Diese verträumten Porträts zeigen die Melancholie nachts im American Diner

Grant Spanier zelebriert in seiner Fotoserie "Drive Thru Social Club" das klassische American Diner. Wir haben mit dem US-Fotografen über die Bedeutung von Schnellrestaurants für ihn und seine Vorliebe für Analogfotografie gesprochen.

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Juni 14 2018, 9:47am

Grant Spanier kommt ursprünglich aus Minneapolis, war aber wahrscheinlich schon öfter in Fastfood-Schnellrestaurants und Drive-Ins als die meisten Menschen aus Los Angeles. Und öfter als die Kids, die er darin fotografiert hat. In seiner Fotoserie "Drive Thru Social Club" zeigt er Jugendliche aus der US-Metropole in klassischen American-Diner-Restaurants und fängt die besondere Neon-Stimmung ein, die diese Orte nachts entfalten. Die meisten sind nachts völlig leer, abgesehen von den hungrigen und müden LKW-Fahrern im Hintergrund. Es ist nicht nur die Farbkomposition in seinen Fotografien, die seine Models strahlen lässt, sondern auch ihr Look und ihre Persönlichkeit. Sie scheinen als Zeitreisende in einem Ort zu sein, an dem die Zeit still zu stehen scheint.


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"Die Idee zur Serie kam mir, als ich im Kopf das Bild von einer Person hatte, die von einer dieser typischen Leuchtreklame angestrahlt wird", erklärt uns Grant Spanier. "Das entwickelte sich einfach weiter. Für mich wurde die Serie zum Vehikel, um andere Kreative, meinen neuen Lebensmittelpunkt kennenzulernen und Pommes zu essen." In diesem Sommer wir der Fotograf eine Ausstellung mit Aufnahmen zu der Fotoserie eröffnen. Wir haben mit ihm über die Bedeutung von Schnellrestaurants und Analogfotografie gesprochen.

Hast du Freunde fotografiert oder hast du im Internet nach Models gecastet?
Das ist ungefähr gleichmäßig verteilt. Das Schöne an der Serie ist, dass ich mit ihr leicht testen kann, inwiefern ich mit anderen Kreativen zusammenarbeiten kann. Ob wir passen. Wenn ich mit den Leuten vorher nicht befreundet war, dann war ich es meistens nach dem Shoot. Und mit meinen Freunden verbringe ich einfach eine lustige Zeit. Pro Shoot verwende ich nur Film. Meine Motive essen und / oder einen Milchshake. Niemand kritisiert den kreativen Prozess [Lacht].

Was fasziniert dich so am klassischen American Diner?
Mich interessiert Themen wie Essen, Konsum, Nacht und Nostalgie. Und für mich verbindet das "klassische American Diner" das alles. Jedes dieser Fastfood-Restaurants ist irgendwie in der Zeit stehengeblieben. Jeder dieser Orte hat so viel Charakter. Ob es die Beleuchtung, die Einrichtung oder die Speisekarte ist: Diese Orte sorgen bei mir für Gänsehaut und berühren mich.

Du bist in Minneapolis aufgewachsen. Wie beeinflusst deine Heimat deine Fotografie?
Die kreative Community in Minneapolis ist lebendig und wird leider total unterschätzt. In der Stadt wird Analogfotografie noch geschätzt und ich bin mit Analog dort zum ersten Mal in Berührung gekommen. Die Stadt ist perfekt für Kreative, weil das Leben dort erschwinglich ist und die Kriminalität niedrig. Gleichzeitig ist die Szene qualitativ und kreativ spitze. Ich habe mich dort in die Fotografie verliebt. Die Winter sind allerdings hart.

Reist du viel durch die USA oder shootest du hauptsächlich in Los Angeles?
Diese Serie ist bisher nur in Los Angeles entstanden. Ich bin vor Kurzem nach L.A. gezogen und deswegen stand für mich in den letzten 18 Monaten im Vordergrund, als Fotograf in der Stadt Fuß zu fassen und bin nicht rumgereist. Jetzt fange ich aber wieder an, durch die Land zu reisen. Sei es für Aufträge oder zum privaten Vergnügen. So werde ich inspiriert und lerne neue Menschen kennen.

Warum bevorzugst du beim Fotografieren analog?
Wo soll ich da anfangen? Ich war kürzlich Teil von Kodaks "Emerging Analog"-Ausstellung im International Center for Photography in New York und wurde das schon mal gefragt. "Ich fotografiere analog, weil es sich besser anfühlt. Der gesamte Prozess – von der Idee über den Auslöser bis zum fertigen Bild – ist für mich befriedigender. Analogfotografie ist nicht nur romantischer, sondern ich erhalte auch interessantere Ergebnisse und der Zufall wird sichtbarer in meinen Arbeiten." Daran hat sich nichts verändert. Analog ist für greifbarer und macht mir mehr Spaß. Außerdem sorgt analog für dieses Vintage-Gefühl.

Was bestellt du, wenn du an den Drive-in fährst?
Die Ironie ist, dass ich fast nie Fast Food esse oder in ein Drive-in-Restaurant fahre. Vielleicht ist diese Serie eine Art masochistische Übung für mich, weil ich ständig in Versuchung gebracht werde und meine Zurückhaltung trainiert wird [Lacht].

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.