine Freundin, die Fotografie studierte, Fotos von mir gemacht, wofür ich ihr ein Mittag- oder Abendessen ausgegeben habe. Als ich die Bilder dann gesehen habe, begriff ich, dass viele dieser Fotos so gut waren, dass man sie im Internet posten kann. So habe ich mit dem Bloggen angefangen.

Als du angefangen hast, wolltest du da mit Klischees aufräumen oder war es eher etwas, was nur für dich sein sollte?
Es gab nicht besonders viele aktive, muslimische Modebloggerinnen, als ich anfing. Für jemanden, der ein Kopftuch trägt, ist es schwierig, Inspirationen zu finden. Ich bin nicht traditionell. Ich trage nicht gerne traditionelle, muslimische Gewänder. Du und ich könnten fast das gleiche tragen. Du trägst einen Minirock und ich kann das mit einer Leggings darunter kombinieren. Ich möchte einfach meinen Style mit anderen teilen und vielleicht dadurch andere Leute inspirieren. Es gibt so viele unterschiedliche Arten, Kleidung zu tragen.

Ich bin mir sicher, dass es nicht einfach war. Hattest du irgendwelche Probleme mit Leuten im Internet?
Es ist tatsächlich so, dass ich oft kritisiert werde. Die Kritik kommt hauptsächlich aus der muslimischen Community, was echt traurig ist. Ich trage gerne Röcke, die ein wenig von meinen Knien und Beinen zeigen und die Leute sagen dann, dass man diesen Teil des Beines nicht zeigen sollte. Wir haben alle unterschiedliche Standards, was die Bedeckung von Körperstellen angeht. Ich glaube ganz fest daran, dass jede Frau das Recht hat, mit ihrem Körper das zu tun, was sie will.

Wie reagierst du auf die Kritik?
Um ehrlich zu sein, hat es anfangs wehgetan, als ich so viel kritisiert wurde und ich habe geweint. Ich habe mit meinem Ehemann darüber gesprochen. Er ist gebürtiger Australier und ist dort auch aufgewachsen, er sieht die Dinge anders. Er sagt mir nicht, ‚Kümmere dich nicht um die Idioten', sondern er ermutigt mich, die positiven Dinge zu sehen und die negativen Dinge zu vergessen. Mittlerweile denke ich, dass Kritik gut für die persönliche Entwicklung ist. Ich möchte nur nicht, dass die Kritik mein Leben, oder was ich liebe, stört oder zerstört.

Was sind deine Tipps, um Mode und deine Religion in Einklang zu bringen?
Sei du selbst, fühle dich wohl, was auch immer du trägst und achte darauf, dass es anständig und bedeckt ist. Habe keine Angst, Dinge zu kombinieren. Ich liebe Hüte und Ohrringe. Weißt du, ich bin so neidisch auf dich, weil du kein Kopftuch trägst und du kannst Hüte und Ohrringe tragen. Ich muss einen Kompromiss finden und darauf achten, dass es gleichzeitig gut und anständig aussieht.

Gibt es eine große muslimische Blogger-Community in Australien?
Ich glaube nicht, dass es so eine große Community wie in Indonesien gibt, was wahrscheinlich daran liegt, dass unser Bevölkerungsanteil und dementsprechend der Markt hier ziemlich klein ist. Aber sie wächst. Auf Instagram folgen mir immer wieder neue Leute und ich sehe ihre Profile. Einige sind muslimisch und Modeblogger aus Australien.

Also kannst du ein Wachstum sehen?
Ich denke, ja. Ich glaube, die jüngeren Muslime in Australien sehen das Wachstum und begreifen es als Chance, um ihre Individualität zu zeigen und die Mauern in den Köpfen einzureißen. Es wird definitiv eine große Sache in Australien.

Ist es etwas, womit du dich langfristig verbunden fühlst?
Das hoffe ich. Ich hoffe wirklich, dass ich mir eine Karriere damit aufbauen kann. Ich möchte, dass mich die Leute auf eine andere Weise wahrnehmen, besonders wenn man dabei die ganzen Klischees über muslimische Frauen berücksichtigt. Bloggen ist mein Hobby und gleichzeitig habe ich eine Botschaft: dass muslimische Frauen nicht so anders sind. Wir haben die Chance, unsere Persönlichkeiten zeigen, und wir haben das Recht, das zu tragen, was wir wollen. Wir leben in Australien, es ist ein freies Land und ich möchte meine Persönlichkeit frei gegenüber anderen ausdrücken können.

@wiwidhowat

Folge uns auf Instagram @id_germany.

Das könnte dich auch interessieren:

  • Acht junge, muslimische Kreative sprechen hier darüber, wie ihr Glaube ihre Arbeit beeinflusst.
  • Lies hier unser Interview mit dem Regisseur von Muslim Drag Queens über die Realität von schwulen Muslimen, die aus ihren Heimatländern nach Europa fliehen.
  • Du willst selbst deinen Modeblog starten? Dann lies hier unseren A - Z Guide über den modischen Cyberspace. 

Credits


Text und Interview: Naen Kim
Fotos: Samuel Howat

Tagged:
Islam
Interview
Interviews
Muslime
blogger
Bloggen
Kopftuch
fashioninterviews
wiwid howat