Mehr Liebe statt Geld: Diesen kreativen Berlinern ist die Zukunft nicht egal

Von wegen Generation "Gleichgültig" – die junge Generation schaut der Welt längst nicht tatenlos zu. Während die Rechte in Deutschland immer sichtbarer wird, steht diese Generation dagegen auf und nimmt die Dinge selbst in die Hand.

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03 Juni 2016, 11:20am

Moritz, 23

Wer bist du und was machst du? Mein Name ist Moritz Tibes. Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Berlin und studiere Visuelle Kommunikation im zweiten Semester an der Universität der Künste Berlin. Nebenbei arbeite ich als Gestalter und Grafikdesigner für den unabhängigen Verlag LOST iN. Was hältst du von Grenzen zwischen Ländern? Da ich einige Zeit außerhalb Europas gelebt und gearbeitet habe, bin ich sehr dankbar für die (zum Großteil) sehr offenen europäischen Grenzregulierungen geworden. Dass ich ein Visum brauche, um internationale Freunde zu besuchen, oder befreundete Pärchen dazu gezwungen sind, eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu beantragen, damit beide im gleichen Land leben zu können – das lässt mich von einer Welt, die offener und vereinter ist, träumen. Besonders in der heutigen Zeit, in der flüchtenden Menschen immer wieder der Zugang zu einem sicheren und gewaltfreien Leben verwehrt wird. Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Hoffentlich frei von Vorurteilen. In Deutschland werden rechtspopulistische Parteien wie die AfD immer stärker. Wie empfindest du das? Beängstigend, traurig und ernüchternd. Was kann unsere Generation besser machen? Ich glaube, dass Aufklärung und Informationszugang am wichtigsten sind. Die jüngeren Generationen mit so viel, wie es nur geht, Kontext und Hintergrund füllen, um sie davon abzuhalten, voreingenommen und meinungslos zu bleiben. Transparenz und ein Reichtum an Perspektiven und Blickwinkeln können Wunder wirken. Jeder in unserer Generation sollte versuchen, etwas in seinem Umfeld und innerhalb seiner Möglichkeiten zu diesem Thema zu bewirken. Was würdest du am liebsten an unserer Gesellschaft verändern? Ich schätze mich sehr glücklich, in einer weltoffenen und freien Stadt wie Berlin groß geworden zu sein. Ich hoffe, andere Städte und Gesellschaften entwickeln sich auch in diese Richtung. Niemand sollte sich wegen seiner Herkunft oder Sexualität bedroht fühlen müssen. Ich wünsche mir eine Welt, in der junge queere Menschen nicht mehr das Gefühl haben, sich selbst verstecken oder zurücknehmen zu müssen und auch der Akt des Coming-outs unnötig wird, da Sexualität von vornherein nicht als etwas angesehen werden sollte, dass man speziell erläutern oder deklarieren muss. Es macht mich traurig, zu wissen, wie viele Kinder und Jugendliche wegen dieser Themen unter enormem gesellschaftlichen Druck leiden. Wie trägst du zur Verbesserung bei? Ich versuche, mithilfe meiner Arbeit Einfluss zu nehmen und meinen kreativen Output zu nutzen, um Offenheit und Verständnis wachsen zu lassen.

@moritztibes

Sarah, 30

Wer bist du und was machst du? Ich bin Sarah und lebe seit vier Jahren in Berlin. Was hältst du von Grenzen zwischen Ländern? Interessante Frage. Ich glaube, eine Welt ohne Grenzen würde auch die Grenzen in den Köpfen vieler Menschen abschaffen. Dadurch gäbe es wahrscheinlich weniger Kriege, weniger Habgier und mehr Freizügigkeit – was für mich eines der wichtigsten Rechte des Menschen ist. Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Abgespact – so viel steht fest . In Deutschland werden rechtspopulistische Parteien wie die AfD immer stärker. Wie empfindest du das? Peinlich. Für mich sind die Leute an der Spitze solcher Parteien bösartige Menschen, welche die Dummheit oder Charakterschwäche anderer ausnutzen, um sich selbst zu profilieren. Was kann unsere Generation besser machen? Weniger Zukunftsangst haben und mehr auf das Herz hören. Was würdest du am liebsten an unserer Gesellschaft verändern? Ich würde gerne für mehr Chancengleichheit sorgen. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwachen Familien haben nicht die gleichen Möglichkeiten wie andere. Wie trägst du zur Verbesserung bei? Ich versuche, vor allem für meinen jüngsten Bruder ein gutes Vorbild zu sein, und das nicht nur auf moralischer und ethischer Ebene. Es ist wichtig, dass junge Menschen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln und sich nicht zu sehr durch andere oder Social Media negativ beeinflussen lassen.

Roman, 25

Wer bist du und was machst du? Ich bin 25 und studiere Audiokommunikation im Master in Berlin. Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Ich kann mir darauf keine Antwort vorstellen, die nicht trivialisierend wäre. In Deutschland werden rechtspopulistische Parteien wie die AfD immer stärker. Wie empfindest du das? Problematisch. Was kann unsere Generation besser machen? Mehr zu hinterfragen, wäre ein guter Anfang.

@reflektor.xyz

Hannah, 24

Wer bist du und was machst du? Ich bin Hannah, Videokünstlerin und studiere im Moment Kunst und Medien an der Universität der Künste Berlin. Ich koche in der Cafeteria in unserer Uni, tanze sehr gerne ungesehen in meinen vier Wänden nur für mich und lerne gerade, mit Pure Data Musik zu machen. Was hältst du von Grenzen zwischen Ländern? Nicht viel. Ich denke, es ist wichtig, zu wissen, woher man kommt. Damit meine ich aber die Familie und nicht den Staat. Eine Grenze impliziert irgendwie immer ein Limit, oder man könnte auch sagen eine Hürde, deren Überwindung verletzend ist. Und das ist doch Quatsch – wir wollen uns ja nicht gegenseitig verletzen, sondern bereichern und inspirieren, oder? Ohne Grenzen wäre es auch richtig schwer, einen Krieg anzuzetteln … In Deutschland werden rechtspopulistische Parteien wie die AfD immer stärker. Wie empfindest du das? Irgendwie kommt es mir so vor, als wäre es eine logische Konsequenz aus der Politik der letzten Jahre: unsere Bildung wird nämlich richtig fies vernachlässigt. Und ich fühle mich, ehrlich gesagt, hilflos gegenüber einer solchen Bewegung, die sich nicht einmal einer fairen Diskussionskultur bedient. Was kann unsere Generation besser machen? Das kann man schwer in ein paar Sätzen fassen, oder? Mehr Austausch über Emotionen, Schwächen zugeben und somit überwinden. Augen offenhalten und Ausschau halten, wo man mit anpacken kann. Sich der eigenen politischen Macht in jeder Handlung bewusst sein. Was würdest du am liebsten an unserer Gesellschaft verändern? Ich würde mir mehr Motivation wünschen, selbst Entscheidungen zu treffen und zu tragen. Wir brauchen wieder mehr Bezug zu den Dingen, die uns umgeben. Wir können uns ja beispielsweise in kleineren Gruppen organisieren. Das fängt schon in der Nachbarschaft an, mit der man Haushaltsgeräte teilt, um nicht alles doppelt zu haben.

@hannahrumstedt

Louisa, 23

Wer bist du und was machst du? Ich bin Louisa, Fotografin. Was hältst du von Grenzen zwischen Ländern? Ich glaube, Grenzen sind Relikte einer Zeit, der wir entwachsen sind. Sie sind in der Vergangenheit geschmiedete Rahmen. Dämme, die den natürlichen Fluss unterbrechen. Wie wird die Welt in 100 Jahren aussehen? Ich versuche, die Unvorhersehbarkeit der Zukunft angesichts der sich rapide wandelnden Welt zu akzeptieren und besinne mich aufs Jetzt. Substanz liegt für mich nur im Moment. In Deutschland werden rechtspopulistische Parteien wie die AfD immer stärker. Wie empfindest du das? Es herrscht eine Energie für Veränderung. Das ist gut. Es liegt an uns, diese Energie zu lenken und Begegnungen zu schaffen. Ich bin überzeugt, dass jede Welle von rechts eine größere Welle von links hervorruft. Menschen verstehen, was sie wollen, in dem sie sehen, was sie nicht wollen. Was kann unsere Generation besser machen?Gewohnheiten hinterfragen. In jeder Begegnung mit dem Fremden liegt Kraft für Erkenntnis und inneres Wachstum. Was würdest du am liebsten an unserer Gesellschaft verändern? Liebe statt Geld. Sie macht uns eins und ist unerschöpflich. Wie trägst du zur Verbesserung bei? Ich vertraue auf das Gute in jedem Menschen und die Suche danach. Die Fotografie ist meine Manifestierung des Reinen und Sinnlichen im Leben. Ich versuche, Spiegel zu errichten – dort wo, meines Erachtens nach, viel zu wenig reflektiert wird.

@louisastickelbruck