Wiederentdeckte Fotografien von Hollywoods Skateszene aus den 70ern

Eine Reise in die Welt von Tube Socks, kurzen Hosen und leeren Pools.

von Alice Newell-Hanson
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14 August 2015, 11:00am

Fotograf Hugh Holland war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – 1975 in Los Angeles, um genauer zu sein. "Skateboarden kam überall auf, aber nicht so wie in Kalifornien", sagt er uns am Telefon aus L.A., wo er auch mit 74 Jahren immer noch lebt. „Für war mich war es das Epizentrum von allem, was passierte." Hughs Fotos von langhaarigen, gebräunten Kids, die die Hollywoold Hills runterfahren oder auf den Bürgersteigen der Metropole unterwegs waren, die Fotos porträtieren die Ursprünge der Skaterkultur.

Im Laufe von drei Jahren schoss Holland tausende Fotos der Skaterszene, wie die Szene sich aus einer wilden nachschulischen Vergnügung zu einem professionellen Sport mit Wettbewerben, Werbeverträgen und Helmen entwickelte. Die Fotos fristeten ihr Dasein unsortiert in Boxen im Haus des Fotografen. Wir wollten euch die Bilder nicht vorenthalten und sprachen daneben mit dem Fotografen über die Fotos, Skaterkultur und Kalifornien.


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Wie kamst du zu Skater-Fotografie?
Ich habe hier im Süden Kaliforniens in Hollywood gelebt. Ich habe mich nicht besonders für Skateboarden interessiert, aber merkte, dass viel damit passiert und ich fand toll, wie diese Kids beim Skaten aussahen. Ich war damals 32 Jahre alt und hatte ein Geschäft. Ich habe all mein überschüssiges Geld in Filme und Bildentwicklung gesteckt, nachdem ich Skateboarder entdeckt hatte. Davor hatte ich hauptsächlich schwarz-weiß fotografiert.

Warum bist du zur Farbfotografie gewechselt?
Es schien einfach das geeignetere Medium für diese Aufnahmen zu sein. Und ich entdeckte ein neues Fotolabor, das neu verpackte, aber unbenutzte Filmrollen verkaufte, weil wir ja schließlich immer in Hollywood waren. Dadurch hatten die Fotos die sanfte, warme Farbe von alten Filmen, wodurch mein Stil zustande kam.

Erinnerst du dich an die allererste Aufnahme?
Ich fing an, zu bemerken, dass Skateboader hier überall auftauchten. Dann fuhr ich eines Tages durch den Laurel Canyon und sah ich, wie sie in einem Abflussgraben skateten. Ich sah all diese kleinen Köpfe über den Straßenrand ragen, weil der Graben tiefer als die Straße war. Ich hielt an der nächsten Möglichkeit an, lief zurück und fing an, Fotos zu machen.

Sie akzeptierten mich sofort, weil ich der Einzige mit einer Kamera in der Nähe war. Sie hatten diese neuen Räder aus Europa, die ihnen Halt in der Senkrechten gaben. Jeder wollte neue Tricks zeigen. Sie fingen in den Abflussgräben in den Hills an, und weil es ja kaum in Südkalifornien regnet, sind die meistens dieser Gräben trocken. Es hat dann nicht lange gedauert und sie entdeckten leere Pools für sich. Und weil ich ein Auto hatte und die meisten von den Skatern nicht, war ich dabei.

Was hältst du von dem neuen Interesse an den Fotos?
Die Leute, die sich am meisten für die Fotos interessieren, sind Leute aus der Modebranche. Wie Dov Charney [der Gründer von American Apparel], der eines meiner Bilder auf einer Party an der Wand sah und es für seine Stores benutzte. Er sagte, dass ihm die Siebziger wirklich gefallen haben. Er trug diese langen Kragen und hatte Koteletten. Eine Sache, die mir nicht so gut gefiel damals, war die Tube Socks, die jeder getragen hat. Dov sagte zu mir: "Du machst Witze, ich liebe die Tube Socks. Wir werden Tube Socks anbieten. Ich spreche morgen mit einem Verkäufer über die Tube Socks." Das geschah 2005, in dem Dreh. Ich bin jetzt 74 und mag die Tube Socks inzwischen.

Wurden aus einigen der Skater Profis?
Einige aus der ersten Gruppe, die ich fotografierte, wurden relativ schnell Profis, sogar noch während ich fotografierte. Nach drei Jahren kamen Firmen wie Quiksilver oder es gab T-Shirt-Firmen, die mit ihnen Geld verdienten.

Eines meiner Lieblingsfotos heißt "Down on the Corner". Darauf sieht man ein Kid, das auf der Straße in der Nähe des Strands skatet. Er war wirklich gut - viel Stil. Vor ein paar Jahren sah sich jemand das Foto an und sagte zu mir: 'Weißt du wer das ist? Das ist Danny Kwok'. Er wurde als Surfer berühmt und ist jetzt Präsident von Quiksilver Entertainment.

Wieso hast du 1978 damit aufgehört, die Szene zu fotografieren?
Ich habe irgendwie das Interesse verloren. Die Dinge begannen, sich zu verändern. Es fing mit den Skateparks und Wettbewerben an – plötzlich trugen alle Skater T-Shirts mit Logos, und Knieschützer, Ellbogenschützer und Helme. Mich interessierte die oberkörperfreie, sockenfreie, schuhfreie Zeit.

Wie alt waren die meisten der Kids damals?
Sie waren Teenager, alles von 13 bis 19 vertreten. Ich habe tagsüber meistens gearbeitet und bin dann am späten Nachmittag rausgegangen. Ein anderer Grund, wieso ich meine Fotos liebe, ist ihr Sunset-Look, weil ich ja vorher keine Zeit habe, um Fotos zu machen. Damals gab es in L.A. auch noch mehr Smog, der den Fotos ihre gelblich-orangefarbene Qualität gab. Es war eine tolle Zeit.

hughholland.com

Credits


Fotos: Hugh Holland, Courtesy of M+B Gallery, Los Angeles

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