G-Dragon wears all clothing Chanel

G-Dragon über den Sound von Südkoreas Zukunft

Wir haben den Michael Jackson der Generation Millennials kurz nach seinem intimen Chanel-Konzert in Seoul getroffen, mit dem die Eröffnung der "Mademoiselle Privé"-Ausstellung gefeiert wurde.

von Tess Lochanski; Fotos von Yoong Jang
|
Juni 28 2017, 7:50am

G-Dragon wears all clothing Chanel

Die Musik von G-Dragon ist der Sound von Südkoreas Zukunft – und wahrscheinlich auch von unserer. Im Alter von sechs Jahren hat er erste musikalische Erfahrungen in der Band Little Roora gesammelt und sich dann entschieden, erstmal wieder abseits des Rampenlichts zu stehen, die großen Popstars zu beobachten und bei diversen Plattenfirmen Praktika zu absolvieren. Heute ist G-Dragon ein musikalisches Orakel. Er ist auf der ganzen Welt relevant und auch jenseits seines Heimatlandes ein Star. Seine fluide Maskulinität, sein grenzüberschreitender Pop und seine selbstbewusste Bühnenpräsenz haben ihn ganz nach vorne in seinem Genre gebracht.

In einer rasant schnellen Welt, in der jeder ganz nach oben will, haben die typischen Wege an die Spitze ausgedient. G-Dragon ist immer einen Schritt weiter und zieht unsere ganze Generation mit sich.


Auch auf i-D: Wie beeinflusst K-Pop die Schönheitsideale in Südkorea?


Wie seine Generation auch, ist er vielseitig und offen. Er geht seine Musik genauso an wie seinen eigenen Style, sein eigenes Modelabel Peaceminusone ist für ihn ein weiteres Mittel, um seine Visionen in die Tat umzusetzen. 2015 hat Karl Lagerfeld in Seoul vorhergesagt, dass die Welt bald von Südkorea besessen sein wird. Und natürlich von G-Dragon. Seitdem ist der Popstar nicht mehr von Chanels Radar verschwunden. In der letzten Woche ist er im Rahmen der Mademoiselle Privé-Ausstellungseröffnung in Seoul aufgetreten. Der perfekte Anlass, um uns mit ihm zu treffen.

Hi G-Dragon! Du trägst heute Chanel. Was bedeutet dir diese Marke?
Chanel ist Chanel. Es ist keine Marke wie jede andere. Egal wo du hinkommst, kennen die Leute den Namen. Du kannst Chanel auch nicht so einfach erklären.

Du bist gerade vor einem kleinen Publikum aufgetreten. Wie unterscheidet sich das von den großen Arenen, in denen du normalerweise immer auftrittst?
Um ehrlich zu sein, mag ich intimere Konzerte lieber. Das macht mir mehr Spaß. Auf der Bühne zu stehen ist jedes Mal anders. Und auch die Energie ist immer anders, weil es jedes Mal andere Leute sind und der Vibe deswegen auch immer ein anderer ist.

Wie fühlst du dich, bevor du auf die Bühne gehst?
Ich bin ziemlich gechillt, weil ich schon so daran gewöhnt bin. Mit sechs Jahren habe ich mit dem Musikmachen angefangen. Big Bang hatte sein Debüt als ich 19 war, zumindest nach koreanischer Zeitrechnung. Wenn ich nicht falsch liege, war ich nach westlicher Zeitrechnung 17 Jahre.

Wie meinst du das? In Korea wird das Alter anders gerechnet?
Ja, es ist das einzige Land auf der Welt, das so funktioniert. Frag unseren Präsidenten. Ich weiß nicht warum, aber ich wünschte, ich wüsste es. Ich bin heute 28 Jahre alt, aber in Korea bin ich bereits 30. Das ist scheiße, ich weiß.

Du bist in Asien ein großer Star, aber auch im Westen wirst du immer beliebter. Wie fühlt sich das an?
Vielen Dank! Im 21. Jahrhundert ist jeder mit jedem verbunden und die Welt ist ständig in Bewegung. Es wirkt so besonders, aber gleichzeitig ist es auch ein natürlicher Prozess. Wenn ich jetzt etwas poste, dann weiß jeder auf der Welt, was ich zu diesem Zeitpunkt gerade tue. Genauso wie mich die sozialen Netzwerke mit meinen Fans verbunden haben, haben sie Mode mit Musik, Kunst und Pop verbunden.

Mit deiner eigenen Marke Peaceminusone hast du in Paris eine eigene Ausstellung präsentiert. Siehst du dich selbst als Designer?
Ich sehe mich nicht als Designer, sondern als Künstler, der viel Kleidung trägt. Meine Marke ist nicht nur ein Modelabel. Vor zwei oder drei Jahren habe ich junge südkoreanische Künstler für eine Ausstellung unterstützt, die im Seoul Museum of Art gezeigt haben. Ich will, dass Leute wissen, dass südkoreanische Künstler tolle Sachen kreieren.

Die südkoreanische Modeszene wird mit jeder Saison größer und ist für uns ein neues Phänomen. Denkst du auch so?
Ja, sie wird immer größer und größer. Es geht dabei aber nicht nur um Mode. Der ganze südkoreanische Markt wird auch größer, ob Mode, Musik oder K-Pop. Es ist die südkoreanische Kultur als Ganzes und ich bin Teil davon.

Hast du diese Veränderung schon erwartet, als du mit dem Musikmachen angefangen hast?
Als ich mit dem Musikmachen angefangen habe, war es nicht primär mein Ziel, berühmt zu werden. Immer mehr Menschen interessieren sich für die südkoreanische Kultur. Das erfüllt mich mit Stolz und ich fühle mich auf eine gewisse Art und Weise auch geehrt. Ich liebe mein Land. Alles passiert so schnell, das hat positive und negative Seiten. Aber ich versuche, das Beste daraus zu machen und probiere immer noch neue Dinge aus, damit ich mehr lernen kann und sie wieder jüngeren Menschen näherbringen kann.

Wie würdest du den südkoreanischen Style beschreiben?
Als ich jünger war, hat mich die japanische Kultur und Lebensweise fasziniert. Chinesische Filme habe ich aber auch geliebt, die waren einfach fantastisch. Damit will ich sagen, dass wir es gewohnt waren, von anderen asiatischen Ländern zu lernen. Sogar von den USA oder Europa. Südkoreaner lernen so schnell. Das Wichtige dabei ist, dass man immer weiter lernt, sonst kopiert man nur. Wenn du ein Künstler sein willst, musst du deine eigenen Dinge kreieren, denn Südkoreaner sind schnell. Japans Style und seine Mode hat die Europäer früher fasziniert, heute schauen viele auf Südkorea. Es geht nicht um Minimalismus oder Ästhetik, sie bewundern die südkoreanische Energie.

Woher kommt diese Energie?
Das liegt daran, dass wir wissbegierig sind. Uns reicht Ruhm und Anerkennung alleine nicht, wir streben nach mehr. Südkoreaner, inklusive mir, wollen es immer schneller und schneller. In der Musik, in der Mode und auch in der Kunst – "Es gibt nur einen Versuch", das ist meine Mentalität.

Was ist eigentlich der Sinn und Zweck von Musik?
Das ist eine sehr gute Frage. Darauf gibt es keine endgültige Antwort. Ich kann deswegen nur über mein neues Album Kwon Ji Yong (das ist mein echter Name) sprechen. Es ist ein neuer Lebensabschnitt für mich, weil ich 30 geworden bin. Deshalb heißt meine Welttour auch Act III M.O.T.T.E : das ist der dritte Abschnitt meiner Karriere. Ich kehre mit diesem Album zu meinen Wurzeln zurück. Wir leben in dieser digitalen Welt, aber ich habe das Album auf einen USB-Stick gepackt. Jeder USB-Stick hat einen handgemalten roten Blitz, der meine DNA widerspiegelt. Einige habe ich sogar selbst gezeichnet.

Wenn du einen Wünsch frei hättest, welcher wäre das?
Auf dem Cover von i-D zu sein!

G-Dragon trägt Chanel

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der französischen Redaktion.