Fotos: Lloyd Ziff

Die Geschichte hinter den Nacktfotos von Robert Mapplethorpe und Patti Smith

Die bisher unveröffentlichten Bilder von Lloyd Ziff geben einen privaten Einblick in die frühen Tage ihrer legendären Beziehung.

von Ryan White
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18 Oktober 2019, 8:32am

Fotos: Lloyd Ziff

Fotograf Lloyd Ziff hat Robert Mapplethorpe 1964 kennengelernt. Die beiden hatten gerade am Pratt Institute in Brooklyn mit ihrem Studium begonnen, Communication Arts. Obwohl sie während ihrer College-Jahre nie wirklich enge Freunde waren, respektierten sie sich sehr. Kurz nachdem sie ihren Abschluss in der Tasche hatten, suchte Lloyd – der sich mittlerweile in der Fotografie probierte – nach auffälligen Gesichtern, die er ablichten konnte. "Ich hatte nicht weiter über Fotografie nachgedacht, bis mein Mitbewohner mir seine Rolleiflex lieh und zeigte, wie man in unserem Schrank Filme entwickeln kann", sagt Lloyd. "Während meines letzten Semesters an der Pratt belegte ich einen Einführungskurs und mein Professor, Arthur Freed, brachte mir die zwei wichtigsten Lektionen über Fotografie bei, die ich jemals gelernt habe. Erstens: Es geht nicht um das Equipment, sondern um dein Auge. Zweitens: Es ist leicht, ein unvorteilhaftes Bild zu schießen und viel schwerer ein liebevolles."

Das damalige Pärchen Robert und Patti Smith waren beide "schön und intensiv", das "perfekte Motiv", erzählt Lloyd. Er fragte sie, ob er die Zwei in ihrer Wohnung auf der Hall Street shooten könnte, "schnell stimmten sie zu". Obwohl Lloyd nur einen Kontaktbogen verbrauchte – er hatte nur wenig Geld und konnte nicht mehr als eine Rolle Film nutzen – fingen die rauen, körnigen Schwarz-Weiß-Bilder das Paar in einem einfachen, dennoch faszinierendem Stil ein. "Alle, die ich kannte, waren jung, arm und häufig high", erinnert sich Lloyd an diese Ära in New York. "In der Kunstschule und auch danach war die eine Sache, die uns alle verbunden hat, das Verlangen großartige Arbeit zu machen."

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Foto: Lloyd Ziff

Ein Jahr später musste Lloyd nach Manhattan ziehen, in eine Kellerwohnung auf der Charles Street in West Village, während Robert und Patti im berühmten Chelsea Hotel lebten. Robert fragte Lloyd, ob er Nacktbilder von ihm und Patti machen könnte. Zu der Zeit schienen sie noch ein Paar zu sein. Die Fotos sind entstanden bevor Robert zum festen Bestandteil der lokalen Underground-Schwulenbars und Cruising Spots wurde. Lloyd beschreibt Robert zu dieser Zeit als "ruhig, ironisch und ambitioniert". Betrachtet man Lloyds Bilder wird sichtbar, dass die beiden eine klare Vision für die Art von Arbeit hatten, die sie zusammen kreieren wollten. "Ich vermutete, dass sie ein Paar waren, obwohl Robert und ich scheinbar etwas in uns erkannt haben, das sich damals in den Sechzigern niemand von uns beiden eingestehen wollte ... dass wir beide, naja, vielleicht schwul sind. Natürlich könnte ich hier etwas projizieren. Wir haben bis zur Mitte der 70er nicht darüber gesprochen."

Robert verlor sein Interesse an dem Projekt. Die Nacktbilder waren Teil eines animierten Films, in dem die beiden in einem "tantrischen Garten Eden" dargestellt wurden, wie Patti in ihren Memoiren Just Kids schrieb. "Diese Bilder waren die ersten Porträts, die sie als Paar zeigten. Ich glaube, sie haben die Idee genossen zu posieren. Und ich wollte natürlich wunderschöne, starke Porträts von zwei Freund_innen machen, die mich faszinierten", meint Lloyd. In seinem neuen Buch DESIRE zeigt Lloyd beide Shootings zum ersten Mal zusammen in einer Print-Publikation – neben kleinen Erinnerungen an die Zeit. Entstanden ist ein einmaliges Dokument eines Paares an der Schwelle zu zwei der meistverehrtesten Künstler_innen des 20. Jahrhunderts. "Da meine Freundschaft zu Robert bis zu seinem Tod andauerte, habe ich einen Brief beigelegt, den er mir 1975 geschrieben hat", erinnert sich Lloyd. "Ich kann seine Begeisterung teilen, dass er eine Galerie 'dazu gebracht hat', seine Arbeiten in New York auszustellen."

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Foto: Lloyd Ziff

Nachdem Robert verstorben ist, verlor Lloyd Patti aus den Augen. "Ich habe sie bei ihren Lesungen und Performances gesehen", sagt er. Doch als sie an ihren Memoiren Just Kids arbeitete, suchte Patti den Kontakt zu Lloyd, da sie gerne seine Bilder nutzen wollte. "Sie rief mich 2009 an, um zu fragen, ob sie ein paar der Hall-Street-Porträts veröffentlichen könne. Natürlich war ich glücklich und fühlte mich geehrt 'ja' zu sagen. 2018 rief sie mich nochmal an und fragte, ob sie eine der Nacktaufnahmen von Robert in der Neuauflage zeigen dürfe. Und wieder war ich froh darüber, ihr einen Gefallen zu tun."

"Mehr als 40 Jahre lang habe ich rein gar nichts mit diesen Fotografien angestellt. Seitdem Patti über sie geschrieben hat, entschied ich, dass sie vielleicht doch in die Welt herausgelassen werden könnten. Die Danziger Gallery in New York City hat mir 2013 eine kleine Show angeboten. Wegen dieser Ausstellung fragte mich der englische Herausgeber Nick Groarke, ob wir ein Buch machen wollen", meint Lloyd. "Meine frühen Fotos habe ich niemals als großartige Kunst angesehen. Ich lernte gerade erst Schönheit zu sehen und auf sie zu reagieren. Doch sind sie – genau wie alle anderen Fotos – das Dokument einer bestimmten Zeit, eines bestimmten Moments. Nachdem über 50 Jahre vergangen sind, wurden sie zum Dokument einer Phase zwei unserer größten Künstler_innen, als sie sehr jung, sehr schön und sehr ambitioniert waren."

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Foto: Lloyd Ziff
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Foto: Lloyd Ziff
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