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5 neue lgbtq-filme, die absolut sehenswert sind

Eine Tom of Finland-Filmbiografie, ein Kurzdokumentarfilm, der die moderne queere Kultur in Mississippi thematisiert und ein chinesischer lesbischer Horrorfilm sind nur ein paar wenige Beispiele des LGBT+-Filmangebotes beim diesjährigen Tribeca Film...

von Emily Manning
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27 April 2017, 7:40pm

still from 'Two Sentence Horror Stories: Ma'

Es ist kein Geheimnis, dass der Film nicht gerade das fortschrittlichste Medium in der Kreativbranche ist (man denke nur an #OscarsSoWhite, das geschlechtsspezifische Lohngefälle oder die Tatsache, dass noch nie ein offen als queer geouteter Schauspieler einen Oscar gewonnen hat). Doch es geht mit großen Schritten in die richtige Richtung — einer der größeren war beispielsweise Moonlight —, und welcher Ort eignet sich besser für weitere Schritte als New York City?

Beim diesjährigen Tribeca Film Festival gab es einige tolle LGBT+-Filme zu sehen, die von Dokumentarfilm über Musical bis Horrorfilm zahlreiche Genres bedient haben. Manche der Projekte spielen sich in den New Yorker Vierteln ab, in denen queere Pioniere jahrzehntelang für ihre Sache gekämpft haben. Hier stellen wir euch fünf LGBT+-Filme vor, die du auf gar keinen Fall verpassen solltest. 

The Life and Death of Marsha P. Johnson
Anfang des Jahres hat die Schauspielerin Hari Nef auf einer Solidaritätskundgebung eine unerwartete und bewegende Rede im historischen Stonewall Inn gehalten. „Transfrauen — und vor allem Transfrauen of Colour — sind die Mütter der LGBT-Bewegung", sagte sie vor Tausenden von Leuten. „Ich habe gehört, dass Marsha P. Johnson, eine schwarze Transfrau, damals hier in Stonewall den ersten Stein geworfen haben soll." Angeführt von David France - dem Oscar-nominierten Regisseur von How to Survive a Plague setzt sich der neue Dokumentarfilm mit Johnsons Leben und ihrer Rolle als wegweisende Aktivistin und selbsternannte „Street Queen" auseinander. Zusammen mit ihrer Trans-Kollegin Sylvia Rivera hatte Johnson Street Transgender Action Revolutionaries (S.T.A.R.) gegründet, eine Direct-Action-Gruppe, die in den 1970er Jahren im New Yorker Stadtteil Greenwich Village gewirkt hat. Der Film feiert nicht nur ihr Leben, er untersucht auch die mysteriösen Umstände ihres bis heute ungeklärten Todes. 1992 wurde ihre Leiche im Hudson River gefunden; und seitdem versuchen ihre Freunde und Verbündeten, die Wahrheit aufzudecken. Frances Film begleitet eine der Aktivistinnen, Victoria Cruz, auf ihrer Mission, Johnson Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. 

Tom of Finland
Viele von uns kennen die meisterhaften Bleistiftzeichnungen des finnischen Künstlers von knapp bekleideten, gut bestückten Bikern, Matrosen, Cowboys und Holzfällern. Diese unverwechselbaren, homoerotischen Illustrationen sind 1957 das erste Mal in einer Ausgabe der Physique Pictorial aufgetaucht, die von Bob Mizer herausgegeben wurde. Nach einer Entscheidung des oberen Gerichts, durch die die US-amerikanischen Zensur-Bestimmungen gelockert wurden, gewannen Toms Kunstwerke extrem an Beliebtheit. Aber was genau wissen wir eigentlich sonst noch über den Mann hinter diesen ikonischen Bildern? Eine neue Filmbiografie erkundet das Leben von Touko Laaksonen, dem Sohn eines finnischen Lehrers, der 1939 nach Helsinki gezogen ist und im folgenden Jahr zur finnischen Armee eingezogen wurde, um im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Der Film zeigt, wie das Kriegstrauma und das Trauma, seine Homosexualität verstecken zu müssen, zu dem Medium geführt haben, das Laaksonen Freiheit geben sollte: seinen Zeichnungen.  

Two Sentence Horror Stories: Ma
Ma, eine Folge der digitalen Serie Two Sentence Horror Stories, wurde im Rahmen der „Out of this World: Female Filmmakers in Genre"-Reihe auf dem Festival gezeigt. Two Sentence Horror Stories: Ma befasst sich mit einem eingehend untersuchten Thema in Horrorfilmen: Der Mutter-Tochter-Beziehung. „Wie in vielen traditionellen chinesischen Familien lebt Mona immer noch bei ihrer strengen aber liebevollen Mutter. Als sie die süße Erica kennenlernt, erweckt die Begegnung etwas tief in ihrem Inneren. Doch Ma wird ihre Tochter nicht einfach so gehen lassen. Der Film ist Teil von Two Sentence Horror Stories, einer Serie mit einem digitalen Touch: sie ist von viraler Fan-Fiction über kurze Gruselgeschichten inspiriert. „Die Two Sentence Horror Stories-Serie ist eine Erweiterung meiner Leidenschaft für Horrorfilme als Genre, das es uns erlaubt, gesellschaftliche Themen auf besondere Weise zu erforschen", sagt Vera Mia, die Drehbuchautorin und Regisseurin von Ma. „Ma ist eine klassische Geschichte über die Mutter-Tochter-Beziehung und die verbotene Liebe, die aber mit unterschiedlichen Charakteren und Perspektiven ausgestattet wurde, die man sonst in solchen Filmen nicht sieht."

New Deep South
Eine Folge der Webserie New Deep South, die sich mit der Entwicklung queerer Kultur und dem Alltag schwuler Leute in den Südstaaten der USA auseinandersetzt, wurde im Rahmen des Tribeca N.O.W gezeigt, das Werke präsentiert, die für den digitalen Raum erschaffen wurden. „Das Mississippi Delta ist einer der härtesten Orte der USA, ein Gebiet, das historisch stark geprägt, landschaftlich stark abgegrenzt und von Mais-, Baumwoll und Sojabohnenfelfern umgeben ist", haben die Mitgestalter Rosie Haber und Lauren Cioffi der Huffington Post erzählt. Die Serie beleuchtet, wie eine neue Generation queerer Jugendlicher gegen die traditionellen Überzeugungen des konservativen Staates ankämpft. 

Saturday Church
Dieser Musikfilm hat beim Tribeca Feature Narrative Weltpremiere gefeiert. Saturday Church, der von Damon Cardasis geschrieben wurde, begleitet den 14-jährigen Ulysses, der in New York City mit seinem Glauben und seiner Geschlechtsidentität zurechtkommen muss. Unter dem strengen Blick seiner Tante Rose (seine alleinerziehende Mutter arbeitet sehr viel) beginnt Ulysses, seine Identität und Sexualität zu erkunden. Nach einem Streit mit Rose flieht er nach Greenwich Village, wo er — wie schon so viele vor ihm — seinesgleichen findet und die Freiheit, sich selbst auszudrücken. Der 17-jährige Schauspieler Luka Kain hat mit dem starken Charakter von Ulysses in dieser besonderen New Yorker Coming-of-Age-Story seine Durchbruchrolle.

Credits


Text: Emily Manning
Alle Standbilder mit freundlicher Genehmigung des Tribeca Film Festival