tavi gevinson ist die ikone unserer generation

Mit 11 startete sie ihren Blog „Style Rookie“, mit 12 saß sie in der Front Row bei Dior und mit 14 wurde ihr die Mode zu langweilig und sie wandte sich dem Feminismus zu - Tavi Gevinson probiert sich immer und immer wieder aus und das ist OK.

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09 April 2015, 7:40am

Das Rookie Mag bringt Geschichten wie „Du kannst alles machen, solange du keinen damit verletzt", Interviews mit TLC oder dem Mädchen, das eine App entwickelt, mit der du Online-Mobber ausfindig machen kannst, How-tos zum „Gigantisieren" deiner Augen, wie du mit schmalem Budget trotzdem gut aussiehst und wie du mit den hässlichen Sachen, die jemals irgendwer zu dir gesagt hat, gut umgehen kannst. Sie schreibt über all das, worüber du als Teenagerin sprechen wolltest, aber du dir nie sicher warst, dass auch andere Mädchen drüber reden. Als Tavi Gevinson im Alter von 14 aus ihrem Blog Style Rookie das Rookie Mag gemacht hat, verschob sie den Augenmerk von Mode auf Popkultur und Feminismus. Sie schuf eine Plattform für gleichgesinnte Teenager und stellte sicher, dass die Stimme ihrer Generation Gehör findet. Während wir in so jungen Jahren noch nicht wussten, wo Oben und Unten ist, sprach Tavi darüber, was es bedeutet eine starke Frau zu sein und warf die Frage auf, ob du an Mode interessiert und gleichzeitig auch eine Feministin sein kannst. Durch sie wurde es OK, ein widersprüchlicher Teenager zu sein. Jetzt mit 18 hat sie gerade ein achtmonatiges Engagement als Schauspielerin neben Kieran Culkin und Michael Cera im Stück This Is Our Youth beendet, lebt alleine in New York und arbeitet am Rookie Yearbook Four. 

Was sollte Style Rookie sein, als du damit angefangen hast?
Ich wollte einen Ort schaffen, an dem ich die Entwicklung meines Styles, meiner Interessen und meiner Geschmäcker dokumentieren konnte. Dann wurde es ein Ort, um meine Gefühle, meine Ansichten über Feminismus und meine Erfahrungen in der Modewelt auszudrücken.

Was ist Rookie Mag jetzt?
Ich hoffe einfach nur, dass sich jemand davon gut unterhalten fühlt; oder noch besser: sich gut mit sich selbst und seinem Leben fühlt. Ich möchte, dass meine Leserinnen wissen, dass sie bereits cool genug, klug genug, gut genug und schön genug sind. Ich möchte, dass sie sich sicher fühlen können.

Warum hast du dich entschlossen, nicht mehr nur über dich zu berichten? 
Es wurde einfach langweilig, nur über mein eigenes Leben zu schreiben. Ich fand Gefallen an der Idee, an etwas zu arbeiten, das seinem Publikum dient, und ich wollte etwas machen, was die Dinge sagt, die meine Freunde und ich hören mussten. Ich kam in die Pubertät und fühlte mich auf meiner Suche nach Selbstbewusstsein von den meisten Jugendmedien im Stich gelassen.

Wer waren deine Vorbilder, als du mit Style Rookie angefangen hast?
Cindy Sherman und Bob Dylan haben mich dazu inspiriert, über Veränderung und persönliche Identität nachzudenken, sogar Mode war dafür ein Ventil, verschiedene Aspekte meiner eigenen Persönlichkeit zu entdecken. Damit hat auch mein Interesse an Schauspielerei zu tun, denke ich.

Wer sind jetzt deine Vorbilder?
Jenny Slate inspiriert mich wirklich. Ihre Performance in Obvious Child war von einem so hohen Level an Ernsthaftigkeit und Rohheit geprägt, das ich auch gerne in meinem eigenen Leben nachahmen würde. Außerdem hat sie einen gesunden Humor und kann über sich selbst lachen. Sie übertägt die Ernsthaftigkeit des Lebens in ihre Kunst und erzählt dadurch die besten Geschichten. 

Ist es dir wichtig, deine Plattform zu nutzen, um eine Veränderung zu erreichen?
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Meine Antwort ist eine andere als für Beyoncé oder Jenny McCarthy.

Denkst du, dass Karl Lagerfelds Feministenprotest auf der Chanel Spring / Summer 15 Show „sinnloser Aktivismus" war oder ein Schritt in die richtige Richtung?
Ich weiß nicht, ob es schädlich war, vielleicht eher sinnlos und vor allem dem Zeitgeist entsprechend. Es hätte bessere Wege gegeben, um seinen Einfluss für progressive Zwecke einzusetzen, sollte das seine Absicht gewesen sein.

Du wirst oft als „Stimme deiner Generation" bezeichnet. Was sagst du dazu?
Ich möchte den Leute andere Stimmen zugänglich machen, die es wert sind, gehört zu werden. Ich spreche nur für mich selbst. Es sollte keine Einzelstimme einer Generation oder einer Bewegung geben.

Was macht deine Generation einzigartig?
Das Angebot an Informationen, das uns zur Verfügung steht, ist unglaublich. Wir haben Zugang zu so vielen Tools, mit denen wir arbeiten können und die wir besser als ältere Generationen beherrschen. Das ist wahnsinnig aufregend und gefährlich.

Welchen Rat möchtest du jungen Feministinnen geben?
Hört einander zu, lernt was Feminismus für andere bedeutet und wie sich ihre Erfahrungen von euren unterscheiden.

Was ist das Beste daran, heute jung zu sein?
In einer schrägen, post-post-post-modernen Apokalypse zu leben, in der die meisten Institutionen bröckeln und fast jede Meinung irrelevant ist. Die einzige Antwort ist: Vertrau dir selbst und mixe alles mit allem.

@tavitulle

Credits


Text: Felicity Kinsella
Foto: Petra Collins