„ich kann mich nicht mehr an die zeit ohne internet erinnern."

Letztes Jahr hat uns der Künstler Paul Kneale erklärt, dass wir in der Post-Art-Internet-Zeit leben. Entgegen dieser Schnelllebigkeit, eröffnet er jetzt zusammen mit einem Freund eine IRL-Ausstellung in der Schweiz.

von Lisa Leinen
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29 Juli 2016, 9:08am

Marc Asekhame

Bereits letztes Jahr haben wir mit dem kanadischen Künstler Paul Kneale über den Begriff Post-Art-Internet geredet und uns erklären lassen, dass alles, was wir heutzutage Kunst nennen, eine historische Periode beschreibt, die Paul von der Antike bis in die 2010er Jahre definiert. So sehr ihn die weite Welt des Internets inspiriert und fasziniert, richtig spannend werde es erst, wenn man beginnt, die Dinge aus ihrem gewohnten Kontext zu nehmen und sie miteinander zu verknüpfen. Digitale Welt trifft auf altbewährtes, Fiktion 2.0 auf Realität. So erzählt Paul, wie er die Technik eines alten Scanners für seine Kunst entdeckt hat. Dabei sind großflächige Prints entstanden, die in den buntesten Farben schimmern.

Sein neustes Projekt, das er zusammen mit dem Schweizer Künstler Raphael Hefti realisiert, bringt ihn in die Schweiz, genauer gesagt nach Gstaad, wo Project 1049 dieses Wochenende eröffnet wird. Unter anderem Arbeiten werden dort Arbeiten von Künstlern wie Laure Prouvost, Vanessa Billy und Richard Wentworth präsentiert. „Wir haben unsere Freunde gefragt, ob sie alle etwas speziell für diese Ausstellung kreieren und anfertigen können, es gab keinerlei Vorgaben. Wir wollten einfach die unterschiedlichsten Künstler und Kunstwerke an einem Ort vereinen", erzählt Kneale. 

Auch Paul selbst wird eine neue Arbeit dort zeigen, die sich wieder zwischen altbewährter Handwerkskunst und innovativer Technik bewegt. „Ich habe an einer Neuinterpretationen der öffentlichen Skulpturen der Stadt Gstaad gearbeitet. Sie sind schön gemacht, aber sie erzählen nichts über ihre Herkunft oder ihren Hintergrund. Kinder, die Flöte spielen, stehen dort, komplett in Bronze gegossen und man fragt sich: Was ist die Geschichte dahinter?"

Kneale hat sie aufgesucht, fotografiert, gesammelt und sie anschließend an verschiedene Kunstkritiker geschickt und sie gebeten, die Statuen möglichst genau und detailverliebt zu beschreiben. Diese Beschreibungen hat er dann an verschiedene Leute auf fiverr weitergegeben. Auf der Online-Plattform bieten vor allem unbekannte Künstler ihre Werke für wenig Geld an. „Ich habe sie gebeten, Zeichnungen und Illustrationen von den Beschreibungen anzufertigen. Darunter waren auch sehr junge Leute. Dabei sind die verrücktesten Sachen herausgekommen, weil die Schreiber sich manchmal kreative Freiheiten rausgenommen haben und viel mit den Wörtern gespielt haben." Aus diesen Zeichnungen hat er dann 3D-Modelle anfertigen lassen uns sie unmittelbar neben die Original-Skulpturen aufgestellt. 

„Es ist faszinierend zu beobachten, wie viele Leute stehen bleiben und Fotos davon machen. Kunst ist durch das Internet nicht schlechter geworden, nur eben ganz anders. Ich bin gespannt, wohin das alles noch führen wird."

Project 1049 wird heute eröffnet und läuft noch bis zum 21. August. Mehr Infos findest du hier.

Credits


Text: Lisa Leinen
Foto: Marc Asekhame & Paul Kneale 

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