„scheiß auf alles“: die skaterboys in neuseeland haben's verstanden

Schlechtes Wetter, die Chance, tagelang keine Menschenseele zu sehen, und die Abgeschiedenheit vom Rest der Welt – all das macht Neuseeland zum Paradies für jeden Skateboarder. Die intime Szene hat ausreichend Raum, sich immer wieder neue Spots zu...

von i-D Staff
|
31 Mai 2016, 2:15pm

Ayrton Boot, Auckland

Wie alt warst du, als du mit dem Skateboarden angefangen hast?
Mit 12 Jahren habe ich mein erstes Brett bekommen, davor bin ich Motorrad gefahren. Ich war eins dieser verrückten Kinder, die überall herum gesprungen sind. Und irgendwann habe ich mir ein Skateboard unter die Füße gesteckt.

Wer sind deine Vorbilder?
Ich bin schon immer ein großer Fan von Stay Gold gewesen, vor allem von Bryan Herman—das ist mein Lieblings-Dude. Shane Cross und Louie Lopez von Flip zählen immer noch zu meinen großen Inspirationen.

Denkst du, dass du eine andere Person wärst, wenn du nicht skateboarden würdest?
Ja, auf jeden Fall! Ich habe das Gefühl, dass sich mein Leben dadurch allein in den letzten zwei Jahren total verändert hat. Ich beschäftige mich jetzt die meiste Zeit nur noch mit Sachen, die mich glücklich machen, ganz besonders skateboarden.

Wo würdest du am liebsten skateboarden?
China, Europa, Japan, Australien und auf irgendwelche belebten Inseln.

@bootlaced

Sean Bone, Auckland

Wie sieht dein Tag so aus?
Ich bin gerade aus Orewa hergezogen, das liegt nördlich von Auckland. Meine Tage bis jetzt waren ziemlich entspannt. Normalerweise beinhaltet die erste Hälfte meines Tages eine große Menge Kaffee und Zigaretten, während ich ein paar Leute zusammentrommle, um rauszugehen. Dann skateboarden wir den ganzen Tag bis zum Sonnenuntergang und organisieren ein paar Sachen, um irgendwie über die Runden zu kommen. 

Hast du einen Lieblingsort zum Grinden?
Browns Bay Zoo, aka BBZ.

Wer beeinflusst dich?
Er hasst mich jetzt bestimmt, wenn er das liest, aber eigentlich Kayle Lawson. Er ist ein paar Jahre älter als wir und war früher auch immer in Browns Bay, jetzt ist er in Melbourne. Auf seiner Trickliste stehen teilweise die härtesten Tricks überhaupt. Wenn ich Tricks stehe, muss ich immer daran denken, dass er die schon vor fünf Jahren zweimal so hoch schaffte. Außerdem bügelt der Typ sogar jedes Mal sein Hemd, bevor er es trägt—was soll man da noch sagen?

Was machst du noch?
Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich stehe extrem auf Kaffee. Gerade habe ich aufgehört, in einer Kaffeerösterei zu arbeiten. Leider hatte ich dort einfach keine Zeit für die Sachen, die ich machen wollte. Jetzt bin ich wieder Barista und das gibt mir ein bisschen mehr Freiraum fürs Skateboarden.

Wie hat dich das Skateboarden beeinflusst?
Gäbe es das nicht, wäre ich jetzt wahrscheinlich irgendein Rugbyspieler, der die ganze Woche nur spielt und am Wochenende zu Hause ist. Durchs Skateboarden lernst du: „Scheiß auf alles". Warum sollte ich was machen, was die Gesellschaft als normal und cool empfindet? Ich denke außerdem, dass es dir hilft, nicht übermütig oder unerträglich zu werden.

@sean.bone

Jack Fagan, Wellington

Wie bist du zum Skatenboarden gekommen?
Mein Bruder stand da total drauf. Er hatte Opinion von Globe auf Video, da war ich 10 Jahre alt. Ich fand die Skater damals unglaublich cool. Anfang 2000 habe ich selbst damit angefangen.

Wer sind deine Vorbilder?
Hier vor Ort vermutlich die ältere Generation wie Fred Shallcrass, Glenn Wignall, Bernie Foo, Tom Snape und Geoff Campbell. Die Szene in Melbourne ist super, obwohl sie leider gerade einen ihrer besten Spots verloren haben.

Sind Kiwi-Skaterboarder anders?
Die australischen und neuseeländischen Skateboardszenen sind ziemlich eng vernetzt, aber trotzdem sind wir ein bisschen isolierter. Wir haben hier oft schlechtes Wetter und die Spots sind auch ziemlich rough, aber ich habe das Gefühl, dass Wellington San Francisco, New York oder Barcelona ähnlich ist—nur ein bisschen kompakter.

Wie hat dich das Skatenboarden beeinflusst?
Ohne Skateboarden wäre ich nicht der, der ich heute bin. Mein Leben dreht sich um ein unnützes Spielzeug aus Holz und es macht mich trotzdem permanent glücklich.

@jackfagan

Chase Collins, Whangaparāoa

Wie bist du zum Skatenboarden gekommen?
Ich habe nach der Grundschule damit angefangen. Eigentlich wollte ich unbedingt ein neues Paar Inline-Skates, aber Santa schenkte mir stattdessen ein Skateboard. Nachdem ich aufgehört hatte, deshalb rumzuheulen, habe ich das Geschenk ausgepackt und habe losgelegt.

Welchen Skaterboardern folgst du?
Andrew Reynolds ist der Boss, Stay Gold ist der Beweis dafür. John Cardiel auch, man muss sich nur Sight Unseen anschauen. Lokal gesehen: einfach alle Kumpels, mit denen ich regelmäßig abhänge. Es gibt hier eine Menge sehr talentierter Leute.

Was unterscheidet neuseeländische Skateboarder von anderen?
Die Tatsache, dass unsere Community hier nicht so groß ist. Eigentlich kannst du hier praktisch alles in einen Skatepark verwandeln. Überall triffst du Leute, die du kennst.

Wie hat dich das Skatenboarden geprägt?
Ich bin so dankbar dafür, dass ich mit dem Skateboarden angefangen habe. Es hat mir super Musik näher gebracht und ich wäre dem vermutlich nie so verfallen, hätte ich nicht die ganzen Videos geschaut, als ich klein war. Auch was meine Kleidung betrifft: Ich bin mir mehr als sicher, dass, wenn ich nicht dem Skateboarden angefangen hätte, würde ich jetzt die Zespy Drop-Crop-Hose, ein Drop-Tail-T-Shirt und dazu Sneaker tragen, ohne das überhaupt zu hinterfragen. Ich wäre sicherlich der Sportler geworden, den man in der Schule hasst. 

@chase__collins

Josh Gasson, Wellington

Wer sind deine Vorbilder?
Lokale Skateboarder wie Sam Mills, der es jedes Mal ordentlich krachen lässt. Er hat die richtige Einstellung—70 Prozent Sinking, 30 Prozent Tricks.

Wie verbringst du sonst deine Zeit?
Eigentlich vor allem damit, mir neue Tricks auszudenken, oder bei jemandem abzuhängen und dort zu trinken. Oder einfach beides gleichzeitig.

Was hast du durch das Skateboarden gelernt?
Don't take no shit and always roast.

@lurk3rl0u

Credits


Fotos: Imogen Wilson

Tagged:
skateboarder
Neuseeland
Kultur
skater
imogen wilson
skateboardkultur
skateboardszene