forever butt: ein gespräch mit gert jonkers über sein revolutionäres homomagazin

„Forever Butt“ ist der neue Sammelband des „Butt Magazine“ und die beiden Butt-Gründer Gert Jonkers und Jop Bennekorn, die auch hinter „Fantastic Man“ und „The Gentlewoman“ stehen, haben eine liebevolle Auswahl aus älteren und neueren Interviews...

von James Anderson
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27 November 2014, 5:15pm

Jason Whipple, 2006. Photography Miguel Villalobos.

Was war die Motivation für dich und Jop, das Butt Magazine 2001 zu gründen?
Wir wollten etwas Zeitgemäßes für Homos: ein Magazin von Schwulen für Schwule. Ein Spielplatz, im wörtlichen Sinne. Das Magazin sollte sich so anfühlen, als ob du einen tollen Man im Zug oder in der Bar triffst und dich mit ihm angeregt unterhältst. Wunderbarerweise wurde Butt tatsächlich zum Treffpunkt. Denke ich jedenfalls. Fans des Magazins haben sich getroffen oder sie haben sich online auf Buttheads [Butts Online-Community] getroffen oder sie haben sich gegenseitig am Butt-T-Shirt erkannt und angefangen zu reden. Wir alle wissen, was daraus werden kann!

„Butt" ist ein großartiger Name für ein Magazin. Wessen Idee war es?
Jop und ich sind etwas trinken gegangen und der Name war zuerst „Buttsluts". Dann haben wir noch eine Runde Bier bestellt und irgendwann kam „Butt" heraus.

Das erste Butt-Book von 2006 wurde zum Klassiker. Würdet ihr im Rückblick irgendetwas anders machen?
Nein, ich denke, dass das Buch toll ist. Ich liebe es und bin stolz darauf. Wir haben eine Fotostrecke mit Leuten, die Artikel zum Magazin beigesteuert haben, und unseren Boyfriends, „Friends and Family of the Magazine", geschossen. Du bist ja auch drin, ein großartiges Foto von Alasdair McLellan. War es vielleicht das erste Alasdair-Bild, das wir veröffentlich haben? Und wenn man natürlich 25 Leute ablichtet, gibt es immer jemanden, dem sein Bild nicht gefällt, aber nein, ich persönlich würde nicht viel am Buch ändern.

Karl, 2011. Foto: Wolfgang Tillmans.

Von allen Leuten, Interviews und Fotos, die im Magazin seit der Gründung erschienen sind, wer oder was war die größte Sensation oder hat die größte Reaktion ausgelöst?
Ich erinnere mich daran, dass das Interview mit Dirty Danny viele Reaktionen ausgelöst hat. Dirty Danner war ein Homo, der sich ungefähr 15 Jahre nicht gewaschen hatte, was sich tatsächlich spektakulär liest. Und dann erinnere ich mich an ein Interview mit einem Klomann, der seinen Job sehr gemocht hat ... ganz wörtlich. Man könnte diesen Geschichten das Label „Schockierend" verpassen, ich denke aber, dass sie als Einblick in die menschliche Psyche sehr interessant sind.

In den Anfangsjahren von Butt hat man oft Bären und Bärte gefunden, lange bevor sie Mainstream wurden. Ist Behaarung das wahre Vermächtnis von Butt?
Ja, wir waren die Coming-Out-Plattform für Haare. Wir werden immer als das Magazin für Bären, Bärte, Behaarung und Bierbäuche in Erinnerung bleiben, obwohl wir auch anderes gemacht haben. Aber natürlich haben wir als Anti-Männerpflege-Magazin angefangen. Wir hatten genug von den schwulen Lifestyle-Magazinen, die wie Anzeigenblättchen für Kosmetikkonzerne aussahen und voller Pflegeprodukte waren. Und die nicht nur so aussahen, sondern oft auch wirklich gesponserte Inhalte über Pflegeprodukte oder Bademode mit Schwanz-Push-ups veröffentlicht haben. Alles Dinge, die uns nicht interessiert haben oder die uns an der modernen, schwulen Welt genervt haben.

Zu den frühen Unterstützern und Werbekunden des Magazins gehören Hedi Slimane, der damals für Dior Homme gearbeitet hat, und Tom Ford. Interviewscheue Designer und Stilikonen - von Antony Price bis zu Peter Berlin - haben sich von euch interviewen lassen. Wieso haben sie in Butt ein Zuhause gesehen?
Am stylischsten ist doch natürlicher Charme - oder? Ich denke, dass letztlich jeder Designer auf diese Frage antworten würde, dass das Stylischste ein attraktiver, normaler Mann ist , der sich seiner Attraktivität nicht bewusst ist. Ich glaube, dass das die Leute an Butt gemocht haben. Es hat die Wirklichkeit widergespiegelt.

Jonny Woo, 2006. Foto: Miguel Villalobos.

Wer war der interessanteste Interviewpartner, den du persönlich untersucht hast? Ich meine mit Fragen ...
Sicher Gore Vidal. Er ist so eine einschüchternde Legende und es ist so aufregend, ihn zu treffen. Es ist wie ein Interview mit Barack Obama oder Ronald Reagan - wo fängt man da das Gespräch an? Der andere interessante Interviewpartner, mit dem ich das Vergnügen hatte, war Dave Butt. Er hat nicht nur einen großartigen Namen, reiner Zufall, sondern seine Arbeit hatte ich schon lange bewundert. Er zeigte mir eine Fotostrecke von zwei Typen, die er gemacht hatte. Ich kriege bei dem Gedanken daran immer noch einen Ständer. Ich sollte ihn um einen Sonderdruck dieser Fotostrecke bitten, er druckt nämlich on demand. Gute Idee. Ich empfehle jedem: Kuckt euch seine Arbeiten an. Es ist sehr speziell, bodenständig und echt. Er heißt Suntown Photography oder so.

Wer hat deiner Meinung nach den besten Arsch, der jemals in Butt veröffentlicht wurde?
Ich habe nachgeguckt, der Arsch von Greek Pete ist weder im Buch noch im Magazin, aber ich glaube, er hat einen guten. Mein Gott, der ist so hübsch. Mein eigener Arsch war im letzten Buch, Terry Richardson hat ihn fotografiert und ich wünsche und hoffe, dass mein Arsch immer noch so gut aussieht, aber er ist nicht mehr im Buch. Der Arsch von Corey Corey ist großartig, zu finden auf Seite 115 im Buch. Lucas Nascimentos Hinterteil, auf Seite 25, ist auch ziemlich perfekt und er sieht auch so gut aus - Unterwäsche, langes sinnliches Haar und einen Schnurrbart.

Du hast nach dem Erfolg von Butt die Magazine Fantastic Man und The Gentlewomen gegründet und alle drei Titel sind in unterschiedlichen Bereichen einflussreich. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Harte Arbeit, extrem kritisch sein, nicht zu leichtfertig aufgeben, unser Design ist sehr gut; wir haben die Hilfe und Unterstützung von großartigen Autoren und Fotografen. Ich denke auch, dass allen Magazinen, die wir produzieren, eine gute Idee zugrunde liegt. Sie sind nicht beliebig.

Hast du einen Rat für junge Leute, die ihr eigenes Magazin gründen wollen?
Habt einen Fokus. Verwerft jede Idee, die auch in einem anderen Magazin auftauchen könnte.

Worauf bist du als Ergebnis der Gründung von Butt Magazine besonders stolz?
Wo soll ich da anfangen? Dass es eine Plattform ist. Dass es vielen Leuten ein Stück Normalität und Exzentrik gegeben und sie darin bestärkt hat, so zu sein wie sie sind. Weil die Themen in Butt so wie sie sind - und sie nicht vorgeben müssen, irgendjemand zu sein.

Icb bin auch stolz auf alle, die sich über Butt getroffen haben, entweder über die Website oder auf einer Party oder einfach dadurch, dass sie das Butt-T-Shirt getragen haben und sich sofort ineinander verknallten und vielleicht tollen Sex hatten.

Forever Butt ist bei TASCHEN erschienen.

buttmagazine.com

Credits


Interview: James Anderson

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