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fünf bücher, die du bei liebeskummer lesen solltest

Dir wurde das Herz gebrochen? Du hast dich unglücklich verliebt, obwohl du fest vorhattest, dass dir das nie wieder passiert? Wir sagen dir was: Es wird dir noch mal passieren. Aber wir sagen dir noch was: Wir haben die passende Lektüre für dich...

von Kai Hilbert
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18 Mai 2016, 2:00pm

Der Schaum der Tage, Boris Vian
Der reiche Colin lebt das Leben eines exzentrischen Lebemannes, der sich in einem Fluss aus ausschweifenden Partys, exquisitem Essen, exklusiven Zerstreuungen und der Musik des Jazz-Großmeisters Duke Ellington treiben lässt. Doch trotz aller Dekadenz: Etwas fehlt. Etwas, das sich gegen kein Vermögen der Welt aufwiegen lässt. Auf einem rauschenden Geburtstagsfest lernt er die schöne Chloé kennen, die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Doch das junge Glück wähnt sich nicht lange in unbeschwerter Zweisamkeit. Auf der kurz darauf stattfindenden Hochzeitsreise verspürt Chloé plötzlich einen Schmerz in der Brust. Die Ärzte diagnostizieren eine seltene Krankheit: In ihrem Lungenflügel wächst eine Seerose heran, deren Wachstum nur durch den Duft anderer Blumen gestoppt werden kann. Colin setzt alles daran, seine Geliebte zu retten. Er sucht sich Arbeit, um die enormen Kosten für ärztliche Diagnosen und die immer zu schnell welkenden Blumen begleichen zu können. Er nimmt einen gut bezahlten Job als Überbringer schlechter Nachrichten an. Doch eines Tages findet er seinen eigenen Namen auf einer seiner Listen...
Der Schaum der Tage aus dem Jahr 1947 ist ein surrealistischer Trip, voll fantastischer Ideen und bittersüßer Poesie. Herzzerreißend, verträumt und grotesk zugleich wird der liebeskranke Leser in eine Welt entführt, die unserer näher ist, als jede theoretische Abhandlung über Liebeskummer es jemals sein könnte.

Vom Ende der Einsamkeit, Benedict Wells
Der Titel allein sollte schon Musik in den Ohren jener sein, die an Herzschmerz leiden. Jules ist ein glückliches Kind. Er, seine beiden Geschwister und seine Eltern sind eine glückliche Familie, die ein glückliches Leben lebt. Bis zu dem Tag, an dem die Eltern bei einem Autounfall tödlich verunglücken. Die drei jungen Waisen werden auf ein Internat geschickt, wo sich der einst so lebensfrohe und nun immer introvertiertere Jules in die rothaarige Alva verliebt. Gemeinsam werden Jules und Alva älter, kommen in ihre Teenie-Jahre, ohne dass Jules seinen Gefühlen jemals wirklich Ausdruck verleihen kann. Sie verlieren sich aus den Augen, doch nicht aus dem Sinn. Jules kann Alva auch Jahre nach der Schulzeit einfach nicht vergessen. Über Umwege finden die beiden schließlich wieder zueinander—erwachsen, gereift. Alva ist mittlerweile mit einem bekannten Schriftsteller verheiratet, doch dieses Mal lässt Jules nicht locker.
Vom Ende der Einsamkeit ist viel mehr als einfach nur ein Liebesroman, es ist eine Lebensroman, der eine der schönsten Liebesgeschichten der jüngeren Literatur ins sich trägt. Man kommt nicht umhin: Ebenso wie Jules verliebt man sich hemmungslos in die mysteriös anmutende Alva. Getragen von sanfter Melancholie, die nicht in Pathos abrutscht, behandelt der junge Autor Benedict Wells in diesem Roman die großen Fragen des Lebens mit erstaunlicher Leichtigkeit: Leben und Tod, Erinnerung und Vergessen, Verlust und Bewältigung—und nicht zuletzt: die große Liebe.

Zwölf Mal Juli, Astrid Rosenfeld
J + J. Jakob plus Juli. Einst klangen diese beiden Namen in Kombination wie Schicksal, wie ein Versprechen, wie ein Für-Immer-Und-Ewig. Doch dann verschwindet Jakob. Ohne eine Nachricht, ohne eine Begründung, ohne ein Lebewohl. Jakob bricht Juli das Herz und Juli kann nie wirklich mit Jakob abschließen, denn er hat ihr nie die Chance dazu gelassen. Doch sie lebt weiter. Was bleibt einem sonst auch übrig? Mehr schlecht als recht schlägt sich die junge Autorin durchs Leben, bis sie eines Tages eine E-Mail erhält: „Liebe Juli, ich komme in zwölf Tagen. Bist du da? Jakob". In diesen zwölf Tagen trifft Juli auf zwölf Menschen, die unterschiedlicher und skurriler kaum sein könnten. Zwölf Begegnungen, die uns die eigenwillige Juli nahebringen, ihr chaotisches Leben, ihre Schaffenskrise, ihren tiefen Kummer. Zwölf Begegnungen, in denen Juli versucht sich wiederzufinden, zu ergründen wie man weiterlebt, nachdem einem das Herz gebrochen, der Boden unter den Füßen weggezogen, Träume zunichte gemacht wurden—und: wie man lernt, abermals zu träumen.
Astrid Rosenfeld präsentiert uns einen wunderschön komponierten kleinen Roman, der leichtfüßig Tragik mit subtilem Humor miteinander verbindet, ohne dabei altklug zu wirken. Jeder von uns ist ein bisschen Juli. Und jeder von uns hat einen Jakob. Oder zwei. Oder drei.

Wiedersehen in Paris, Albena Dimitrova
Eine amour fou im Bulgarien der späten achtziger Jahre. Alba ist jung, geht noch noch zur Schule und zweimal in der Woche zum Putzen, um ihr Taschengeld etwas aufzubessern. Guéo hingegen ist hochrangiges Mitglied der Partei, verheiratet und hat die bessere Hälfte seines Lebens längst hinter sich. Zwischen den beiden entbrennt eine leidenschaftliche, eine verbotene Liebe. Zugleich arbeitet Guéo, der den Zusammenbruch des von Dekadenz durchsetzen Kommunismus voraussieht im Geheimen an einem Reformpapier. Das wiederum ruft den Geheimdienst auf den Plan. Die beiden ungleichen Liebenden begeben sich auf eine Flucht, die von Sofia ans Schwarze Meer und von dort aus nach Damaskus führen soll. Doch es kommt anders.
Gemeinsam mit der mal schrecklich naiven, mal für ihr Alter bemerkenswert abgeklärt wirkenden Alba durchleben wir die adrenalin-geladenen Höhenflüge der großen Liebe, ebenso wie die tiefen Stürze, die ein jeder Höhenflug in sich bergen kann. Wiedersehen in Paris präsentiert neben der jungen Alba eine zweite Romanheldin: eine Sprache von poetischer Wucht.

Nichts als Gespenster, Judith Herrmann
„Kurzgeschichten sind gut bei Liebeskummer", sagt eine Freundin zu mir „Im schlimmsten Fall sind auch diese schnell wieder vorbei". Recht hat sie. Glücklicherweise versammelt die Autorin Judith Herrmann in Nichts als Gespenster sieben hervorragende Erzählungen,die rund um den Globus angesiedelt sind—schließlich ist Liebeskummer auch ein Phänomen, das sich global beobachten lässt. Es geht nach Prag, Venedig, Karlsbad, Norwegen, Island, Nevada... Es geht um Jonina und Magnus, Owen und Sikka, Ruth und Raoul. Es geht um Paare, deren Beziehung an einem Scheideweg, auf der Kippe oder sich selbst im Weg stehen, Beziehungen die in der Schwebe hängen, deren Status ungeklärt ist. Irgendwo zwischen A und B, hier und dort, jetzt und später. Dem Leser werden keine Lösungen auf dem Silbertablett serviert, im Gegenteil. Die Antworten liegen zwischen den Zeilen, im Subtext, im Ungesagten. Das Buch lebt von der Stimmung, von in Alltagssituationen eingebetteter Melancholie, von Herrmanns distanzierter Sprache. Liebeskummer ist wie ein Nebel, der sich auf uns niederlässt „und wenn der Nebel sich lichtet, dann wird da etwas anderes sein, etwas Fremdes und Neues".

Credits


Einleitung: Lisa Leinen
Text: Kai Hilbert 
Foto: Lisa Leinen