marika hackman geht nicht gerne auf nummer sicher

Wenn es um Songwriting geht, bevorzugt i-D Favourite Marika Hackman das Unerwartete.

von Francesca Dunn
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27 März 2015, 2:35pm

Vor einem Jahr haben wir das erste Mal mit Maika gesprochen und seitdem ist viel bei ihr passiert: Sie ist nach London gezogen, war alleine und mit Freundin Laura Marling auf Tour und hat ein Album voller Songs, die bewegen und inspirieren, veröffentlicht. In Zusammenarbeit mit dem Produzent Charlie Andrews (aus der auch „Warm Foothills" von Alt-J mit Lianne La Havas und Conor Oberst Hand entstanden ist) entwickelte sie ihr fantastisches Debütalbum We Slept At Last. Wir trafen die blauhaarige Stimmgewalt mitten in den Vorbereitungen für den Festivalsommer und sprachen mit ihr über ihre musikalische Entwicklung und ihre Ziele für die Zukunft. 

Warum machst du Musik?
Ich habe schon immer Songs geschrieben. Mit sechs habe ich schreckliche Songs am Piano komponiert. 

Wie hat sich deiner musikalische Karriere seitdem entwickelt?
Ich hatte viel Glück. Die Leute, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben mich schalten und walten lassen; keiner hat mir vorgeschrieben, einen Song auf eine bestimmte Art und Weise zu schreiben. Es fühlt sich noch komisch an, von einer Karriere zu sprechen, obwohl ich das so richtig professionell seit zwei Jahren durchziehe. Auch wenn es wirklich harte Arbeit ist, weiß ich, warum ich es mache. 

Hast du, wenn du deine Songs schreibst, das Endprodukt schon im Kopf?
Ich versuche, mir unerwartete Akkordverläufe und Melodien auszudenken. Es ist eine bewusste und auch die einzige Entscheidung, die ich im Prozess mache. Alles andere passiert sehr natürlich, weil ich es nicht mag, auf Nummer sicher zu gehen. 

Was hast du im letzten Jahr gelernt?
Ich dachte immer, dass meine Songs wie ein Blitz aus dem Nichts kommen und ich nur auf sie warten muss. Aber dann habe ich gelernt, dass ich, wenn ich an Dingen arbeite und meinen Tag strukturiere, ein paar Songs in der Woche schreiben kann. Ich habe die Tracks für mein ganzes Album in einem Monat geschrieben. Ich habe mich nie als die Person gesehen, die so effizient arbeiten kann. Ich setze mir immer wieder neue Ziele: härter arbeiten oder häufiger auf Tour gehen. Ich habe gelernt, wie viel ich aushalte. Das ist gut so! 

Wann hast du dir deine Haare bunt gefärbt?
Mir war mein Image immer vollkommen egal und ich wurde als sehr natürlich beschrieben. Bei Fotoshootings wollte mich jeder in luftige Kleider à la Joni Mitchell stecken, aber das bin einfach nicht ich. Nachdem ich mir die Haare gefärbt habe, merkte ich, dass das Aussehen keine Rolle spielt. Du bleibst immer noch dieselbe Person und jeder behandelt dich auch gleich. Es war wirklich befreiend. 

Erzähl uns etwas über dein Debütalbum We Slept At Last ?
Wie üblich ist es ziemlich düster und melancholisch. Es ist ruhiger als meine EPs und nicht so experimentell. Es ist das, was es ist. Bei den EPs war ich auf der Suche nach einem neuen Sound und habe neue Dinge ausprobiert, wohingegen ich bei diesem Album ein klares Thema im Kopf hatte. Der Titel verkörpert diese Erleichterung - den ganzen Prozess diese Platte zu machen, die Emotionen aus seinem Inneren zu holen und dann letztendlich loslassen zu können.

Deine Songs sind alle ziemlich persönlich. Es muss schwierig sein, nicht emotional zu werden, wenn du sie live singst. 
Manchmal, aber dann erreicht man den Punkt, an dem man sich davon lösen kann. Sobald der Song existiert, fühlt es sich nicht mehr nach einer persönlichen Erfahrung an, die man jedes Mal wieder durchlebt. Wenn es doch passiert, sind es gewöhnlicherweise die besten Auftritte, aber sie können auch sehr an die Substanz gehen. Wenn ich mir manchmal alte Demos anhöre und die noch frisch sind, dann kann ich mich schon ziemlich beschissen fühlen. Aber wenn man dann erstmal auf Tournee unterwegs war, beißt man einfach die Zähne zusammen und macht weiter. 

Welcher deiner Songs ist die Quintessenz deiner Persönlichkeit?
„Animal Fear", weil er Spaß macht, aber auch schräg ist. Es geht um die Verwandlung in einen Werwolf, eine Metapher für den Kampf gegen innere Dämonen. Das Monster trägt jeder mit sich herum. Lassen wir es heraus oder würde es zuviel Schaden anrichten?

Erinnerst du dich an die erste Platte, die du dir gekauft hast?
Ich erinnere mich daran, dass ich mir von meinem Taschengeld irgendwas von Eminem gekauft habe. Meine Mutter war ein bisschen schockiert.

Was war dein erstes Konzert?
Destiny's Child. Ich sah Beyoncé und war überzeugt, dass sie mich ansieht. Was ein Blödsinn war, natürlich hat sie mich nicht angesehen. 

Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?
Ein klassisches Stück, das auf der Geige gespielt werden würde: „The Lark Ascending" von Vaughan Williams. Jeder würde zu weinen anfangen und das möchte man doch.

Was willst du am Jahresende erreicht haben?
Ich würde gerne mit Warpaint auf Tour gehen und mein zweites Album fertig bekommen.

Während du damit beschäftigt bist, was sollten wir uns anhören?
Eine Freundin von mir, Japanese House. Sie ist wirklich gut und veröffentlicht dieses Jahr ihre erste EP.

soundcloud.com/marika-hackman

Credits


Text: Francesca Dunn
Foto: Matteo Montanari
Styling: Max Clark

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