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5 erotische Romane, die dich durch die kalte Jahreszeit bringen

Es wird kälter und wir mummeln uns ein, versuchen uns zu wärmen: An einer Tasse Tee oder auch an einem heißen Buch. Wir stellen dir die erotischsten Geschichten für die grauen Tage vor.

von Kai Hilbert; Fotos von Harley Weir
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07 Oktober 2016, 8:00am

Foto: Harley Weir 

Isabel & Rocco, Anna Stothard
Isabel und Rocco sind wild. Isabel und Rocco sind aufsässig. Isabel und Rocco lassen sich von niemandem etwas vormachen oder vorschreiben. Isabel und Rocco vertrauen einander blind, sind unzertrennlich, eine Einheit. Die Luft brennt zwischen Isabel und Rocco. Isabel und Rocco sind ... Geschwister. Von ihrem Domizil, der Dachbodenkammer aus, registrieren sie jeden Streit, jede Versöhnung, jeden Sex ihrer Eltern. Doch eines Tages sind die Eltern ohne ein Wort verschwunden. Von nun an müssen die beiden füreinander sorgen. Nicht, dass das die beiden stören würde. Nicht, dass sie das nicht ohnehin längst getan hätten. Immerhin sind die beiden quasi erwachsen und somit alt genug, um nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Doch diese Spielregeln bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Recht und Unrecht, unerlaubt und unerhört. In der Schule wird schon geflüstert. Was ist da los? Das Geschwisterpaar verführt in vielen Bereichen—Leser sowie Romancharaktere. Eine immerwährende, unterschwellige und aufgrund der Konstellation beunruhigende Erotik durchzieht dieses Buch, dessen Parallelen zum Film Die Träumer nicht zufällig sind.
"Sex war eine Mischung von Düften, von Körpern, die sich an Laken reiben, heißer Spucke und der Innenseite von Unterwäsche."


Auch auf i-D: Harley Weir zeigt uns, was Schönheit in ihren Augen bedeutet


Lolita, Vladimir Nabokov
Humbert ist 13 Jahre alt, als er sich in die gleichaltrige Annabel verliebt. Die erste Liebe und das gemeinsame Erwachen der Sexualität hält jedoch nicht lange. Annabel stirbt und zurück bleibt Zeit seines Lebens ein tiefes Verlangen für Mädchen in diesem Alter. Humbert befindet sich mittlerweile in seinen 30ern als er Charlotte Haze heiratet, um der frühreifen, zwölfjährigen Tochter Dolores, genannt Lolita, nah sein zu können. Seinen Trieb hat er immer unterdrücken können, sein einziger Vertrauter ist sein Tagebuch, in dem er seine wortwörtliche Leidenschaft dokumentiert. Seine Ehefrau entdeckt das Buch und rennt von Entsetzen gepackt aus dem Haus auf die Straße, wo sie überfahren wird. Plötzlich findet er sich alleine mit Lolita wieder, die sich auf das Spiel einlässt und raffiniert Humberts Verlangen herausfordert und dieses nicht zuletzt in eine tiefe Abhängigkeit verwandelt. Das ungleiche Paar zieht von Motel zu Motel, ein ominöser Wagen stets auf ihren Fersen.
Der Roman, Skandal und Meisterwerk in einem, könnte nicht pikanter sein. Dabei überschreitet er zu keinem Zeitpunkt die Grenze zur Obszönität, wahrt die Balance zwischen Erotik, Tragik und Humor. Es ist die Geschichte einer destruktiven Liebe, eines verzweifelten Verlangens.

Das Aquarium, Thommy Bayer
Barry lebt mit einer schweren Bürde: Bei einem Unfall ist seine Partnerin gestorben, er selbst hat zwar überlebt, ist aber nur knapp einer Querschnittslähmung entgangen. Alleine in seiner Wohnung fristet er sein Dasein damit, das Nachbarhaus zu beobachten. Sein eintöniges Leben nimmt eine unerwartete Wendung als im Aquarium gegenüber June einzieht. June ist 20, wunderschön, sitzt im Rollstuhl und zieht Barry vollends in ihren Bann. Er verfolgt jede ihrer Bewegungen bis er per Mail Kontakt zu ihr aufnimmt. Vom Voyeur wird er zum unsichtbaren Freund, der Junes Geschichte in sich aufsaugt und so auch von ihren sexuellen Gelüsten erfährt. Nach und nach verstrickt sich Barry in ein Geflecht aus Fakt und Traum, Sehnsucht und Begierde, Neugier und Leidenschaft. Barry hängt an Junes Haken. Sie ködert ihn mit ihren detailliert geschilderten erotischen Obsessionen, lässt ihn den Köder jedoch nicht beißen. Welch Ironie, dass Barry aus einem Aquarium heraus ins Netz gegangen ist. Doch wird er sich daraus befreien können und viel wichtiger: Will er das überhaupt?
In Zeiten, in denen Sexting zu einem mittlerweile geflügelten Begriff geworden ist, sorgt Das Aquarium für ebenjene knisternde Spannung, die jeder schonmal verspürt hat, der erotische Fantasien an der Tastatur ausgelebt hat. Zugegeben: Das hier ist alles andere als E-Mail für Dich, aber an erotischer Spannung kaum zu übertreffen.

Lust auf dich, Fabio Volo
Elena ist Ende 30 und sieht ihr Leben, vor allem aber ihr Eheleben, in einer Sackgasse. Nach dem Uni-Abschluss kam Paolo, mit Paolo die Ehe, und dann? Alles zieht an ihr vorbei, nichts füllt sie aus, nichts ist von wirklicher Substanz. Paolo hingegen scheint dem Fernseher mehr Beachtung zu schenken, als ihren unerfüllten Lüsten, ihrem unerwiderten Verlangen. Elena geht ein wie eine Blume ohne Wasser, hält jedoch am Prinzip der Ehe fest. Auch als sie auf einen Mann trifft, dessen Avancen nicht eindeutiger sein könnten. Sie versucht, vor dem in ihr entfachten Feuer zu flüchten, kann der Versuchung aber nicht standhalten. In Tagebucheinträgen erfahren wir von ihren lustvollen Abenteuern, dem Wiedererwachen ihrer Sexualität und dem letzten bisher ausgebliebenen Schritt, zu der Frau zu werden, die sie sein möchte. Doch dieser Reifungsprozess zu einer selbstbewussten, unabhängigen und sich ihrer Sexualität bewussten Frau passt nicht jedem in den Kram.
Lust auf dich ist sexy und abenteuerlich, handelt von Bemächtigung und Hingabe, ist durch und durch erotisch, lebt von seiner sinnlichen Sprache und verliert dabei nie den Anspruch an sich selbst.

Wendekreis des Krebses, Henry Miller
Zwei Triebe treiben den Protagonisten durch die Straßen des Paris der 30er Jahre. Erstens: Nahrung zu sich zu nehmen, um nicht zu verhungern. Zweitens: Eine Frau für die Nacht zu finden, um nicht zu verhungern. Wir folgen dem Vagabund durch die Pariser Bohème, die Terrassen der Cafés, die Betten der Prostituierten—ohne dabei einen wirklichen Plot ausfindig machen zu können. Ungestüm entfaltet das Buch seinen Reiz nicht in einem raffiniert konstruierten Handlungsstrang, sondern vielmehr in den Schilderungen einzelner Situationen. Hätte Sprache Beine, würden diese hier nicht brav übereinander geschlagen verweilen, sondern gespreizt den Leser empfangen. Doch dieses Buch ist mehr, als die bloße Aneinanderreihung von Sex-Szenen. Miller nimmt den Materialismus, die Selbstbezogenheit, die Verschwendungssucht jener Tage aufs Korn. Er schafft einen Milieuroman voller Komik und Drastik, voller Schamlosigkeit und nicht zuletzt Authentizität, weil das Buch mehr als nur autobiografische Züge trägt, der Held Henry Miller selbst ist: "Wenn ich eine Hyäne bin, so eine magere und hungrige: Ich ziehe los, um mich zu mästen."
Der Roman, in dem burleske Erotik auf philosophische Überlegungen stößt, erschien erstmals 1934 und wurde unter dem Vorwurf, nichts als reine Pornographie zu sein, indiziert und verschrien. Wendekreis des Krebses ist radikal und zugleich höchst poetisch, hat auch über 80 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nichts an Aktualität eingebüßt, hängen wir doch immer noch irgendwo zwischen gesellschaftlicher Entfremdung und der Sehnsucht nach Erfüllung purer Lust.