Warum Blade Runner 2049 ein frauenfeindlicher Film ist

Frauen sind in der Fortsetzung des Science-Fiction-Streifens entweder Prostituierte, holographische Hausfrauen oder müssen eines brutalen Todes sterben.

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Okt. 10 2017, 10:20am

Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video "BLADE RUNNER 2049 - Official Trailer" von Warner Bros. Pictures. 

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Hey Girl. Ryan Gosling hat uns vielleicht einiges über Feminismus beigebracht (OK, eigentlich war das Danielle Henderson mit ihren Memes), aber jetzt spielt er im neuen Blade Runner 1949, ähm, 2049, mit — ein überaus frauenfeindlicher Streifen und der wohl am meisten überbewertete Film des Jahres. Die Tatsache, dass er bisher durchweg positive Bewertungen bekommen hat, sagt uns mehr über den Mangel an Filmkritikerinnen, als über die gelungenen Aspekte des Films, die Folgende sind: Er sieht total abgefahren aus, weil die Kameraführung grandios ist; und K, der von Ryan Gosling gespielt wird, hat einen schönen Mantel an.

Aber auch der erste Blade Runner war nicht wirklich besser — selbst im Jahr 1982 hätte man auf die Vergewaltigungsszene verzichten sollen — aber 2017 würde man von Regisseuren ganz klar mehr erwarten als das, was Denis Villeneuve uns hier liefert. Trotz eines riesigen Budgets und einer erstklassigen Besetzung hat er sich dafür entschieden, weiterhin einen flachen, gefühllosen, sinnlosen und schrecklich sexistischen Film zu drehen.


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Frauen sind entweder Prostituierte (einschließlich Mackenzie Davis als Mariette), holographische Hausfrauen wie Joi (Ana de Armas) — ein Produkt, das mit sexisitischen Werbesprüchen wie "Experience Joi" vermarktet wird — oder etwas brutalere weibliche Bosse (Robin Wright als Lieutenant Joshi und Sylvia Hoeks als Luv), die eines schrecklichen Todes sterben, die wir auch noch im kleinsten Detail mitverfolgen müssen. Natürlich sterben im Film auch Männer, aber diesen müssen wir nicht zehn Sekunden lang dabei zusehen, wie ihre Augäpfel aus den Augenhöhlen hervortreten. Nein, es sind abrupte, noble Tode, und nicht hoffnungslos fetischistische.

Auf die Gefahr hin, dass wir nun spoilern: Es gibt eine Frau, die scheinbar wertvoller ist (Carla Juri als Dr. Ana Stelline) als alle anderen im Film, doch selbst sie ist in einem Glaskäfig gefangen, wird bevormundet und lebt in ihren eigenen Fantasiewelten. Der ultimative Unterschied zwischen menschlichen Frauen und den extrem menschenähnlichen Replikantinnen ist, dass echte Frauen Kinder gebären können. Alles klar? Wenn du keine Kinder zur Welt bringst, bist du keine echte Frau.

Krista Kosonen und Mackenzie Davis als Prostituierte in Blade Runner 2049

Man könnte argumentieren, dass Frauenfeindlichkeit in Ridley Scotts Original nunmal ein Teil der Dystopie gewesen ist und die Fortsetzung diese Idee nur weiterführt. Aber wenn Blade Runner 2049 zeigen will, wie gut man das Patriarchat an den technologischen Fortschritt anpassen kann, dann ist das Problem daran, dass das einfach keinen Sinn ergibt. Statt auf irgendeine Weise anzudeuten, dass Ks "Beziehung" zu einer holographischen Freundin/Hausfrau problematisch ist, wird sie im Film so stark vermenschlicht dargestellt, dass wir glauben sollen, die Beziehung würde auf wahrer Liebe beruhen, statt auf einer einseitigen Abhängigkeit. Die Beziehung zwischen den beiden ist die einzige im ganzen Film und deutet an, dass sie durch ihre Unterwürfigkeit und Arbeit im Haushalt menschlicher ist als die menschlichen Frauen, die zu harten, "Männer"-ähnlichen Kämpferinnen oder zu zynischen, ungepflegten Huren geworden sind.

Die riesigen Steinstatuen schlanker, vollbusiger Frauen, die in einer Wüsten-Szene ohne erklärbaren Grund überall herumstehen, sind die perfekte Metapher für diesen Film: zweifellos gewaltig, aber dennoch ein verstaubtes, unzeitgemäßes Relikt.