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wie a-cold-wall* die modeszene revolutioniert

VonSteve SalterFotos vonAlin Kovacs

Schutzbrille, Ohrenstöpsel und Mundschutz: Ex-Schützling von Virgil Abloh und Label-Gründer Samuel Ross lässt sich nicht darauf reduzieren, was man von ihm erwartet.

Wer zeigt?
Nachdem Samuel Ross lange Zeit mit Virgil Abloh zusammengearbeitet hat, gründete er sein eigenes Label A-COLD-WALL*. Was vor dreieinhalb Jahren als Kunstprojekt begann, entwickelte sich dank Samuels erzählerischer Vision zu einem revolutionären Modelabel. Nachdem der britische Designer letztes Jahr die NEWGEN-Förderung erhalten hat und gleich zweimal auf der London Fashion Week Mens's zeigen durfte, wollte Samuel seine Zuschauer dieses Mal mit einer performativen, alle Sinne umfassenden Catwalk-Show überraschen. So demonstrierte der in London lebende Designer, dass sich A-COLD-WALL* keinesfalls auf eine einzige Sache beschränken lässt.


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Der 27-Jährige gehört zu einer neuen Generation Designer, die die klassische Modeindustrie herausfordern und die ausgrenzenden Luxus-Strukturen zerlegen wollen. Seine Kollektion für Spring/Summer 19 ist das beste Beispiel dafür: Seine Models zerschlugen einen Styropor-Würfel, aus dem ein sich windender, in Blut getauchter, nackter Körper herauszieht. Die Botschaft: Vergiss die Vergangenheit, A-COLD-WALL* ist eine zukunftsorientierte Bestie, die zum richtigen Moment freigelassen wird.

Was ist passiert?
"Ich konnte endlich aus meiner Komfortzone ausbrechen und den echten Künstler in mir freilassen. Und das nur, weil ich bereit war, Risiken einzugehen und Opfer zu bringen, um meine Geschichte zu erzählen", erklärt Samuel Ross backstage. "Es geht um die gesellschaftliche Komponente und nicht einfach nur darum, Kleidung zu kreieren. Ich bin einer der wenigen Designer, der die Geschichte der Arbeiterklasse erzählen kann", fügt der in Northampton aufgewachsene Designer hinzu. Samuel hält der britischen Jugendkultur den Spiegel vor und dekonstruiert sie mit Hilfe von Provokation und Aufrichtigkeit.

"Das war der wahre Grund, warum die Wände des Würfels auf dem Laufsteg zertrümmert wurden. Der Akt stand für eine Form von Klarheit, die den Leuten mitgegeben wurde. Der Mensch und die Strukturen, in der er aufwächst, sind eng miteinander verknüpft – die Umgebung, in der du aufwächst, beeinflusst viele wichtige Entscheidungen in deinem Leben." Während diese Strukturen dich beeinflussen, müssen sie dich nicht unbedingt gleich definieren – du kannst aus ihnen ausbrechen.

Wie spiegelt sich das in der Kleidung wider?
Kompex, wohl überlegt und gut gefertigt: Die zukunftsorientierte Kollektion unterstreicht die Metamorphose von A-COLD-WALL*, ohne dabei theatralisch zu wirken. Sie trägt den gleichen Namen wie die Performance selbst, Human. Form. Structure. Die Kleidung spielt mit dem Gedanken, wie die Architektur den Körper verkleiden, beschützen und bewahren kann. Innovative synthetische Stoffe treffen auf fühlbaren Luxus im Herstellungsprozess. "Es ist Kleidung und Kunst in einem", beschreibt Samuel die Kollektion. "Es Streetwear zu nennen, würde dieser Bewegung nicht gerecht werden. Natürlich beinhaltet sie Trainingsanzüge, aber durch die Idee und Umsetzung steckt Luxus darin. Luxus heißt heute Intelligenz."

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.