say my name, say my name

Nach der Umbenennung von Maison Margiela durch John Galliano, sind wir der Frage nachgegangen, was hinter den Namen der großen Luxuslabels steckt.

von i-D Team
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03 Februar 2015, 11:25am

John Galliano versetzte die Modewelt in den letzten Wochen durch seine Änderungen beim Label Margiela in einen Ausnahmezustand. Bei seiner Debütshow als Creative Director in London, selbst das schon eine Abweichung vom gewöhnlichen Paris-Termin, sorgte Galliano mit dem Entfernen der traditionellen Masken und der Verbeugung am Ende der Show für Aufsehen. Erst nachdem sich die allgemeine Aufregung um die offensichtlichen Änderungen gelegt hatte, wurde es dem Modevolk bewusst, dass er still und heimlich „Martin" aus „Maison Martin Margiela" gestrichen hatte und somit das Avantgarde-Haus in eine neue Ära einführte.

Eine überwältigende Mehrheit der Top-Modelabel trägt immer noch die Namen der Gründer, aber was passiert, wenn sich die Zeiten ändern? Wenn der Designer abtritt oder der Name irgendwann nicht mehr passt? Galliano ist natürlich nicht der erste, der sich am Namenskarussell betätigt: von Hedi Slimane bis Ralph Lauren - viele haben ihren Namen schon aus den verschiedensten Gründen geändert. Aus aktuellem Anlass haben wir uns auf die Suche nach weiteren Beispielen gemacht und sind fündig geworden: 

Saint Laurent Paris 
Hedi Slimane ist kein Heiliger. Als der Designer aber 2012 entschied, „Yves" aus YSL zu streichen, wurde er zum größten Modesünder. Colette verkaufte sogar „Ain't Laurent Without Yves"-T-Shirts bis das Haus ein Ende des Verkaufs forderte und der Store daraufhin die Bestellung der Spring / Summer 14 Kollektion stornierte. Inmitten des Sturms der Entrüstung erklärte Slimane, dass die Namensänderung nämlich tatsächlich von Yves persönlich inspiriert wurde: 1966 lancierte der Designer die Prét-à-Portier-Linie „Saint Laurent Rive Gauche". Slimanes Rebranding inkludierte auch Änderung der Typo auf die damalige Schriftart Helvetica, inspiriert von dem schlanken Typeface des Originallogos.

MbMJ 
Marc Jacobs ist immer für einen Spaß zu haben, besonders wenn es um Namen geht. Die „Jacobs by Marc Jacobs for Marc by Marc Jacobs in Collaboration with Marc Jacobs for Marc by Marc Jacobs"-Tote (ohne Witz) sorgte für einen ironischen Twist bei den ganzen Abspaltungen in Diffusion-Lines. Im Frühjahr 2001 gab es das Debüt von Jacobs' Zweitlinie, Marc by Marc Jacobs, eine der erfolgreichsten Diffusion-Lines seiner Art. Nachdem Katie Hiller und Luella Bartley Anfang 2014 die kreative Führung übernahmen, verpassten sie dem Label einen einheitlichen, neuen Look und wurde einfach in „MbMJ" umbenannt.

Prada
Das Prét-à-porter-Imperium befindet sich seit seiner Gründung im Familienbesitz und fing 1913 als Lederwaren-Geschäft „Fratelli Prada" oder „Gebrüder Prada" an. Obwohl nicht klar ist, wann der Name geändert wurde, dürfte es zu der Zeit passiert sein, als Mario Pradas Tochter Luisa die Geschäfte übernahm, ungeachtet dessen, dass Mario der Meinung war, dass Frauen nicht in die Wirtschaft gehörten. Nachdem Miuccia das Runder übernahm, drehte sie 1993 am Namenskarussell und lancierte Pradas Schwesterlinie Miu Miu, benannt nach Miuccias Spitzname aus Kindheitstagen. 

Ralph Lauren
Ralph Lauren ist ohne Zweifel einer der bedeutungsvollsten Namen in der Mode und gilt, seitdem das Label 1967 gestartete wurde, als typisch amerikanisch. Ironischerweise lautet der tatsächliche Nachname von Ralph Lauren komplett anders: Lifshitz. Mit 16 Jahren hat der Designer seinen Namen geändert und erklärte gegenüber Oprah: „Mein Geburtsname hat das Wort ‚Shit' in sich. Die anderen Kinder haben sich oft lustig gemacht. Deshalb habe ich mich entschieden, meinen Nachnamen zu ändern." Der Rest ist Geschichte.

Yohji Yamamoto 
Bevor der japanische Designer sein Label zum ersten Mal 1981 in Paris zeigte, hatte er bereits seit 1977 unter „Y's" entworfen. Diese frühen Designs wurden in Tokio lanciert, bevor Yamamoto gemeinsam mit Rei Kawakubo und Issey Miyake die Modewelt mit ihrem Anti-Fashion-Avantgardismus erobert haben.

Burberry 
Von Thomas Burberry 1856 gegründet, war „Burberry" der Originalname des Geschäfts. Weil so viele Kunden aus der ganzen Welt jedoch „Burberrys of London" sagten, wechselte die Firma ihren Namen zu „Burberrys". Aus dem 1901 von Thomas Burberry kreierten Prorsum-Logo („prorsum", lat. für vorwärts") leitet sich die Laufstegkollektion Prorsum ab, die heute von Christopher Bailey geführt wird.

Acne Studios
1996 in Stockholm gegründet war Acne Studios anfangs ein Teil des Kreativkollektivs ACNE, ein Akronym für „Ambition to Create Novel Expressions". Das Originalkollektiv hatte den Fokus auf Film, Produktion, Werbung und Grafikdesign, teilte sich aber 2006 in separate Einheiten auf, Acne Film, Acne Advertising und natürlich Acne Studios. Aus den einfachen Denim-Anfängen wurde ein globales Fashion-Powerhouse, mit Frauen- und Männerkollektionen, die auf der Pariser Fashion Week gezeigt werden.

Balenciaga 
Obwohl Balenciaga den Namen seines Gründers Cristobal Balenciaga in seinem hundertjährigen Bestehen nicht angetastet hat, war sein ehemaliger Kreativchef Nicolas Ghesquiere einer der ersten Designer, die darauf bestanden, dass ihr Name ein Teil der Marke wird. Die Zeiten von „Balenciaga by Nicolas Ghesquiere" sind vorbei und der aktuelle Creative Director, Alexander Wang, besteht nicht auf dieselbe Personalisierung - also vorerst ist es wieder beim Alten.

Tiffany & Co
Obwohl der amerikanische Luxusjuwelier 1853 seinen Gründungsnamen von „Tiffany, Young and Ellis" zu „Tiffany & Company" im Zuge der Konzentration auf Schmuck geändert hat, ist es nicht diese Änderung der Grund, warum es das Unternehmen mit den markanten blauen Boxen auf unsere Liste geschafft hat. Weil Tiffany einer der ersten amerikanischen Luxus-Markennamen war, haben statusverliebte Eltern (einschließlich Donald Trump) ihre Kinder in den 80ern Tiffany genannt. Diese Yuppie-Getue beweist wie sehr Luxus-Markennamen den Mainstream beeinflussen können.

Credits


Text: Emily Manning
Foto: Marshall Astor of Prada, Marfa von Elmgreen und Dragset

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