Mugler rüttelt die Modebranche mit seiner Frühjahr/Sommer Kollektion auf

Während die meisten Labels ihre Kollektion immer noch sechs Monate vor dem eigentlichen Erscheinen präsentieren, beschreitet Mugler neue Wege. Spoiler: Ihr werdet sofort alles haben wollen.

von Mahoro Seward
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15 April 2021, 4:00pm

Wir hatten zwar gedacht, dass wir uns erst im September von unseren entspannten Home-Office-Looks verabschieden, um endlich wieder in ein eng anliegendes Partykleid zu schlüpfen, aber da haben wir uns wohl getäuscht. Es scheint, als würde es schon sehr viel früher wieder sexy werden. Und warum? Wegen der Frühjahr/Sommer 2021 Kollektion von Muglers Kreativdirektor Casey Cadwallader. Unterstützt wird der Film zum zweiten Teil der Kollektion (der erste Drop wurde bereits im Oktober gezeigt) von einem unglaublichen Cast bestehend aus Hunter Schafer, bekannt durch die Erfolgsserie ‚Euphoria’, ‚Pose-Star’ Dominique Jackson und Bella Hadid.

Obwohl die Welt momentan verrückt spielt, hat sich die Mehrheit der Modelabels auch in dieser Saison dazu entschlossen, an der traditionellen Vorgehensweise festzuhalten und Kollektionen bereits sechs Monate vor dem tatsächlichen Erscheinen in den (virtuellen) Shops zu präsentieren. Mugler hingegen beschreitet neue Wege und macht es möglich, die Kollektion ohne zeitliche Verzögerung direkt nach der Präsentation zu kaufen.

Natürlich lässt der Wechsel zum See-now-buy-now-Prinzip Erinnerungen an schnell verworfene Experimente von Burberry und Tom Ford aufkommen, die vor etwa vier Jahren probiert hatten, eine ähnliche Struktur zu etablieren. Doch obwohl damals nicht der gewünschte Erfolg erzielt werden konnte, lohnt sich wohl gerade jetzt ein neuer Versuch, denn wie wir alle wissen, ist seitdem nichts mehr wie es einmal war. Durch die erzwungene Distanz zum Publikum müssen neue Wege gefunden werden, Mode auch ohne Fashion Week kreativ zu inszenieren. Digitale Präsentationen sind daher zur Selbstverständlichkeit geworden und nehmen aktuell den Platz von physischen Schauen ein. Bereits vor dem Ausbruch der Pandemie haben wir „Shows von ganz unterschiedlichen Blickwinkeln aus beobachtet“, erklärt Cadwallader und spielt darauf an, dass sich Fashion Shows durch Instagram-Livestreams immer mehr zu Publikumsereignissen entwickelt haben. Während sie noch vor kurzem nur wenigen Privilegierten zugänglich waren, kann sich nun jeder mit Internetzugang einen Platz in der Front-Row sichern.

Aktuell wird mehr digital geshoppt als jemals zuvor, da es gerade kaum möglich ist, Mode analog zu kaufen. Ob das nun gut oder schlecht ist, viele bekommen durch das schnelle, virtuelle Einkaufsvergnügen einen Kick. „Der Verkauf ist sehr direkt geworden. Es geht ums Verführen, darum Begehren zu wecken. Du siehst ein Kleidungsstück und denkst ‚Ich muss es haben’. Da macht es doch Sinn, dass es auch sofort erhältlich ist“, erklärt Casey.

Und hier sind sie nun, die Kleidungsstücke, die gerade garantiert jeder haben will: Kaum sichtbare Bodysuits aus Nylon, die eins mit der Haut werden und den Körper der Trägerin durch architektonische Linien formen. Lycra übersät mit individuell platzierten, funkelnden Kristallen und spinnennetzartige, asymmetrische Kleider in kirschrot und himmelblau.

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Ergänzt werden diese sinnlich-verführerischen Outfits mit Looks, die getreu der DNA der Marke durch scharfe, starke Schnitte bestechen. Etwa eine halbierte Shirt-Jacke mit überzeichneten Schultern und eng zusammenlaufender Taille und ein Blazer mit nur von Tüll bedeckten Cut-Outs. „Es geht mir darum, mit Gegensätzen zu spielen. Man muss sich nicht immer nur betont weiblich geben, um sexy zu sein. Auch oversized und maskulin kann sehr sexy wirken. Vor allem aber geht es darum, alles mit einer gewissen Lässigkeit rüberzubringen“, meint Casey. Diese Haltung drückt sich auch in den spiralförmig geschnittenen Denim-Stücken aus, die sich an den Körper schmiegen und durch Lycra-Einsatz auch bei der Wahl der Materialien Gegensätze vereinen.

Obwohl es Cadwallader wie kein anderer Modemacher versteht, seine Vorstellungen von multidimensionaler Sexiness in Kleidungsstücke zu übersetzen, liegt es vor allem an den Frauen, die seine Entwürfe tragen, seine Vision zum Leben zu erwecken. Diese Season haben nicht nur einige der aktuell begehrtesten Models in seinem Film mitgewirkt - Bella Hadid, Alek Wek, Irina Shayk und Soo Joo Park - sondern auch mehrere der spannendsten Stimmen aus Kunst, Kultur und Aktivismus. Damit meinen wir Hunter Schafer, Dominique Jackson, Patia Borja und Kembra Pfahler - nur um ein paar Namen zu nennen. „Was alle eint, hat mit ihrem Intellekt zu tun, sie alle sind unabhängig, einfühlsam und zeigen Haltung. In solchen Charakteren sehe ich Schönheit“, erklärt Casey. „Mich kümmert nicht mehr, wie andere Beauty definieren. Für mich geht es um verschiedene Körperformen, unterschiedliche Ethnien und Geschlechteridentitäten. Es geht mir auch darum, Menschen unterschiedlichen Alters zu zeigen. Erst dann wird es spannend. Wenn ein Cast nicht schafft, all das abzubilden, hätte ich das Gefühl, versagt zu haben.“

Mit seinen Looks, dem Cast und der Kraft der gemeinsamen Wirkung, scheint Casey Cadwallader diese Mission eindeutig geglückt zu sein.

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