Warum Leipzig der beste Ort für kreative Experimente ist

Von Drag-Performance bis Tattoo-Kunst: Wir haben bei acht Künstler_innen und Kollektiven nachgefragt.

von Juule Kay
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13 August 2019, 11:50am

Fotos: Cihan Cakmak

In Berlin liegt dir vermeintlich die Welt zu Füßen – auch, wenn die Stadt sie dir vielleicht nicht küsst. Trotzdem finden hier alle ihren Platz, sich selbst oder die eine unvergessliche Partynacht, von der alle reden. Doch Deutschland ist mehr als Berlin. Mehr als Späti-Bier und Exzess.

Schon vor Jahren wurde die Buchstadt Leipzig als das neue Berlin verschrien, der Hype war groß. So groß, dass sich die Presse den mehr oder weniger einfallsreichen Namen Hypezig ausdachte. Doch was hat es wirklich damit auf sich?

Vielleicht liegt es an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst, vielleicht sind es aber auch die neuen, innovativen Plattformen für Clubmusik wie das Balance Club Culture Festival, das 2015 aus dem Institut fuer Zukunft heraus entstanden ist. Es verbindet Clubnächte mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen und Community-Events. "Das Publikum ist durchaus offen für neue Ideen und Formate und gleichzeitig nicht übersättig wie in anderen Großstädten", verrät das Kollektiv im Interview. Der perfekte Ort also für kreative Experimente.

Wir haben bei der lokalen Community nachgefragt, was das Besondere an der Stadt, den Menschen und der Szene ist.

Corinna Brokoe Leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Corinna Weilermann, 24

Welche Geschichte steckt hinter deiner Leidenschaft fürs Tätowieren?
Ich kam vor zwei Jahren nach Leipzig und war auf einer Tattoo-Party. Ein relativ gängiges Ding hier: Leute treffen sich und stechen sich gegenseitig Tattoos. Witzigerweise meinte mein jetziger Freund, ich solle ihm doch auch eines stechen. Das habe ich gemacht und gecheckt, dass mir das viel leichter von der Hand ging, als wenn ich nur für mich selbst gezeichnet habe. Einen Sinn dahinter zu haben, das tut mir gut.

Kannst du in Worte fassen, was Leipzig so schön macht?
Du hast die Möglichkeit, auszurasten, dich krass am Leben zu beteiligen. Du kannst super kreativ, aber genauso auch zurückgezogen sein. Für mich war damals die Option Leipzig oder Berlin und ich glaube, dass mir letzteres zu viel gewesen wäre. Hier sind nachts um fünf viele Straßen einfach leer und das gefällt mir ganz gut.

Wie würdest du die Tattoo-Szene hier beschreiben?
Alle sind sich sehr wohlwollend. Es gibt ein paar bekannte Studios, die den Ton angeben, trotzdem unterstützen sich alle und sind cool miteinander. Auch generell in der Kreativszene: Wenn man von einem Auftrag hört, den man nicht selbst machen kann, dann vermittelt man weiter. Wenn jemand neue Kunst auf Instagram postet, wird sie von vielen geteilt und supportet.

Welchen Tipp würdest du angehenden Tattoo-Artists geben?
Kauf dir von Anfang an eine ordentliche Maschine. Hör auf, mit einer billigen 60-Euro-Maschine von Amazon auf Leuten zu üben. Schau zu und frag so viel du kannst, denn du musst dich nicht schämen. Wir alle haben uns das irgendwie selbst beigebracht und leben auch nur von dem Austausch, den wir haben.

@miss_brokoe

Cihan Cakmak Leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Cihan Cakmak, 26

Wie würdest du selbst deine Fotos beschreiben?
Ich habe zwei Richtungen. Die eine ist sehr im Moment, draufgehalten, Schnappschuss-artig, und in der anderen mache ich bewusstere Kompositionen. Vielleicht sind meine Fotos auch melancholisch, weil die Menschen oft isoliert wirken. Generell arbeite ich sehr intuitiv. Ich komme aus einer Familie, die sehr konservativ ist und wollte mich immer ein bisschen von der Welt abgrenzen, also habe ich angefangen, Bilder in meinem Kopf zu erschaffen. Ich glaube, das war die Neugierde an diesem Anderen; dass ich einfach losziehen wollte, um etwas zu entdecken und festzuhalten.

Wie können wir uns die Kreativszene in Leipzig vorstellen?
Ich bin sehr in der Kunstszene der Hochschule für Grafik und Buchkunst drin, die sehr unterschiedlich von den Disziplinen ist. Und auch sehr politisch, weil sie total vom Stadtbild und der Geschichte geprägt ist. Du triffst viele internationale Leute hier. Trotzdem stehe ich der Szene auch ein bisschen kritisch gegenüber, weil ich sie manchmal zu verkopft finde. Es geht schon viel darum, was die anderen Leute denken. Bisschen mehr Emotionen zuzulassen, täte ihr sicher gut.

Was hältst du von der Aussage, 'Leipzig ist das neue Berlin'?
Ich glaube nicht, dass die Stadt je an Berlin rankommen wird. Einfach weil es von der Größe und der (Migrations-)Geschichte überhaupt nicht in die Richtung gehen kann. Man trifft hier immer wieder die gleichen Leute. Ja, ich verstehe den Gedanken und auch die Idee dahinter, aber ich glaube nicht, dass es irgendwann so sein wird. Es ist schon etwas Eigenes hier.

Erinnerst du dich noch an die letzte Sache, von der du dich inspiriert gefühlt hast?
Das Gemälde 'Iracema' von dem brasilianischen Maler Antonio Parreiras, der sogar am gleichen Tag wie ich Geburtstag hat.

@cihancakmak_

don elektro leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Don Elektro, 33

Was findest du so faszinierend an Digital Art?
Als ich 2013 angefangen habe, gab es noch viele Inhalte und neue Techniken zu erschaffen. Das Thema war damals noch nicht ausgereift und ist es auch heute nicht. Es gibt noch unglaublich viele Bilderwelten zu entwerfen, das fasziniert mich! Ich bin extrem visuell, schon als Kind habe ich gerne Werbung geschaut. Für mich ist es Sinn stiftend, dass ich die Welt, die ich in meinem Kopf habe, auch umsetzen kann.

Wie genau kann man sich das vorstellen?
Ich beschreibe meine Arbeit gerne als Visual Fast Food, weil wir alle auf Instagram rumhängen und uns permanent Bilder anschauen als wäre es Sauerstoff, den wir atmen. Es ist schon ein schnelles Konsumieren von Bildinhalten, ein breites Spektrum an Visualisierungen. Wir hängen alle auf Social Media herum und quatschen mit Leuten, die wir noch nie gesehen haben. Wir sind die Generation, die genau das alles erforschen kann.

Realität und Virtualität nähren sich immer mehr aneinander an. Würdest du sagen, dass Digital Art die Zukunft ist?
Ja und Nein. Digital Art wird sicher immer häufiger zu sehen sein, allerdings glaube ich auch, dass sich gerade durch diese Überpräsenz viele Kreative wieder analogen Techniken hinwenden werden. Es braucht immer einen Ausgleich: Wenn eine Sache zu dominant ist, ist es wichtig und notwendig, dagegen zu steuern.

Was gefällt dir besonders an Leipzig?
Dass wir unglaublich große Parkananlagen haben, die verschiedene Stadtteile miteinander verknüpfen. Es ist auch eine sehr offene, grüne – auch von den Leuten her – Stadt. Nicht so braun wie der Rest von Sachsen.

@don_elektrq

persian-princess-oeuvre
Foto: Cihan Cakmak

Parisa Madani / PSORIASIS

Wie bist du zum Drag gekommen?
Mein Drag-Coming-out war fast gleichzeitig mit meinem Trans-Coming-out. Indem ich mich jeden Tag geschminkt, angezogen und mir Sachen auf den Kopf gesetzt habe, habe ich gemerkt, dass ich meinen Körper verändern möchte. Weil ich mit dem, was mir bei der Geburt gegeben wurde, nicht 100 Prozent zufrieden bin – vor allem nicht mit dem Gender.

Du hast bereits an relevanten Berliner Theater-Institutionen gearbeitet, studierst jetzt in Amsterdam Tanz und Choreographie. Wie nimmst du die deutsche Theaterlandschaft wahr?
Ich konnte Drag mit dem Theater verbinden und dafür sorgen, dass wichtige politische Themen, die mir sehr nahe gehen, auch auf die Bühne kommen. Diese werden oft in deutschen Theatern vernachlässigt, weil meistens Weiße, alte Männer dort arbeiten, die migrantische Geschichten nur mit Weißen Menschen besetzen oder aus ganz anderen Augen erzählen. Das versuche ich zu ändern und neue Strukturen aufzubauen.

Hast du das Gefühl, dass sich über die Jahre hinweg schon etwas verändert hat?
Es verändert sich auf jeden Fall etwas, das sehe ich vor allem, wenn ich junge Theater-Kollektive anschaue. Sie fordern ähnliche Dinge: dass queere Menschen und Personen, die nicht Weiß-deutsch sind, überhaupt Aufmerksamkeit bekommen. Aber ich sehe auch, dass die Strukturen, in denen sie arbeiten und eingeladen werden, noch sehr alt, trocken und langsam sind. Sie fragen leider nicht die richtigen Leute, ob sie bei der Produktion dabei sein wollen, um ihre Stimmen zu fördern.

Du bist für die Drag-Takeover in Leipzig mit dem Oeuvre-Kollektiv verantwortlich. Wofür steht ihr?
Wir, fünf Freund_innen aus Hannover, haben uns zusammengetan, um die Clublandschaft, die Clubkultur in Deutschland zu verändern – sie in Strukturen und einen neuen Habitus zu bringen. Das haben wir sehr viel mit Drag verbunden. Ich wollte, dass sich queere Performance-Künstler_innen, primär of Color, auch in heteronormativen Strukturen ausdrücken und zeigen können. Ich bin sehr stolz und glücklich, ihnen eine Plattform zu geben. Ich habe keinen Bock auf Weiße cis-Dudes hinter den Turntables und auf der Bühne. Das finde ich nicht spannend.

@persianprincis

balance club culture leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Balance Club Culture Festival

Was kann man sich unter dem Balance Club Culture Festival vorstellen?
Mit dem Festival soll eine Plattform für innovative Clubmusik und emanzipatorische Clubkultur etabliert werden, die vor Genregrenzen keinen Halt macht. Es verbindet Clubnächte mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen und Community-Events. Das Team besteht aus sieben jungen Kurator_innen und Booker_innen, die in Leipzig, Berlin und Dresden aktiv sind: Franz Thiem, einer der Gründer des Institut fuer Zukunft, der Journalistin Sarah Ulrich, die feministische Grafikdesignerin Anja Kaiser, die Kuratorin Anna Jehle, Jonas Holfeld vom Leipziger Label PH17 und die Kuratorin des dgtl fmnsm-Festivals, Ulla Heinrich.

Welches Ziel verfolgt ihr damit?
Wir verstehen Clubkultur als gesellschaftlichen Gegenentwurf, als Streben nach gesellschaftspolitischen Veränderungen, als Aneignung von Räumen, die Stärkung von Communitys. Clubkultur ist unserer Ansicht nach nur dann sinnvoll, wenn sie in die Gesellschaft hineinwirkt und politische Veränderungen vorantreibt. Der Club war schon immer ein Ort gesellschaftlicher Innovation, ein Freiraum – Clubkultur ist mittlerweile auch ein Massenphänomen. Wenn wir unsere Räume bewusst gestalten, Line-ups machen, die divers und spannend sind, zusätzliche Diskursräume anbieten, eine Kultur des Caring etablieren, dann ist das nicht nur eine klare Gegenkultur zum kapitalistischen Grundkonsens, sondern wir erreichen damit viele Menschen. Ein wichtiges Anliegen von Balance ist es, die Vernetzung der Musikszene weiter voranzutreiben und neuen Input in die Stadt zu tragen.

Wie würdet ihr die Musikszene in Leipzig beschreiben?
Leipzig ist ein guter Ort für Experimente, das Publikum ist durchaus offen für neue Ideen und Formate und gleichzeitig nicht übersättig wie in anderen Großstädten. Die Musikszene ist relativ überschaubar. In den letzten Jahren haben sich glücklicherweise einige Kollektive herausgebildet, die auch eigene Künstler_innen pushen oder Strukturen schaffen, die Menschen dabei unterstützen, selbst aktiv zu werden wie die Fe*male Ableton User Group, das Wisp-Kollektiv, Feat Fem und die Pracht.

Was bedeutet Community für euch?
Uns interessiert an der Community, verschiedene Szenen mit unseren Fragestellungen zu erreichen und nicht nur in der gleichen Suppe zu verharren: Kunst-/Kulturproduzent_innen, Feminist_innen, Clubkids, Neugierige und Expert_innen zusammenzuführen, neues Wissen zu erproben und im besten Falle zu produzieren. Wir finden es notwendig, die lokale Szene aktiv in das Festival miteinzubeziehen und diese neben internationalen Headlinern gleichwertig zu platzieren. Ein Club fungiert in vielen Fällen wie eine Forschungsstätte für das gesamtgesellschaftliche Zusammenleben, speziell bei Themen wie weiblicher Ermächtigung, Rassismus und racial profiling, Geschlechtsidentität und den Rechten von LGBTQI*-Personen. Der Club ist für uns ein idealer Ort, Gemeinschaft zu befeuern, aber auch kritisch zu befragen.

@balanceclubculture

luke fierce leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Luke Oliver Francis, 24

Du arbeitest seit drei Jahren beim Leipziger Ballett. Wie würdest du das Gefühl beschreiben, wenn du auf der Bühne stehst?
Wenn es sich um die richtige Produktion und Rolle handelt, deine Konzentration und Energie am richtigen Ort sind, das Orchester großartig ist und du die Energie vom Publikum spürst, kann es sich wie eine außerkörperliche Erfahrung anfühlen. Aber das erlebe ich nicht in jeder Aufführung, es ist etwas sehr Seltenes.

Was sollen die Menschen über Balletttänzer wissen?
Viele von ihnen sind schwul, viele queer, das stimmt – wenn auch nicht alle. Wir leben ziemlich frei. Auch wenn die Leute oft annehmen, dass wir nicht rauchen, trinken oder ausgehen. Wir sind Kreative und Künstler_innen, Ballett ist nicht unser einziges Outlet.

Was ist dein kreatives Outlet außerhalb des Balletts?
Ich tanze gerne die ganze Nacht im Club und habe auch eine queere Club Night gegründet in Leipzig, Series Be:. Wir wollen einen Safe Space für jede Person der LGBTQI*-Community schaffen. Wir haben eine Bühne, auf der wir die Leute erstrahlen lassen, sie feiern. Gleichzeitig ist uns auch wichtig, die Menschen zu educaten. Wir veranstalten zum Beispiel auch solidarische Partys für queere Geflüchtete in Leipzig.

Hast du mit Series Be: angefangen, weil du das Gefühl hattest, dass dir etwas in Leipzig gefehlt hat?
Absolut. Leipzig muss offener werden. Auch wenn es das eigentlich schon ist, die Leute sind nur unwissend. Ich habe einen sehr queeren Körper, ich kann sehr femme sein. Leute in Clubs fragen mich dann immer, warum ich einen BH, High Heels oder ein Kleid trage. Ob ich ein Mann oder eine Frau sei? Das eine oder das andere? Sie stellen viele Fragen.

@lukefierce

helen-fares-leipzig
Foto: Cihan Cakmak

Helen Fares, 24

Welchen Bezug hast du zu Leipzig?
Ich bin hier geboren und aufgewachsen, hab hier studiert, meine engste Familie lebt hier. Seit mehr als drei Jahren mache ich den Podcast Homegirls zusammen mit Josi Miller, darin und auch auf meinem Instagram konzentriere ich mich journalistisch auf Musik, gesellschaftspolitische und psychologische Themen. Außerdem bin ich Moderatorin, Formatautorin und studiere Psychologie und BWL.

Was magst du besonders gerne an der Stadt, was fehlt dir?
Ich liebe die Natur in und um Leipzig. Die Flüsse und etlichen Seen, die Wälder. Mir fehlt in Leipzig eine Community von jungen Araber_innen, die sich aktivistisch organisieren, aber auch einfach ähnliche Sozialisierungserfahrungen gemacht haben wie ich, denn solche Begegnungen stärken mich enorm. Dafür wächst und gedeiht gerade die BIPoC-Community und das ist wunderbar.

Du beschäftigst dich viel mit der Hiphop-Kultur. Welches Vorurteil würdest du gerne ein für allemal aufräumen?
Viel wichtiger als Vorurteile über Hiphop finde ich Vorurteile über Menschen, die nicht Weiß sind. Zum Beispiel würde ich gerne das rassistische Vorurteil, dass Araber habgierige, gewalttätige Kriminelle seien, aus der Welt schaffen. Dann hätten wir auch hier in Leipzig einen viel ruhigeren Umgang miteinander im Bezug auf Fluchtthematiken.

Was möchtest du, dass die Menschen über Leipzig wissen?
Leipzig hat – so wie der Rest von Deutschland – ein Rassismusproblem, aber nicht so wie sich die meisten das vorstellen. Der Rassismus ist strukturell und Neonazis sind gut organisiert. Die rennen meiner Erfahrung nach meist nicht mit Naziparolen auf Sächsisch brüllend durch die Straßen. Nein, sie sind bei der Polizei, in den Behörden, unter den Journalist_innen und so weiter. Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen über strukturellen Rassismus informieren und ihren BIPoC-Mitmenschen zur Seite stehen.

Außerdem will ich, dass alle wissen: Diese Stadt ist wunderschön, aber bitte kommt nicht und macht die Orte kaputt, die schon ewig bestehen, indem ihr eure teuren Läden hier eröffnet. Die Stadt lebt von Persönlichkeiten, die hier alles so lebenswert machen.

Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
So cheesy, aber als Erstes fällt mir "Where is the love?" von den Black Eyed Peas ein. Als Zweites würde ich wohl jeden Menschen fragen wollen: "Wie du da gerade mit anderen umgehst, würdest du wollen, dass jemand so mit dir umgeht?"

@helen_fares

lina ehrentraut leipzig

Lina Ehrentraut, 26

Welche Geschichte steckt hinter deiner Liebe zur Illustration?
Eigentlich hat es mit Mangas angefangen, aber mein Stil hat sich schon damals sehr schnell mit etwas Eigenem vermischt. Ich erzähle gerne Geschichten mit meinen Bildern und Zeichnungen: viel über die Darstellung von Frauen. Vor allem in meiner Jugend hatte ich große Probleme damit, wie ich mich selbst als Frau sehen kann, weil ich keine Lust auf das Stereotyp hatte, das in meinem Umfeld existierte. Jetzt bin ich älter und weiß, dass es voll OK ist, so wie ich bin. Mir ist wichtig, zu zeigen, was eine Frau sein kann.

Fühlst du dich durchs Zeichnen empowered?
Auf jeden Fall. Allein das Machen gibt mir unglaublich viel, aber auch es zu veröffentlichen und zu zeigen. Mittlerweile geht's, aber früher war das auf jeden Fall schwieriger, weil es doch etwas sehr Privates ist und man mich in den Bildern auch sehr gut erkennt. Es sind zusammengesetzte Figuren aus Dingen, die ich bei Freundinnen oder Menschen sehe, die mich inspirieren.

Wie würdest du die Szene für Illustration in Leipzig beschreiben?
Ich studiere an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und finde, dass es allein dort – vor allem im Bereich Illustration – eine extreme Bandbreite an unterschiedlichen Stilen gibt. Man merkt, dass die Stadt sehr geprägt ist von Büchern. Parallel zur Buchmesse gibt es The Millionaires Club, ein kostenloses Festival mit Ausstellungen und Ständen.

Was gefällt dir besonders gut an der Stadt?
Du kannst hier relativ einfach eigene Projekte umsetzen, weil du dir umsonst oder zumindest für wenig Geld einen Ausstellungsraum krallen kannst. Ich kann es mir hier leisten, eine Wohnung und ein Atelier zu haben. Etwas, das in anderen Städten undenkbar wäre. Das hat auch zur Folge, dass es hier eine ganz andere Kultur gibt: Leute mit weniger Geld kriegen so eine Plattform. Aber das verändert sich gerade auch. Die Mieten steigen und es gibt immer weniger Freiräume.

@linaehrentraut

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