l.a. – stadt der träume oder der gebrochenen versprechen?

Der Berliner Fotograf Werner Amann hat für sein Buch „Surf Fiction“ die Klischeehaftigkeit des Leben in L.A. fotografiert.

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18 März 2015, 7:50am

Werner Amanns Arbeiten feiern die US-amerikanische Kultur. Und die bisher unveröffentlichte Fotos, die er 1997 in Los Angeles geschossen hat, sind heute relevanter denn je. Aus den 17 Jahre alten Fotos hat er Fotomontagen gemacht: Überlappungen mit Text, Standbilder von Überwachungskameras, Ford Mustangs und ausgeschnittene Flugzeuge. „Ich finde Surf Fiction ist meine akademischste Arbeit, auch wenn es nicht so aussieht. Dahinter stand am Anfang die Idee, soziale Realität und Medienkultur miteinander zu verschmelzen", erzählt er i-D.

Amann hat in Surf Fiction mit dokumentarischer Akribie die Glamour-Besessenheit der Angelenos festgehalten: makellos gebräunte Wasserstoff-Blondinen, muskelgestählte Typen, die in der Sonne glänzen, Zigaretten, versenktes Gras, rote Stilettos, Neonreklame und sexy Strandnixen. Schon seit den 80ern fasziniert L.A. die Welt als Ort ohne Geschichte oder Stadtzentrum, aber voller Leute mit Träumen und jeder Menge Hoffnung. „Obwohl es um eine bildfixierte Kultur geht, ist es mir wichtig, eine gewisse Direktheit oder Körperlichkeit zu transportieren", sagt Werner über seine Motive. „Die Leute sollen nicht klischeehaft dargestellt werden, sondern als eigenständige, reale Personen. Ich bin mit keiner bestimmten Vorstellung aus dem Haus gegangen, sondern ich habe mich unterwegs auf meinen langen Spaziergängen inspirieren lassen. Es sollte nicht nur ein kaltes, konzeptorientiertes Statement, sondern auch ein intuitives sein." 

Die Fotos im Buch sind von Menschen, auf die er zufällig bei seinen Streifzügen durch L.A. gestoßen ist. Surf Fiction ist die visuelle Repräsentation der sexy verträumten Verheißung Los Angeles und ein Spiegelbild der heutigen Bildfixierung. „1997 gab es noch keine richtige Internetkultur, kein Facebook et cetera. Aber was da Ende der 90er in L.A. und Kalifornien passierte, hat inzwischen die ganze Welt erobert. Digitale Kultur ist nur ein Teil davon. Ich glaube, dass die Welt seit damals ein bisschen wie L.A. geworden ist. Das hat sich nur noch verstärkt und deswegen ist das Buch auch heute noch relevant, weil es auf einem Konzept passiert, das gewachsen ist", so Werner.

Ist L.A. immer noch die Stadt der Träume? „Zu sagen, dass L.A. gut oder schlecht ist, würde komplett gegen meine Absichten gehen", sagt Werner über die Oberflächlichkeit der Motive. „Ich bin da voller Neugier hin und habe mich treiben lassen und viele Fotos machen können, aber ich habe es übertrieben und man kann darüber diskutieren, ob das faszinierend oder nicht doch zu viel Oberfläche ist. Ich bin nicht der erste Fotograf, der diese Analogie bemüht, aber ich habe mir gedacht, dass ich von einem anderen Planeten komme und einfach alles in diesem faszinierenden, fremden, manchmal schönen und manchmal kranken Ort namens Los Angeles fotografiere. Ich mag die Stadt. Sie hat mich immer inspiriert, aber es ist ein Ort voller Widersprüche."

Surf Fiction ist bei White Press in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen. Jedes ist signiert und nummeriert.

werneramann.com

Credits


Text: Felicity Kinsella
Fotos und Montagen: Werner Amann