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tauch ein in richard quinns florale fetischwelt

Der CSM-Absolvent und H&M Design Award-Gewinner beherrscht sein Metier wie kein anderer. Von Kopf bis Fuß in Stoff gehüllte, maskierte Frauen räkeln sich auf 60er Jahre Interieur und zeigen sich stärker denn je. Wir haben mit dem britischen Designer...

von Juule Kay
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17 Januar 2017, 12:35pm

Wer an Blumenmuster denkt, dem kommt als erstes ein verspieltes, mädchenhaftes Bild in den Sinn. Genau diese Klischeevorstellung möchte der britische Modedesigner Richard Quinn ein für alle Mal auflösen und hüllt seine Models in einzigartige Textil-Kunstwerke. Die Frauen posieren stärker und mutiger denn je und erstrahlen in düsterer Atmosphäre. Der im Osten Londons aufgewachsene Quinn gewann jüngst den H&M Design Award und startet nun mit seinem eigenen Label durch. Warum wir in Zukunft noch mehr von ihm hören und sehen werden, verrät er uns im Interview. 

Deine Designs sind sehr dramatisch. Gibt es außer der Fotografie von Tim Walker etwas, das dich besonders inspiriert? 
Bei meiner Offline-Recherche Schräge Sachen zu entdecken. Das ist zwar selten, aber umso schöner, wenn es dann doch passiert. Das kann zum Beispiel ein Buch oder ein schräger Gegenstand vom Flohmarkt oder aus einem Second-Hand-Shop sein—viele meiner Ideen nehmen so ihren Anfang.

Du hast vor kurzem den H&M Design Award 2017 gewonnen. Wie hat sich deine Karriere seitdem verändert?
Es war auf jeden Fall ein Sprungbrett für mein eigenes Label und hat mir die Möglichkeit gegeben, meine Arbeit auch einem anderen Publikum näherzubringen. Natürlich war es gleichzeitig auch eine Finanzspritze. Aber auch die Zusammenarbeit mit einem fantastischen Team aus umweltbewussten Designern für die Richard Quinn x H&M Kollektion und die unglaublich tolle Betreuung durch meine Mentorin Ann-Sofie Johansson waren eine unbezahlbare Erfahrung. Es ist wirklich großartig, seine Arbeit in einen anderen Kontext zu setzen. 

Wie hat sich dein Zugang zur Mode über die Jahre verändert, wenn du deine Bachelor- und Masterkollektionfür die du das Stella McCartney-Stipendium erhalten hastvergleichst?
Ich habe im Bachelor gelernt, wie ich als Designer entwerfe. Wir konnten unsere Ideen unmittelbar verwirklichen und haben mit Siebdruck und fertigen Kleidungsstücken gearbeitet. Die Reaktionen und Möglichkeiten waren einfach fantastisch. In der Master-Klasse am Central Saint Martins ging es dann wirklich darum, Mode zu entwerfen, die innovativ und modern ist, die man tragen möchte und die einen Standpunkt vermittelt. Unser Kursleiter Fabio Piras und mein Tutor Fleet Bigwood wissen so viel, deshalb habe ich ihrem Urteil auch immer zu 100 Prozent vertrauen können. Für mich sind sie nicht einfach nur großartige Lehrer, sondern Menschen, die mich unterstützen, und an mich und meine Arbeit glauben. Sie haben mir beigebracht, an mich selbst zu glauben und mich selbst zu übertreffen.

Was war der beste Ratschlag, den du im Studium am Central Saint Martins in Hinblick auf die Modeindustrie bekommen hast?
Hinterfrage alles.

Welches Frauenbild möchtest du mit deinem Modedesign vermitteln? 
Ich bin ein Womenswear-Designer, mein Fokus liegt auf dem Stoff und das wird man meinen Designs auch immer ansehen. Auch wenn die Frau auf dem Laufsteg von Kopf bis Fuß in Stoff gehüllt ist, wird es immer um gute Mode gehen. Wenn man das Styling und die Show weglässt, dann wird am Ende trotzdem immer ein wunderschön geschneidertes Piece dahinterstehen. Das ist die DNA meines Labels.

Was denkst du über den Fetischtrend, der gerade durch die Modewelt schwappt?
Alles Mögliche kann zum Trend werden, man sollte sich aber auch immer wieder fragen, ob es wirklich authentisch ist. Vieles davon ist es nämlich nicht. 

Du hast in einem Interview gesagt, dass Musik immer im Vordergrund für dich stehen wird. Welcher Song würde deine neueste Kollektion am besten widerspiegeln? 
„Chains" von Gatekeeper. Das ist fast surreal und dabei aber gleichzeitig so stark. Der Song hat es einfach in sich. 

Was können wir in Zukunft von dir erwarten?
Gerade richte ich mein neues Print- und Designstudio in London ein, das im Februar eröffnen soll. Dort kann die neue Generation an jungen Designern Siebdruckverfahren und Digitaltechnik nutzen—auch meine neue Kollektion wird hier bedruckt und angefertigt. Das Studio soll ein kreativer Hub für Designer werden. 

@richardquinn

Credits


Text: Juule Kay 
Fotos: über Totem Fashion