masayoshi sukita fotografiert david bowie seit 40 jahren

„Als ich dann dran war, dachte ich mir einfach ‚Lass uns die Flasche Wein öffnen und entspannen'.“

von J.L. Sirisuk
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23 November 2015, 9:20am

A Day In Kyoto 3-Hankyu Train,1980

1972 wurde David Bowie zu Ziggy Stardust, der alienhafte Superstar mit einer rätselhaften Anziehung. Das war ebenfalls das Jahr, in dem der Sänger einen Japaner mit einer Vorliebe für Rock'n'Roll und Marlon-Brando-Filme traf, der ihn die nächsten 40 Jahre begleiten und fotografieren würde.

Masayoshi Sukita lässt sich von Klassikern des amerikanischen Kinos und von den Arbeiten von Irving Penn und Dennis Stock inspirieren. Nach einer Weile in der Werbebranche, wurde aus dem Japaner 1970 ein freischaffender Fotograf, der die Kunst-, Film- und Rock 'n' Roll-Szenen in London und New York dokumentierte.

Als er in London Marc Bolan von T-Rex fotografierte, fiel dem Fotografen ein Bild von David Bowie in die Hände und er wusste sofort, dass er den Sänger treffen muss. Entstanden ist eine umfangreiche Bildsammlung mit Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten, die in New York, London oder Kyoto aufgenommen wurden und die die unzähligen Verwandlungen Bowies einfangen, von Ziggy Stardust bis zum Porträt aus dem Jahr 2009. Wir trafen den Fotografen und sprachen mit ihm über Fotografie, David Bowie und ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit.

The Bewley Brothers, 1973

Wie kamst du zur Fotografie und woher stammt dein Interesse an Rock 'n' Roll?
Das war kurz nach Kriegsende 1945, ich muss sechs oder sieben Jahre alt gewesen. Nach dem Krieg kam alles aus Amerika nach Japan. Die Musik und Kunst aus dem Westen hatte es mir sehr angetan. Auf der Schule schenkte mir meine Mutter dann meine erste Kamera. So wurde mein Interesse an Fotografie geweckt. Zu meiner Schulzeit war ich großer Fan von Elvis Presley und Marlon Brando. Ich fand diese Filme und Musik einfach toll.


I Saw You Again in the Rainbow Theatre, 1973

Wie hast du David Bowie entdeckt?
Ich war in London und fotografierte T-Rex. Damals wusste ich nicht, wer David Bowie war. Ich sah ein Poster auf der Straße, was bei mir einen starken visuellen Eindruck hinterließ. Ich wusste nicht viel über die Szene in London und auch nicht, dass Bowie schon relativ bekannt war. Ich ging dann einfach auf sein Konzert. Es war ein Doppelkonzert mit Lou Reed und es war einfach fantastisch. Ich habe mich darauf gefreut, ihn auf der Bühne zu sehen und dachte sofort ‚Ich möchte ihn fotografieren'.


The First Time I Saw You, 1972

Erzähle uns mehr über die erste Begegnung mit David Bowie aus dem Jahr 1972.
Er sollte tagsüber vom berühmten Fotografen David Bailey und von mir abends fotografiert werden. Ich kannte David Bailey und wusste, wer er war, ich habe mich herausgefordert gefühlt und ich spürte einen gewissen Druck.

Ich fand heraus, was David Bowies Lieblingswein war und besorgte davon eine Flasche. Den ganzen Tag hat er an etwas anderem gearbeitet. Als ich dann dran war, dachte ich mir einfach ‚Lass uns die Flasche Wein öffnen und entspannen'.


A Day in Kyoto 3 - Platform, 1980

40 Jahre - das ist eine lange Zeit. Wie sieht euer Verhältnis aus?
Jedes Mal, wenn David Bowie nach Japan kommt, ruft er mich an und wir fotografieren. Er war schon immer Fan der fernöstlichen Kultur und er liebt Kyoto. Seitdem ich jung bin, interessiere ich mich für westliche Kultur. Wir treffen uns einfach in der Mitte. Wenn wir uns dauernd in New York gesehen hätten, wäre daraus wohl keine über vier Jahrzehnte bestehende professionelle Beziehung geworden.


Loves to be Loved, 1973

Wie kam es zum Heroes-Albumcover?
Er kam zusammen mit Iggy Pop nach Japan, für den er als Produzent tätig war. Dann rief er mich spontan an. Das Studio war einfach eingerichtet, es gab nur die Standardbeleuchtung. Er trug eine einfache Frisur und einfaches Make-up. Er wuschelte in seinen Haaren herum und bewegte sich natürlich. Bevor ich David Bowie traf, dachte ich, dass man für Porträts ein Set-up braucht.

Hast du ein Lieblingsbild von Bowie?
Heroes.


Heroes, 1977

Wieso gerade das?
Damals war er der Star der Londoner Glam-Rock-Szene. Er trug Make-up und schrille Kostüme. Als das Foto zum Heroes-Cover entstand, trug er eine einfache Lederjacke und war nicht mehr sonderlich an der Mode interessiert. Das mag ich an ihm: Er ist nicht festgelegt, er kann auch natürlich sein. Mit futuristischen Fantasy-Space-Outfits fing es an. Aber als das alle trugen, hat er sich etwas Neuem zugewandt.


Heroes to Come, 1977

Wie fühlt es sich an, diese Bilder anzuschauen? Was kommt als Nächstes für dich?
Ich erinnere mich gerne an die wilden Zeiten, aber das ist nicht das Ende. Ich möchte David Bowie weiterhin fotografieren.


Ki, 1989

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Credits


Text: J.L. Sirisuk
Alle Fotos: © Masayoshi Sukita, Courtesy of the Morrison Hotel Gallery

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