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10 Weihnachtssongs, die nicht nerven

Mariah, who? Von Anarcho-Punk über Kate Bush bis zu Avril Lavignes verloren geglaubter Weihnachts-Single: Hier sind 10 Lieder für deine Dezember-Playlist.

Douglas Greenwood

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "Björk - Jólakotturinn (Christmas Cat), 1987" von hhjb rk

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Weihnachtsmusik. Du tust elf Monate lang so, als ob "Last Christmas" nicht existiert, bis dich die Lebkuchen im Supermarkt schon im November an deinen Ohrwurm für die nächsten fünf Wochen erinnern. Aber mal unter uns: Die festlichen Songs – von Kelly Clarksons "Silent Night" bis zu Slades "Merry Xmas Everyone" – sind doch eine schöne Erinnerung an die großartige Weihnachtszeit, die mal wieder vor der Tür steht. Die meisten von uns haben frei, schlemmen was das Zeug hält, trinken bis zum Umfallen und schauen viel zu viel Trash-TV im Haus unserer Eltern.


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Nicht jeder Weihnachtssong braucht einen Glöckchen-Sound und die Musik, die du im Radio hörst, muss auch nicht dein festlicher Soundtrack werden. Vielleicht wird es dich überraschen, dass es eine ganze Palette an schönen, lustigen und manchmal auch schrägen Liedern gibt, die förmlich dafür gemacht wurden, in kalten Winternächten gehört zu werden. Ob die mörderisch-festlichen Gesänge von Björk oder Kate Winslets Song, der sie für eine Nanosekunde zum Popstar gemacht hat: Es gibt so unfassbar viele Weihnachtslieder, die man (noch) nicht kennt. Deswegen stellen wir dir hier unsere Top Ten vor, die zur Abwechslung mal nicht nerven.

"Misty", Kate Bush
Kate Bushs verzaubernde Stimme passt perfekt zu einem langen, verschneiten Abend und ihre Songwriting-Skills schreien geradezu nach schönen und gleichzeitig frostigen Bildern. Mit ihrem Popalbum 50 Words for Snow aus dem Jahr 2011 feierte die Musikerin ihr Comeback nach einer sechsjährigen Pause. Darauf zu hören ist auch "Misty", der alles andere als ein traditioneller Weihnachtssong ist. Er ist ruhig, wunderschön und passt perfekt zur düsteren Jahreszeit. Es geht um Sex, inklusive Piano-Begleitung, Schlaginstrumenten und gekonnt eingesetzten Streichern. Kate singt darin über die Begegnung einer Frau mit dem Schneemann Misty – im Bett.

"What If", Kate Winslet
Wenn dieser Song von irgendeinem 08/15-Popstar stammen würde, wäre es nur ein weiteres 2000er-Weihnachtsgedudel. Aber "What if", der aus dem Soundtrack zum Animationsfilm A Christmas Carol stammt, ist deswegen so besonders, weil er zu einer kurzlebigen Popmusik-Karriere von einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen geführt hat. 2001 wurde Kate gefragt, ob sie ein Lied für einen mittlerweile in Vergessenheit geratenen Weihnachtsfilm einsingen würde, dem sie widerwillig zustimmte. Sie hatte nur eine Bedingung: Alle Einnahmen des Songs sollten an eine Wohltätigkeitsstiftung für Kinder gehen. Nach der Veröffentlichung stieg "What if" in Europa in die Top 10 auf.

"Sleigh Ride", R2-D2 and C3PO
Was gibt es Besseres als einen Weihnachts-Klassiker, der von zwei Robotern aus Hollywoods bekanntester Science-Fiction-Franchise stammt? In dieser Version von "Sleigh Ride" bringt C3PO seinem Freund R2-D2 das Singen und Pfeifen bei. Der Song ist Teil des Albums Christmas in the Stars aus dem Jahr 1980, eine Sammlung festlicher Tunes aus dem Star-Wars-Universums. Die Jedi-Hysterie der frühen 80er brachte unvergessliche Klassiker wie "R2-D2 We Wish You a Merry Christmas" oder "What Can You Get a Wookie for Christmas (When He Already Owns a Comb?)” hervor. Das Album war weltweit ein voller Erfolg.

"O Holy Night", Avril Lavigne
Irgendwann zwischen "Let Go" und "Under My Skin" im Jahr 2003 ließ die kanadische Sängerin ihre Teenager-Angst zurück und beglückte uns mit dieser sanften Interpretation des Weihnachtsklassikers "Heilige Nacht". Musikalisch begleitet wurde sie dabei von ihrer engen Freundin und Songwriterin Chantal Kreviazuk, die mittlerweile auch mit Drake zusammenarbeitet. Der Song wurde auf einer Compilation veröffentlicht, die ein Amazon-Kunde als "Emo-Weihnachts-Kollektion" beschreibt. Avril hat den Song gecovert, als sie 19 und auf dem Höhepunkt ihrer Pop-Punk-Phase war. Das Besondere: Sie ließ die rocklastigen Weihnachtssongs zu Hause. Ein monumentaler Throwback.

"Merry Crassmas", Crass
Wenn du ein Fan fröhlicher, glattpolierter Weihnachtsmusik bist, die auf Konsumkultur ausgelegt ist, dann überspring dieses Lied von einer der Anarcho-Punkbands des 20. Jahrhunderts. Crass hatten in den späten 70ern und 80ern eine kurze, wenn auch heftige Karriere. Geboren wurde die Band im Dial House in Essex und gilt als eine der Keimzellen für die anarchistische und pazifistische Bewegung Großbritanniens. Die Band ist bekannt für den Song "Bloody Revolution" und steckt hinter dem "Thatchergate"-Skandal. Es ist vor allem der brillante Schlussmonolog vom Weihnachtsmann persönlich, der beim festlichen Dinner im Gedächtnis bleiben wird: "I hope you've had a jolly time and lots and lots of fun. And if you're munching your delicious turkey at the moment - I hope it fucking chokes you!"

"The Little Drum Machine Boy", Beck
"Aw yeah, that’s the holiday! That’s the – beeyatch! – holiday robot funk!", witzelt Beck am Anfang des vom Hip-Hop inspirierten Tracks über Hanukkah. Die melodischen Inspirationen stammen von ziemlich jedem Weihnachts-Klassiker und machen "The Little Drum Machine" zu einem Meisterwerk des dekonstruktiven Christmas-Songwritings. Ein ultimativer Song für alle, die auf der Suche nach einem coolen Track für die betriebliche Weihnachtsfeier sind, der gleichzeitig die Rocker-Seele anspricht. Für den Refrain hat sich Beck bei einem jüdischen Gebet bedient, mehrere Layer darüber gelegt und um "Shit Lit like a menorah" ergänzt. Der Song kam 1996 raus, dasselbe Jahr, in dem er mit Odelay sein Grammy-prämiertes Comeback feierte. Mit dem Album hat er seinen Status als einer der amerikanischen Indie-Musiker zementiert. Mit seinem siebenminütigen Funk-Song hat er nochmal bewiesen, dass er noch nicht zum Mainstream gehört.

"Santa Doesn't Cop Out on Dope", Sonic Youth
1973 veröffentlichte der Amerikaner Martin Mull mit "Santa Doesn’t Cop Out on Dope" einen weihnachtlichen Anti-Marihuana-Song. Er sei am Nordpol gewesen und habe mit Santa darüber gesprochen, dass er lieber Kekse mampft, anstatt sich Heilig Abend ein paar Joints durchzuziehen. Martin Mull wollte in den 70ern, dass es ihm die Jugend gleichtut. Er hatte vielleicht gute Absichten: Sein Song ist lustig, aber nicht subversiv genug, um die Jugend zu erreichen und verfehlte seinen Zweck. Stattdessen coverte die Anti-Weed-Propaganda keine geringere Band als Sonic Youth. 1996 verwandelte die Band das Glockengedudel in einen gitarrenschweren Track mit den Vocals von Thurston Moore.

"Santa Baby", Madonna
Ein schnelle Google-Suche zu "Santa Baby" fördert unzählige Versionen des Weihnachtsklassikers zu Tage: von Eartha Kitt bis zu Gwen Stefani. Ein frecher und doch sinnlicher Song übers Geldausgeben und Geschenke, den Popstars gerne covern, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Wenig überraschend ist dabei, dass Madonna hinter einer der einflussreichsten Interpretationen steckt. Vor Ariana, Kylie und Michael Bublé sang die Popikone und i-D Coverstar für ein Charity-Album 1987 ihre Version ein, zu weiteren Vertretern auf dem Album zählten Sting und Stevie Nicks. Madonnas Version war sogar einige Zeit beliebter als Eartha Kitts.

"Christmas in Hollis", Run-DMC
Dass Pop- und Rockstars Christmas-Tunes im Angebot haben, ist nichts Besonderes. Rapper waren dagegen schon etwas zurückhaltender, was das kommerzielle Verwerten der besinnlichen Zeit angeht. Vor 30 Jahren gehörten RUN-DMC zu den ersten HipHopern, die sich mit "Christmas in Hollis" an einem Weihnachtstrack versucht haben. Sie rappen über einen alten Typen im Central Park, der seinen Geldbeutel verloren hat. Und was war drin? Der Führerschein von Kris Kringle. Zu der Zeit war es ein absoluter Radio-Hit. Das Musikvideo dazu schlug sogar Michael Jacksons "Bad" beim Music Video of the Year Award vom Rolling Stone. Als der Song auch noch auf dem Stirb-Langsam-Soundtrack auftauchte, erhöhte sich sein Status noch mehr. Leider bekommt er heute nicht mehr genau so viel Liebe ab wie seine poplastigeren Vertreter.

"Jólakötturinn (Yule Cat)", Björk
Du stehst auf Weihnachtslieder, die in isländischer Folklore wurzeln? Björk (wer auch sonst) ist die Person für dich. Ende der 80er fing sie als Leadsängerin bei den Sugarcubes an und veröffentlichte mit "Jólakötturinn" ihre Version eines klassisch-isländischen Gedichts. Ausdrucksstark und brillant: In dem alten isländischen Märchen geht es um eine mörderische Katze, die nachts ein verschneites Dorf terrorisiert und unschuldige Opfer am heiligen Abend umbringt. "If outside one heard a weak 'meow', then bad luck was sure to happen / All knew he hunted men and didn’t want mice", singt Björk auf Isländisch. Tödlicher als das kann der Christmas Spirit nicht mehr werden! In diesem Sinne: Merry Xmas!