Auf dieser feministischen Fotoplattform können Frauen ihre eigenen Geschichten erzählen

Wir haben die Frauen hinter der spannenden Website getroffen.

von Tish Weinstock
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03 Februar 2017, 11:25am

Sara Hini und Cassandra Cacheiro, die Frauen hinter The Womanhood Project, hatten schon immer irgendwie das Gefühl, dass sie mit ihrer dunklen Hautfarbe und ihrem krausigen Haar nicht richtig dazugehören. Sara ist in Algerien geboren und als Kind nach Montreal gezogen. Auf der Schule sah Cassandra anders aus als andere Mädchen und wurde aufgrund ihres Gewichts gemobbt. Nachdem sie sich auf einer Party kennengelernt haben, haben beide The Womanhood Project gegründet, eine Online-Plattform, auf der Frauen ihre persönlichen Geschichten anderen Frauen weltweit verfügbar machen können.


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Cassandra fotografiert und Sara ist für die Artdirektion verantwortlich. The Womanhood Project ist ein Safespace, an dem sich Frauen gegenseitig frei über Themen wie Gender, Sexualität, Muttersein, Missbrauch, mentale Gesundheit, Schwangerschaftsabbruch, Menstruation, Körperbehaarung und vieles andere austauschen können. In einer Zeit, in der Frauenrechte wieder in Zweifel gezogen werden, ist der Bedarf an zusätzlicher weiblicher Solidarität nie größer gewesen. Wir haben mit dem dynamischen Duo über Sexismus und Feminismus gesprochen.

Erzählt uns mehr über Womanhood.
Sara: Je mehr ich mich mit Fotografie und Body-Positivity beschäftigt habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass es noch viele Tabus gibt. Zwar wird über viele Probleme gesprochen, aber die Fotografie hatte sich noch nicht groß verändert. Wir suchen die Mädchen gemeinsam aus, Cassandra fotografiert, ich bin für die Kreativdirektion zuständig und stelle die Fragen. Das ist ein organischer Prozess. Jede macht das, was sie am besten kann. Cassandra verfügt über ein Feingespür und geht beim Fotografieren von nackten Frauen sehr vorsichtig vor. Das ist besonders wichtig, wenn sich die Frauen so offen und verletzlich präsentieren.

Was sucht ihr in einer Frau?
Cassandra: Wir haben nie damit gerechnet, dass sich so viele Frauen melden würden. Und das gleich am ersten Tag, an dem wir über Social Media für das Projekt geworben haben. Wir haben Frauen gesucht, die über ihre persönlichen Probleme sprechen wollen und von denen wir intime Porträts machen können. Wir haben anfangs 20 Frauen ausgewählt. Uns war bewusst, dass jede ihre eigene Geschichte hat, die sie mit anderen Frauen teilen möchte und dass ihnen das Projekt wichtig ist. Wir achten auf eine vielfältige Mischung: unterschiedliche Alter, Herkunft und Sexualitäten.

Warum ist es heutzutage noch so wichtig, dass man Vielfalt eine Sichtbarkeit gibt?
Sara: Nur so können wir langsam aber sicher, die Art und Weise, wie wir Frauen und uns selbst wahrnehmen, ändern. Wir haben so verinnerlicht, dass wir einem bestimmten Frauenbild entsprechen müssen. Das müssen wir immer kritisch hinterfragen und mehr Content produzieren, der etwas Anderes zeigt, und diese Paradigmen aufbricht.
Cassandra: Ich habe nie verstanden, warum die Medien nur einen bestimmten Typ Frau gezeigt haben. Das muss sich ändern und langsam passiert das auch. Wir wollen Teil dieser Veränderung sein.

Besteht nicht die Gefahr, dass so ein Projekt zur Wahrnehmung beiträgt, dass Frauen grundsätzlich anders sind als Männer? Das man sich abgrenzt?
Cassandra: Ja, das würde alles konterkarieren, wofür Frauen in den ganzen Jahren gekämpft haben. Feminismus bedeutet Gleichbehandlung der Geschlechter, nicht dass Frauen besser sind als Männer. Das verstehen viele im Zusammenhang mit Feminismus nicht. Manchmal sehen Männer Feminismus als Gefahr an, das ist er aber nicht. Es bestehen viele Missverständnisse darüber.

Feminismus ist zu einem integralen Bestandteil der gesellschaftlichen Debatte geworden. Wie ist es deiner Meinung nach dazu gekommen?
Sara: Im Internetzeitalter bekommen wir Ereignisse überall auf der Welt sofort mit. Feminismus war immer und wird auch immer ein wichtiges Thema sein. Je mehr Frauen offen ihre Meinung sagen und ihren Platz in der Gesellschaft beanspruchen, desto mehr werden wir darüber sprechen und andere Frauen können sich an anderen Frauen ein Beispiel nehmen.

Besteht nicht die Gefahr, dass das nur ein vorübergehender Trend ist? Und das große Marken das ausnutzen?
Cassandra: Ich habe schon den Eindruck, dass einige Marken Feminismus als Trend ansehen. Solange es gut umgesetzt wird, ist es OK. Das ist ja kein schlechter Trend. Die Unternehmen und die Marken müssen aber eine klare Message haben und richtig darstellen, worum es beim Feminismus wirklich geht. Ich hoffe einfach nur, dass Menschen durch die Kampagnen tiefer in die Materie vordringen können und begreifen, dass es kein Trend ist, sondern ein Lebensstil.

thewomandhoodproject.com

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