All images courtesy of Chanel

Die Cruise Show von Chanel ist eine punk-inspirierte Ode an Jean Cocteau

Die neueste Kollektion ist fast ausschließlich schwarz-weiß und voller Anspielungen auf Punk-Ikonen und Künstler des frühen 20. Jahrhunderts.

von Osman Ahmed
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11 Mai 2021, 10:41am

All images courtesy of Chanel

Chanel präsentierte die neue Cruise 2022 Show in den kalkhaltigen, höhlenartigen Ruinen der idyllischen Stadt Les Baux-de-Provence über einen digitalen Livestream. Inzwischen kennen wir ja alle den Ablauf, kein Publikum, kein Spektakel. Dafür die Konzentration auf das Wesentliche: Großartige Kleidung und die weltbesten Models, die Virginie Viards reduzierte Kreationen vorführten. Gerade weil die Kollektion voller markanter Cocoisms war (Tweeds, viel schwarz-weiß, zweifarbige Schuhe, Statement-Schmuck), überraschte die zentrale Inspirationsquelle: Punk!

Die Welt der Sex Pistols, Jordan und Joan Jett scheint zwar wie die Antithese der ladyliken Eleganz von Chanel zu wirken, doch wahrscheinlich macht gerade das den Charme der Neuinterpretation von altbekannten Motiven aus. Gezeigt wurden Chanel-Netzstrumpfhosen, monogrammierte Lippenpiercings, grafische Band T-Shirts, besetzte Hundehalsbänder und genügend Eyeliner für eine ganze Crowd von Anarchisten. Die ganze Show wirkte wie eine Hommage an das verstorbene Model Stella Tennant, die es wie kaum jemand sonst schaffte, den klassischsten Chanel-Stücken eine Cool-Girl-Attitüde und etwas Punk-Spirit einzuhauchen.

Virginies Kollektion besteht fast ausschließlich aus schwarz-weißen Looks, eine Anspielung auf Jean Cocteaus Film Testament of Orpheus aus dem Jahr 1960, der am selben Ort (Carrières de Lumières) gedreht wurde und in dem Brigitte Bardot und Pablo Picasso mitspielten. „Es gibt diese großartige Szene in dem Film, in der ein Mann mit einem schwarzen Pferdekopf die Carrières de Lumières hinabsteigt und dabei wird seine Silhouette gegen die sehr weißen Wände geworfen“, erklärt Virginie. „Die Einfachheit, die Präzision und die Poesie von Cocteaus Filmen haben mich dazu inspiriert eine sehr cleane Kollektion zu entwerfen. Reduziert auf nur zwei Farbtöne, ein strahlendes Weiß und ein tiefes Schwarz.“

Die Verbindung zwischen dem traditionellen Modehaus und dem französischen Künstler hat eine lange Geschichte. Jean Cocteau und Coco Chanel waren enge Freunde - er war der multidisziplinäre Künstler, ein Dichter, Dramatiker und Filmemacher, sie die wegweisende Couturierin und Unternehmerin. Beide hatten großen Einfluss auf die Kultur des frühen 20. Jahrhunderts und arbeiteten oft zusammen. Coco Chanel entwarf die Kostüme für eine Handvoll von Cocteaus Filmen und hatte die Skizzen davon in ihrem Apartment in der Rue Cambon 31 in Paris hängen.

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In der Kollektion wurden einige der durchsichtigen Seidenkleider mit den grafischen Mustern bedruckt, für die Cocteau bekannt war und Lederhosen gezeigt, die mit Cocteaus Illustrationen von Sternen handbemalt wurden (der Künstler hat jedes seiner Gemälde mit einem Stern signiert). Zu sehen waren außerdem Waffelstrickpullover mit Friedenstauben und glitzernde Stickereien mit den Motiven von Löwen, Faunen, Kamelen und Sphinxen - alles Tiere, die Virginie in der berühmten Wohnung von Coco Chanel gefunden hat.

Seit Virginie 2019 als Kreativdirektorin die Rolle des verstorbenen Karl Lagerfeld übernommen hat, arbeitet die zurückhaltende Französin leise an ihrer modernen Vision von Chanel und führt den Stil des Hauses damit zu den Anfangsjahren Coco Chanels zurück. Unter ihren wachsamen Augen und mit viel Liebe zum Detail wurden daher überschüssige Stofflagen entfernt und so eine neue Lässigkeit und Verjüngung der Designs geschaffen. Inspiriert von den modischen Frauen der 60er Jahre, die Miniröcke, Go-Go-Stiefel und eine natürliche Art von Schönheit bevorzugten.

Diese Kollektion festigt Virginies Position und Autorität an der Spitze des französischen Modehauses weiter. Ihre Präsenz wird mit jeder Show größer.

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