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4 dinge, die die welt hoffentlich von caitlyn jenner lernen wird

Warum #callmecaitlyn so wichtig ist.

von Lynette Nylander
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03 Juni 2015, 10:30am

Letztes Jahr, als der eingeölte Allerwerteste von Kim Kardashian-West auf dem Cover von Paper Magazine zusammen mit „#breaktheinternet"erschien, dachten viele, dass wir den Gipfel des medialen Schocks und Überraschung, ausgelöst durch Magazincover, erreicht haben … das stimmte bis zu diesem Montag. Nach zahllosen Gerüchten präsentierte sich die 65-jährige Caitlyn Jenner, früher bekannt als Bruce Jenner, der Welt auf dem Cover von Vanity Fair. Fotografiert von Starfotografin Annie Leibovitz, kommt Caitlyns Cover einem Erdbeben gleich und das nicht nur in Internet, sondern auch darüberhinaus. Neben der Veröffentlichung auf der Vanity Fair-Website twitterte Caitlyn das Cover mit folgenden Worten: „Ich bin überglücklich, dass ich nach so einem langen Kampf endlich als mein wahres Ich leben kann. Willkommen in der Welt von Caitlyn. Kann es nicht erwarten, dass ihr sie/mich kennenlernt".

Mittlerweile gibt es schon fast eine Million Tweets über #CallMeCaitlyn und es werden immer mehr. i-D erkundet was dieses Ereignis, das ohne Zweifel schon jetzt als eines der wichtigsten popkulturellen Ereignisse 2015 gilt, für die Transgender-Community bedeutet.

Sichtbarkeit
Caitlyn Jenner war Teil eines der größten popkulturellen Phänomene der letzten zehn Jahre. Ihr Leben, ihre Errungenschaften und ihr Tun wurden diskutiert, geprüft und manchmal für unsere ungezügelte Sensationsgier verspottet. Diese Unterhaltung gab es sowohl für die Kardashians als auch für die Öffentlichkeit nicht umsonst, die Geschichten über jeden Schritt von ihnen füllten das Internet. Niemand kann bestreiten, dass der Aufstieg der Kardashians/Jenners zu weltweiter Berühmtheit mit ihrer Bereitschaft, permanent im Scheinwerferlicht zu stehen und jede Woche ihre Leben mit der ganzen Welt zu teilen, zu tun hatte.

Dass ausgerechnet dieses Mitglied der Jenner-Familie die Schlagzeilen beherrscht, ist so toll, allein durch die schiere Anzahl an Leuten, die dieses Cover erreichen wird. Das Interview - und seine Botschaft - werden eine größere Reichweite haben als jede Broschüre, jede Hashtag-Kampagne oder jeder Aufruf. Es wird von den Zeitungskiosken vor denjenigen sichtbar seien, die es vorziehen, die Existenz der Transgender-Community zu ignorieren und das ist schon an sich wirkungsvoll. Die Prominenten, die sich öffentlich als Unterstützter von Caitlyn geoutet haben - ihre Töchter Kendall und Kylie Jenner über Talkshow-Moderatorin Ellen Degeneres bis zu Sängerin Lady Gaga -, erreichen alleine auf Instagram über 80 Millionen Personen. Dass sie ihre Unterstützung öffentlich gemacht haben, ist nur ein Weg,  indem Caitlyns Outing für die dringend benötige Aufmerksamkeit für die Rechte von Transgender sorgt.

Aufklärung
Die Präsidentin und CEO der amerikanischen LGBT-Non-Profit-Organisation GLAAD Sarah Kate Ellis lobte Caitlyn für die Veröffentlichung des Covers: „Indem sie ihre Reise mit der Welt teilt, beschleunigt Caitlyn Jenner die Akzeptanz von Transgender auf der ganzen Welt und sie erinnert uns daran, wie wichtig es ist, dass man sein authentisches, wahres Ich leben kann." Während es unleugbar Vorurteile gegenüber Transgender und denjenigen, die sich im Übergang befinden, gibt, sind viele Leute leider ignorant demgegenüber, was in dieser Community passiert. Die Statistiken sind alarmierend und Aufklärung ist wichtig. Laut einer aktuellen Studie des Williams Institutes (die Studie findest du hier) begehen Transgender eher Selbstmord. 78 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in der Schule unter körperlicher oder seelischer Gewalt gelitten haben und 65 Prozent wurden Opfer von Gewalt am Arbeitsplatz. Die Statistiken sind noch alarmierender unter schwarzen Transgender.

Die Mainstream-Medien haben die Geschichten von Leelah Alcorn, Ashlyn Haffner und Blake Brockington für sich entdeckt, aber diese Tragödien passieren jeden Tag. Jenners Gang an die Öffentlichkeit könnte auch die Arbeit von Organisationen und Gruppen stärken, die sich für Transgender einsetzten und ihnen öffentliche Aufmerksamkeit, Spenden und Unterstützung bringen.

Kommunikation
Caitlyn hatte in vier Stunden bereits über eine Million Follower auf Twitter - neuer Weltrekord. Das ist nicht nur eine nette Zahl, sondern mit jedem Klick auf den „Folgen"-Button wird ihre Botschaft sichtbarer. Ohne es zu wissen baut sie sich eine Plattform auf, von der sie mit der Welt kommunizieren kann und damit sie von denjenigen erreicht werden kann, die ein offenes Ohr haben. In einer Welt, in der Isolation und Selbstzweifel auch die stärksten Personen treffen können, kann Caitlyn Jenner ihren Account nutzen, um Hoffnung und Unterstützung für Millionen von gefährdeten Personen zu bieten. Caitlyn soll bei den diesjährigen ESPY Awards mit dem Arthur Ashe Award für ihren Mut geehrt werden, das wäre ihr erster öffentlicher Auftritt. Letztes Jahr sahen 2,2 Millionen Zuschauer die Preisverleihung, aber dieses Jahr werden bestimmt mehr einschalten, um die Dankesrede für einen Award zu sehen, der an Persönlichkeiten verliehen wird, „deren Leistungen über den Sport hinausgehen."

Akzeptanz
Zu idealistisch? Vielleicht. Aber wir können nur hoffen, dass Bruces 65-jährige Qual von einem Leben und Caitlyns Debüt die Köpfe und Herzen der Öffentlichkeit gegenüber Transgender-Männern und -Frauen überall auf der Welt öffnen. Caitlyn ist nur eine Frau, ob nun berühmt oder nicht, mit einer Geschichte und diese Geschichte und dieser Einfluss sorgt für Schlagzeilen und das wiederum bekämpft die Intoleranz, die Vorurteile und die vorgefassten Meinungen, die die Leben anderer zur Hölle machen.

In einem Tweet auf meinem Twitter-Account wurde Abneigung am Lob für Caitlyns Coming-out geäußert. Nach Jahren in der Position eines „weißen privilegierten Mannes" sei Caitlyn nicht mutig gewesen, und der Tweet unterstellte ihr, dass sie solange gewartet habe, bis sie etwas erreicht habe und reich sei, bevor sie sich outete. Aber welches Leben - ob nun privilegiert oder nicht - ist lebenswert, wenn man nicht als sein wahres Ich leben kann? Das ist ein Recht, das niemandem verwehrt werden sollte.

Die berühmten Namen zum Schluss mal beiseite. Die traurige Wahrheit ist, dass Minderheiten nur selten in den Medien vertreten sind … Schwarze, Schwule, Transgender … Repräsentation ist der Schlüssel, um Meinungen zu ändern und Türen zu öffnen, und das kulturell prägende Vanity Fair-Cover und Caitlyn Jenners Mut sind wichtige Schritte vorwärts auf dem Weg zu mehr Akzeptanz in der Welt.

Credits


Text: Lynette Nylander