'Future Dust' ist der Instagram-Account für nachhaltige Designs

"Warum kaufen wir, was wir kaufen? Und wie kam es zu dem Punkt, an dem unsere Sucht nach billigem Mist den Planeten zerstört hat?"

von Liam Hess
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16 September 2019, 9:00am

Als im Sommer 2019 massive Hitzeperioden zu schlimmen Waldbränden und extremer Dürre führten, gingen die Menschen auf die Straße. Bei großen Streiks und Demonstrationen – viele organisiert von den gewaltfreien Klimaaktivismus-Gruppen Extinction Rebellion oder Ende Gelände – setzten sie ein Zeichen gegen die nahende Katastrophe. Ein Zeichen, das von den Politiker_innen ernst genommen werden muss.

Doch es gibt kaum eine Branche, die nicht in irgendeiner Weise dazu gezwungen ist, ihr Verhalten zu ändern, um adäquat auf die Krise zu reagieren. Ganz oben auf der Agenda von Klimaktivist_innen steht immer wieder die Modeindustrie – wenig überraschend, da sie doch als eine der umweltschädlichsten Industrien der Welt gilt. So hat Fashion Revolution, eine Initiative, die in Zusammenarbeit mit Extinction Rebellion für den Wandel in der Modebranche eintritt, eine Notfall-Satzung ausgerufen, der sich Unternehmen von H&M bis Kering angeschlossen haben. Die langjährige Nachhaltigkeitsverfechterin Stella McCartney hat eine UN-Charta für nachhaltige Mode initiiert. Und Nike hat einen Leitfaden für Designer veröffentlicht, damit diese in Zukunft verantwortungsvoller arbeiten.

Jede Maßnahme ist besser, als gar nichts zu tun, und trotzdem werfen diese Initiativen die Frage auf: Können wir Fast Fashion und Luxusgiganten wirklich die Verantwortung anvertrauen, eine solch bedeutende Vorreiterrolle zu übernehmen? Können wir uns darauf verlassen, dass profitgesteuerte Unternehmen plötzlich ethische Verpflichtungen über die Gier nach höheren Umsätzen stellen? Um zu verstehen, wie wir innerhalb der Branche echte (und langfristige) Veränderungen bewirken können, sind es häufig die kleineren Stimmen, die sich als die überzeugendsten erwiesen haben.

Eine dieser Stimmen ist der in Berlin lebende Alec Leach. Als ehemaliger Redakteur bei Highsnobiety verfügt er über ein umfassendes Wissen über junge und aufstrebende Marken. Er war frustriert, wie die Branche die Klimakrise handhabt – und suchte nach einem Weg, wie er selbst etwas beitragen kann. "Ich habe letztes Jahr viel zum Thema Nachhaltigkeit recherchiert und immer wieder coole Dinge online gefunden, die nachhaltig gefertigt wurden, aber auf eine unauffällige Weise", sagt er. "Also dachte ich, es wäre nützlich, wenn ich solchen Dingen einen Ort gebe – eine Quelle, für coole, nachhaltige Sachen. Als ich noch Redakteur war, hätte ich so eine Plattform geliebt."

Das Ergebnis: Future Dust, ein Instagram-Account, der die Kreationen von einigen der interessantesten Designer_innen unserer Zeit katalogisiert. Sie alle messen innovativem Design ebenso viel Bedeutung bei wie der verantwortungsvollen Produktion. "Ich habe den Namen Future Dust gewählt, weil alles, was wir herstellen und kaufen, eines Tages wertlos sein wird, ob uns das gefällt oder nicht", erklärt Alec. "Sobald man das akzeptiert, wird die Bedeutung des bewussten Konsums viel deutlicher."

Die Idee ist vielleicht nicht neu, modernes Design und Umweltauswirkungen auf die gleiche Stufe zu stellen. Aber was sich in den letzten Jahren verändert hat, ist die wachsende Zahl von Designer_innen, für die dies zu einer zwar unauffälligen aber wichtigen Priorität geworden ist. Sei es durch Upcycling, die Verwertung von Produktionsresten oder die Verwendung weniger umweltschädlichen Stoffe. "Wenn du bist wie ich – wählerisch, aber auch besorgt darüber, wie sehr unser Konsumverhalten dem Planeten schadet –, dann gibt es eigentlich viele Möglichkeiten", sagt Alec. "Du musst nur wissen, wo du suchst und ein wenig Geduld haben."

Es gibt viele Marken, die bereits seit Jahrzehnten nachhaltig arbeiten. Ganz oben auf der Liste von Alec steht zum Beispiel das Outdoor-Bekleidungslabel Patagonia, das dank des Dadcore-Trends einen neuen Aufschwung erlebt. "Verantwortung liegt in der DNA dieser Marke", sagt Alec. "Jedes Unternehmen sollte danach streben, so zu arbeiten wie Patagonia." Ebenfalls in seinem kleinen schwarzen Buch finden sich jüngere Marken wie Marine Serre, Story MFG und Bode, die in der Szene große Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, sowohl für ihre durchdachten Designs als auch für ihre ethischen Anliegen.

Für Designer_innen, die sich weiterentwickeln wollen, sieht Alec die Wiederverwendung von ausgedienten Stoffen oder Kleidungsstücken als überzeugendste Lösung – oder zumindest als bestmögliche Option. "Wir müssen zu einem Kreislauf-Modell übergehen, bei dem alles, was wir herstellen, für das Recycling bestimmt ist und die Herstellung und Rohstoffgewinnung auf eine Weise erfolgt, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie. Deswegen ist beispielsweise das Mietmodell so perfekt. Es geht Hand in Hand mit dem Design-Kreislauf, weil es einen klaren geschäftlichen Anreiz für Nachhaltigkeit schafft."

Für Designer_innen ist es ein schwieriger Balanceakt, das Problem mit Einfallsreichtum und Kreativität anzugehen, ohne weiter zum unerbittlichen Tempo des Modezyklus beizutragen. Auch Alec kennt das Problem und versucht es verantwortungsbewusst zu meistern. "Ich muss betonen, dass wir uns nicht aus der Klimakrise herausshoppen können", sagt er. "Selbst das nachhaltigste Produkt der Welt zu kaufen, wird sie nicht lösen. Das ist der Grund, warum ich keine Verlinkungen zum Direktkauf, Preise, Händler oder was auch immer veröffentliche – der Sinn ist nicht, hierher zu kommen, um mehr Zeug zu kaufen, sondern der, sich selbst weiterzubilden. Ich benutze die Produkte als Plattform, um die großen Probleme in einer nachvollziehbaren Weise zu kommunizieren."

Eine der größten Herausforderungen für die Branche ist die Tatsache, dass bewusstes Einkaufen unweigerlich mit einem höheren Preis verbunden ist. Die Fast-Fashion-Epidemie hat eine Kultur gefördert, in der das Verständnis für die wahren Herstellungskosten von Kleidung verzerrt ist: Kleidungsstücke werden für den Preis eines durchschnittlichen Mittagessens gekauft, einmal getragen, dann zurückgebracht oder weggeworfen. Alec legt den Schwerpunkt auf Qualität und intelligentes Design. Er hebt begehrenswerte Kleidungsstücke hervor, die ihre höheren Preise mit ihren geringeren Umweltauswirkungen rechtfertigen. Er liefert überzeugende Argumente für den wahren Wert eines Kleidungsstücks. "Das sind Teile, die nicht nur länger in den Kleiderschränken bleiben, sondern auch dem Planeten helfen, länger zu leben."

"In einer idealen Welt würde Future Dust nicht einmal existieren", fügt er hinzu. "Die Themen, über die ich rede, sollten die Norm sein. Es ist verrückt, zu denken, dass es sich hier um ein Nischenproblem handelt, während die Klimakrise so gravierend ist. Warum kaufen wir, was wir kaufen? Und wie kam es zu dem Punkt, an dem unsere Sucht nach billigem Mist den Planeten zerstört hat?"

Im Gegensatz zu undurchsichtigen Nachhaltigkeitsinitiativen, die von Unternehmen geführt werden, dreht sich bei Future Dust alles um Transparenz: eine erfrischend einfache Plattform für kleinere Stimmen der Branche, die intelligente, überlegte Alternativen bietet. Es ist an der Zeit zuzuhören!

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei unseren Kolleg_innen von i-D UK.

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