Foto: Lucy Ridgard

So sieht das Leben als unkonventioneller Teenager auf dem Land aus

Gefärbte Haare, Angst und leere, endlos erscheinende Felder.

von Alice Newell-Hanson
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26 Oktober 2017, 8:03am

Foto: Lucy Ridgard

Lucy Ridgards fotografiert Jugendliche, die sie in der Gegend ihrer Heimat im Osten Englands trifft. Die sorgsam konstruierten Identitäten ihrer Motive stellt die Fotografin der Vorstadt gegenüber. Die türkisen Haare einer jungen Frau treffen auf den hellblauen Himmel. Ein enges Kleid im Leo-Print sieht vor der Kulisse einer Lorbeerhecke und einer Sackgasse merkwürdig fehl am Platz aus. Nichts zerstört einen Look, der edgy sein will so sehr wie ein Heuhaufen. Die Kontraste werfen Fragen über Zugehörigkeit auf: wie identifizierst du dich außerhalb deines natürlichen Lebensraums mit deinem Tribe?

Lucys Bilder fangen nicht nur die typischen Landschaften dieser Gegend ein – Büsche, flache, braune Felder und ein grauer Himmel – ,sondern auch das universelle Gefühl, jung zu sein und dem Leben in einer Kleinstadt ambivalent gegenüberzustehen. Ihre Motive stehen dabei mit ernsten Mienen im Sumpfland und tragen Fred Perry Poloshirts und Frisuren à la Sid Vicious von den Sex Pistols.


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Heute lebt Lucy in London und erinnert sich gerne an ihre Teenagerzeit zurück. Das war in den frühen 90er Jahren, einige ihrer Freunde lebten damals mit ihren Familien in Kommunen, wo sie alle auf Partys gingen.

You Don't Know What You've Got 'Til It's Gone erkundet genau diese Nostalgie nach ihrer Jugendzeit. Sie wählt Motive, die sie an ihre eigene Ästhetik von damals erinnern. "Seit den 70ern hat sich nichts verändert", sagt sie und lacht, "Nasenpiercings, gefärbte Haare und Jeans mit hoher Taille." Lucy ist bekannt dafür, geeignete Motive einfach auf der Straße anzusprechen. Üblicherweise sind es Skater, Kids aus Bands, oder solche, die Punk hören. Wenn sie beispielsweise einen Black Flag-Aufnäher oder einen schäbigen Secondhand-Pulli sieht, weiß sie, dass sie jemand Interessantes gesichtet hat. "Es passiert einfach so. Ich treffe die meiste Zeit draußen auf die Kids, manchmal auch durch Instagram." Nach dem ersten Treffen verabredet sie sich mit ihnen für ein Shooting.

Die Fotos sehen vielleicht ganz natürlich und mühelos aus, aber sie sind gestellt. Lucys Herangehensweise bewegt sich zwischen Dokumentarfotografie und etwas Konstruierterem. Ihre Motive bringen mehrere Outfits mit, die sie entsprechend der Kulisse gestylt werden. "Man könnte sagen, dass auf den Fotos fast jemand anders zu sehen", sagt sie. So werden ihre Figuren zu Vertretern einer gewissen zeitlosen, alternativen Jugend.

Was hat sich seit ihrer eigenen Jugend verändert? "Sie Kids von heute sind viel gelassener, als wir es damals waren", sagt Lucy. "Ich denke, dass sie ein größeres Verantwortungsgefühl haben. Wir sind nur rumgehangen, haben uns betrunken und Scheiße gemacht."

@lucyridgard

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.