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Transgender-Model Maxim Magnus über die Bedeutung von Make-up

VonMaxim MagnusFotos vonFinn Constantine

Das 19-jährige belgische Model erzählt uns, wie Schminke alles verändert hat und wie wichtig es ist, sich selbst immer treu zu bleiben.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Maxim Magnus hatte in den letzten Wochen viel zu tun, sehr viel sogar. Die in Belgien geborene Schönheit hat für die junge, britische Designern Paula Knorr ihr Debüt auf der London Fashion Week gegeben, wurde von der Londoner Modelagentur Linden Staub unter Vertrag genommen und hat in Berlin an einer Panel-Diskussion neben der Gurls Talk-Gründern Adwoa Aboah teilgenommen, in dem es um die Transgender-Community und Power von Künstlerinnen ging. Den Namen Maxim Magnus sollte man sich definitiv merken. Mit uns hat sie über die transformative Kraft von Make-up gesprochen.

"Zum ersten Mal in Berührung mit der Beauty-Industrie bin ich durch Gigi Gorgeous YouTube-Channel gekommen. Ihre Looks sind extravagant und ihre Make-up-Tutorials so lustig. Ich liebe alles an ihr. Das war noch bevor sich eine von uns beiden als Transgender geoutet hat, durch sie bin ich ins Nachdenken gekommen.


Auch auf i-D: Adwoa Aboah in der Serie zu Gurls Talk


Am Anfang habe ich in meinem Zimmer mit Make-up experimentiert und eigene Tutorials aufgenommen, die es aber nicht mehr im Internet gibt. Da konnte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen und meine Gefühle verarbeiten. Ich habe es geliebt.

Außerhalb meines Zimmers habe ich Make-up zum ersten Mal beim Geburtstags-Essen meiner Mutter getragen. Meine Familie war so stolz, gleichzeitig hatte sie aber auch Angst davor, wie mein Umfeld darauf reagieren würde. Nicht weil sie dachten, dass es komisch war oder weil sie interessiert, was die anderen denken, sondern weil sie nicht wollten, dass mir etwas passiert.

Ich habe mich als Kind immer schön gefühlt, bis die anderen anfingen, mich zu mobben. Das hat mein Selbstbewusstsein zerstört und ich habe mich wegen meines Aussehens unsicher gefühlt, was dazu geführt hat, dass ich zugenommen habe. Um dieses Selbstbewusstsein wieder zu erlangen, habe ich viel Make-up getragen.

Am schwierigsten war die Zeit zwischen meinem 10 und 13. Lebensjahr. Ich war ein sehr glückliches Kind, aber niemals glücklich in meinem Körper. Durch Mode konnte ich meine wahre Identität ausdrücken, also habe ich mich ab 14 als Mädchen angezogen. Ich hatte das Gefühl, dass mich die Leute mit viel Make-up im Gesicht als Mädchen sehen würden, weil sie das mit jungen Frauen assoziieren. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, sah ich wahrscheinlich ohne besser aus, aber es hat einfach mein Selbstbewusstsein gestärkt, das ich damals anderswo nicht herbekommen habe.

Ich war immer direkt und extravagant, aber auch laut und fröhlich, um mein Aussehen und das schreckliche Gefühl in meinem Inneren zu kompensieren. Ich sah zwar aus wie ein glücklicher Teenager, aber so habe ich mich nicht immer gefühlt. Je mehr meine Angleichung fortschritt, desto weniger laut musste ich sein.

Die Art und Weise, wie ich mich selbst sehe, hat sich enorm verändert, auch wenn ich heute noch ab und zu Probleme mit meinem Aussehen habe. Die meiste Zeit fühle ich mich aber gut in meinem Körper. Ich bin so weit gekommen – wenn ich nur an die Zeiten zurückdenke, in denen ich so viel kämpfen musste und so viele Probleme mit meiner Körperwahrnehmung hatte ... Ich bin mehr zu der Person geworden, die ich wirklich sein möchte, daran arbeite ich auch heute noch jeden Tag.

Schönheit bedeutet für mich, dass man sich in seinem Körper wohlfühlt. Meine Stimmung beeinflusst wie ich aussehe: wenn ich mich gut fühle, sehe ich auch gut aus.

Mein Make-up ist zur Zeit ist ziemlich schlicht. Ich liebe es, meinem Gesicht einen Glow-Look zu verpassen, weil ich danach gesünder aussehe, denn von Natur aus bin ich sehr blass. Ich liebe Contouring und Highlights. Mein größter Beauty-Fail war das eine Mal, als ich eine Foundation gekauft habe, die zu dunkel für mich war. Ich wollte damals gebräunter aussehen.

Wenn ich meinem jüngeren Ich einen Rat geben könnte, wäre es folgender: Ändere dein Aussehen für keinen Menschen außer dich selbst, auch wenn du dich anderen beweisen willst. Es ist wichtig, dass du dir selbst treu bleibst. Wenn du damit anfängst, dein Aussehen wegen anderen zu ändern, wachsen nur die Selbstzweifel. Stress dich auch nicht wegen kleinen Dingen. Und: Mach nur Dinge, die dich wirklich glücklich machen und hänge mit positiven Leuten herum, weil sie dir dabei helfen, wie du dich selbst wahrnimmst."