Foto: imago / ZUMA Press

Alles, was du über Helmut Lang wissen musst

Am Montag hat Shayne Oliver dem Kultlabel mit seiner neuen Kollektion einen neuen Touch verpasst. Für uns Anlass, uns den Gründer einmal genauer anzuschauen.

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14 September 2017, 11:56am

Foto: imago / ZUMA Press

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

A wie Autodiktat
Helmut Lang wurde 1956 geboren. Seine Eltern trennten sich, als er fünf Monate alt war. Danach lebte er bei seinen Großeltern, die nicht in Wien, sondern in den Alpen zu Hause waren. Mit 10 zog der junge Helmut wieder zurück in die österreichische Hauptstadt. In einem Interview mit dem New Yorker bezeichnete er die nachfolgenden acht Jahre als die unglücklichste Zeit in seinem Leben. 1977, mit gerade mal 23 Jahren, gehörte er zu den erfolgreichsten Maßschneidern in Wien, obwohl er nie eine Schneiderlehre absolviert hat. Nachdem seine Arbeiten in der Ausstellung L'Apocalypse Joyeuse im Pariser Centre Pompidou 1979 gezeigt wurden, ging es für ihn steil bergauf. Und 1986 gründete sein Label Helmut Lang.

B wie Bill Murray
Sofia Coppola hat dem bekannten Schauspieler ein Helmut-Lang-Makeover in ihrem Überraschungshit Lost in Translation aus dem Jahr 2003 verpasst. Als die Zeit der vielen Preisverleihungen anstand, hat Bill Murray beim Designer anfragen lassen, ob er ihm nicht Matrosenhosen aus Kaschmir designen könnte, die Oscar tauglich sind (Was man eben so braucht). Laut Tim Blanks kam diese Anfrage an den Designer just in dem Moment, als er ein Buch über Matrosenknoten entdeckt hat. "Voila! Und fertig war die Inspiration für die Frühjahr-/Sommerkollektion 2005", so der bekannte Modekritiker. Dazu gehörten Anzüge aus Seersucker-Stoff, Gürtel aus weißer Schnüre und Netz-Oberteile.


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C wie Commitment
Helmut Langs Einfluss auf die Mode beschränkt sich nicht nur auf seine Mode und seine Ästhetik. Im Juli 1998, als er gerade von Paris nach New York gezogen ist, ließ er verkünden, dass er seine neue Kollektion präsentieren wird. Damals haben New Yorker Designer ihre Fashionshows für Frühjahr/Sommer im November abgehalten, Wochen nach den Modewochen in Europa. Für Helmut Lang, so WWD, sei das zu spät gewesen. Einen Tag nach dieser Entscheidung gab auch Calvin Klein bekannt, dass er es ihm gleich tun werde. Auf der anderen Seite des Atlantiks warf der inzwischen verstorbene Pierre Berge dem Österreicher Anarchie vor. Fast 20 Jahre später und New York bildet immer noch der Auftakt zum Fashion Month, dank Helmut Lang.

D wie David Casavant
Mittlerweile dürftest du von dem in New York lebenden Stylisten gehört haben, der Teile von Helmut Lang und Raf Simons sammelt, seit er 14 ist. Heute verwaltet der mittlerweile 26-Jährige sein Archiv in einer 2-Zimmer-Wohnung. Kanye und Rihanna gehören zu seinen Kunden. Das Bad Girl hat eine besondere Schwäche für Langs bekannte Denim-Looks. "Helmuts Einfluss sieht man heute überall auf der Straße", sagte der Stylist zu Quartz. "Er hat unsere Vorstellung von Luxus verändert. Er hat sich alles angeguckt, vom Militär über Streetstyle bis bis zu Arbeitskleidung und Uniformen."

E wie Ethan James Green
Im März wurde Isabella Burley zum neuen "Editor in Residence" bei Helmut Lang bestellt. Die in London lebende Redakteurin hat sich besonders der New Yorker Zeit verschrieben. Sie hat Shayne Oliver von Hood By Air verpflichtet, die erste Kollektion nach dem Relaunch des Labels zu entwerfen. Der Fotograf Ethan James Green hat die Kampagne dazu fotografiert. Helmut Lang Seen by Shane Oliver, so der offizielle Titel der Kollektion, wurde am Montag der Öffentlichkeit präsentiert. Seen by Green ist dagegen schon seit Ende Juli zu bestaunen. In der Kampagne sind sowohl etablierte wie aufstrebende Künstler zu sehen: I Love Dick-Autorin Chris Kraus, Kult-Regisseur Larry Clark, die Performance-Künstlerin Kembra Pfahler, Little Miss Flint Mari Copeny, Mitglieder der Teenie-Metalband Unlocking the Truth, die ehemalige Porno-Darstellerin Traci Lords und Supermodel Alek Wek, die in vielen seiner früheren Shows gelaufen ist.

Nicky Rat in der "Helmut Lang Seen by Ethan James Green"-Kampagne, 2017. Foto: Ethan James Green. Courtesy of Helmut Lang.

F wie Feuer
2010, 5 Jahre nach Langs Abschied aus dem Unternehmen, zerstörte ein Feuer im Studio in SoHo den Großteil des Archivs. Helmut Lang spendete daraufhin viele der Teile, die nicht dem Feuer zum Opfer fielen, 18 führenden Museen auf der Welt, darunter auch dem Wiener Museum für angewandte Kunst, das ein eigenes Helmut-Lang-Archiv besitzt. Aber noch interessanter: Lang hat 6000 der verbrannten Teile geschreddert und sie als Material für neue Skulpturen eingesetzt. "25 Jahre voller Arbeit, Farben und Harz", beschrieb der Designer seine neuen Kunstwerke.

G wie Gender-unified
Wie hitzig wurde in der Modewelt über das See-now-buy-now-Konzept debattiert und das führte zu einige Veränderungen im etablierten Modesystem. Im Februar gab Burberry bekannt, dass das Label seine vier Modeschauen für Menswar und Womenswear in zwei halbjährlich stattfinden Shows aufgehen lassen wird. Ähnliche Pläne haben kurz danach Gucci, Vetements und Public School verkündet. Doch für Helmut Lang war das nichts Neues. Er gehört zu den ersten Designern, die ihre Mens- und Womenswear zusammen auf einem Laufsteg präsentiert haben.

H wie Holzer
Heutzutage ist es relativ weit verbreitet, dass Modedesigner mit Künstlern an Kleidungsstücken, Werbung und auch fürs Store-Design zusammenarbeiten (Raf Simons und Sterling Ruby zum Beispiel.) Als sich die bekannte Konzeptkünstlerin Jenny Holzer und Helmut Lang Mitte der 90er zusammengetan haben, war das noch ganz anders. Zusammen haben sie für die Biennale in Florenz 1996 die Installation I Smell You on My Clothes kreiert. Das sollte der Anfang einer langlebigen Zusammenarbeit zwischen den beiden sen. Als Helmut Lang zwei Jahre später nach New York zog, ließ er ein Kunstwerk aus LED-Elementen in seinem New Yorker Flagship Store in SoHo anbringen. Inspiriert durch die Installation in Florenz, lancierte er Anfang der 2000er seine eigenen Parfüms, für die Jenny Holzer die mittlerweile zum Kult gewordenen Anti-Kampagnen entwarf.

Jenny Holzer for Helmut Lang, Anzeige, Art Direction: Marc Atlan, 2000.

I wie Influencer
Es gibt den Spruch "Your favorite rapper's favorite rapper". Helmut Lang ist das für die Mode: Er ist der Lieblings-Designer deiner Lieblings-Designer. Verschiedene Aspekte seines Designs finden sich heute in den Kollektionen von Alexander Wang, Vetements, Yeezy, Balmain, Hood By Air, Craig Green und Telfar Clemens wieder, um nur einige zu nennen. Einige finden die Verbindung von technischen Materialien und den Schlaufen gut. Für andere ist es seine Art und Weise, wie er Basics neu interpretiert hat. "Ohne Helmut Lang gebe es kein Celiné, keinen Raf", sagt uns Bernhard Willhelm. "Ich habe schon von mehreren Leuten in verschiedenen Modehäusern gehört, dass es immer ein Helmut-Lang-Teil gibt, das einzig und allein dafür da ist, um es zu kopieren."

J wie "Juergen, where the fuck are you?"
So beginnt ein inzwischen berühmt gewordener E-Mail-Verkehr zwischen dem Designer und dem Fotografen fürs System Magazine. Juergen Teller hat die Fotos von mehreren Helmut-Lang-Kampagnen geliefert und backstage die Modeschauen Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter 1994 dokumentiert. In dem E-Mail-Interview, das letzten Winter stattgefunden hat, geht es um Juergen Tellers neue Fotoserie über Teller, seine Ei-Intoleranz ("Wie dumm von mir. Eier sind so gut.") und ihre eigenen Hinterteile. Unbedingt lesen!

K wie Kirsten, Kristen und Kate
Wie sich Sarah Mower erinnert, waren auf Langs Laufsteg immer wieder dieselben Models zu sehen. Der Designer hatte sie zu gleichen Teilen wegen ihrer Looks und wegen ihrer Persönlichkeiten ausgewählt. Kate Moss, Kristen McMenamy and Kirsten Owen waren alle Dauergäste auf Helmut Langs Catwalk, genauso wie Cecilia Chancellor, Jeny Howorth, Stella Tennant und manchmal auch die Supermodels Naomi, Christy und Linda. Fotografin Elfie Semotan, enge Freundin von Helmut Lang, war ebenfalls regelmäßig als Model zu sehen. Ihr Sohn hat sie mal laut Vogue gefragt, ob sie denn wüsste, dass sie mit Abstand das älteste Model sei. "Ich war 51 und das war mir bewusst!", so die Fotografin. "Seine Modenschau war die einzige, in der mehrere Generationen gleichzeitig zu sehen war", so Stella Tennant. "Das hat sich wie eine Familie angefühlt und ich wollte dazugehören."

L wie Livestream
Im April 1998, nur drei Tage bevor seine Herbst-/Winterkollektion vorgestellt werden sollte, entschied sich Lang, die Modenschau live im Internet zu übertragen. Er war der erste Modedesigner, der von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. "Ich habe gespürt, dass das Internet zu etwas viel Größerem werden würde, als wir uns damals vorstellen konnten. Ich dachte mir einfach nur, dass es der richtige Zeitpunkt ist, um die Norm herauszufordern und die Kollektion online zu präsentieren", sagte er Vogue. "Das hat das [Mode]-System schockiert, aber es sollte der Anfang des neuen Normal sein."

M wie Minimalismus
Helmut Lang ist der Mann hinter dem 90er-Minimalismus. Eine Ästhetik, die im direkten Gegensatz zur Opulenz steht, die die Mode der 80er so dominiert hat (Schulterpolster a la Denver Clan, Christian-Lacroix-Kleider oder Armanis italienischen Glamour). Seine zurückhaltende Sexisness war ein Wendepunkt, so Sarah Mower: "Vor Helmut gab es für junge Leute, die Anti-Fashion waren, nichts in der Mode. Sie wollten mit der traditionellen Modewelt nichts zu tun haben." In den 90ern wurden aus diesen jungen Menschen, den Punks, den Ravern, die neue kreative Klasse. "Helmut Lang hat sie angezogen. Er hat ihnen die weißen Baumwoll-Oberteile mit Layering, die androgynen Boy-Pants und die schlicht gehaltenen Jacken gegeben."

N wie New York
Helmut Lang ist 1997 von Paris nach New York gezogen und hat im Jahr darauf seinen Hauptsitz in der 80 Greene Street in SoHo eingerichtet. Laut der The New Yorker hat Lang als Kind auf dem Dachboden seiner Großeltern in ihrem Haus in den österreichischen Alpen gewohnt und lebt deswegen immer nur auf der obersten Etage von Gebäuden (in den 2000ern war das ein Duplex-Penthouse nahe Cooper Union). Lang wohnt auch heute noch in New York, jedoch nicht mehr im Stadtzentrum. Jetzt hat er draußen in den Hamptons sein Studio und Haus, beides restaurierte Scheunen aus dem 18. Jahrhundert (eine hat ihm die Erbin Adelaide de Menil geschenkt).

O wie Oliver
Es heißt, dass die Editor-in-Residence Isabella Burley während ihrer Amtszeit neue Designer dazu einladen wird, ganz besondere Projekte über Helmut Lang mitzugestalten. Ihre erste Wahl, Shayne Oliver, ist eine kluge, sagt Alix Browne vom W Magazine: "Wie auch Lang hat Oliver eine Community um seine Marke versammelt, wodurch eine neue Generation sich als Teil von etwas verstanden hat, von dem sie vorher gezielt ausgeschlossen worden war."

Shayne Oliver in der "Helmut Lang Seen by Ethan James Green"-Kampagne, 2017. Foto: Ethan James Green. Courtesy of Helmut Lang.

P wie Prada
1999 ist Lang eine Partnerschaft mit der Prada Group eingegangen. Einige in der Branche haben das angesichts der unterschiedlichen Philosophien der beiden Modehäuser (Lang hatte sich einen Namen gemacht, indem er Alltagsgegenstände zu Luxus-Objekten erhoben hat, Prada hingegen versucht, Avantgarde-Ideen einem größeren Publikum schmackhafter zu machen) nicht ganz nachvollziehen können. Prada hat sich ums Geschäft gekümmert, während Lang die kreative Kontrolle über das Design und die Werbung übernommen hat. Der Designer sagte, er ist diesen Schritt gegangen, weil er einen Partner wollte und Patrizio Bertelli ihm dafür als "geeignet" erschien. Doch Langs Partnerschaft mit Prada sollte keine glückliche Liaison werden. Viele warfen der Gruppe später vor, das Unternehmen nicht richtig verwaltet und sich nicht die Zeit genommen zu haben, die Dinge richtig zu entwickeln. Lang verkaufte seine restlichen Anteile Ende 2004 an Prada und verließ das Modehaus im darauffolgenden Jahr.

Q wie Quotidian (alltäglich)
"Lang hat mit T-Shirts und Jeans das gemacht, was Ralph Lauren mit Krawatten und Tweed-Jacken gemacht hat – er hat sie zu Modetrends werden lassen", sagt Kate Betts, ehemalige Chefredakteurin von Harper's Bazaar. Der Designer selbst sagt, seine Leidenschaft für lässige amerikanische Kleidung komme daher, dass er als Kind von seiner Stiefmutter dazu gezwungen wurde, altmodische Anzüge und Hüte zu tragen, die ihrem eigenen Vater gehört hatten. "Die anderen Kinder in der Schule kleideten sich alle wie Hippies, und ich durfte nichtmal Jeans tragen. Die Möglichkeit, als Jugendlicher, also in einer sehr prägenden Zeit, meinen eigenen Stil zu finden, wurde mir genommen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das ist der Grund, wieso ich Modedesigner geworden bin – weil mir meine eigene Identität lange verwehrt wurde", sagte er der The New Yorker.


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R wie Re-Edition
Unter der Leitung von Burley hat die neu überarbeitete Marke Helmut Lang erstmals ikonische Teile aus dem Archiv neu heraus gebracht. Zur ersten 15-teiligen Kollektion gehören dabei die Painter Jeans (1998), eine silberne Astro Moto-Jacke (1999), ein gerippter Pulli (1997) und Ohrringe aus Pferdehaar (2004). Burley hat dem W Magazine gesagt, dass es alle vier Monate weitere Neuauflagen geben wird, die bestimmte Mottos haben sollen. "Volume 2 ist jugendlich und sommerlich, Volume 3 könnte mehr in Richtung Bondage gehen. Volume 4 wird metallische Akzente haben", sagte sie.

S wie Skulptur
Lang hat sein Leben nach der Mode voll und ganz dem Schaffen von Kunst verschrieben. "Ich arbeite mit gefundenen Gegenständen und leicht erhältlichen Materialien, um die unterschiedlichsten Skulpturen entstehen zu lassen. Ich spiele mit physischen Formen, die an den menschlichen Körper erinnern, und bleibe aber gleichzeitig abstrakt", sagte er i-D Anfang des Jahres. "Manchmal beginnt man mit einer Idee und muss einfach schauen, was daraus wird. Meistens beginne ich mit dem Material und lasse mich davon führen." Angela Westwater – die Besitzerin der Galerie Sperone Westwater, die Helmut Lang vertritt – sagte, der Künstler habe ihr einst erzählt, er wisse, dass eine Skulptur fertig ist, wenn sie "stark genug ist, sich zu wehren".

Installation von Helmut Lang in der Galerie Sperone Westwater, 2015. Courtesy of Helmut Lang and Sperone Westwater, New York.

T wie Traci Lords
Die ehemalige Pornodarstellerin (die in John Waters' Cry-Baby eine wahre Glanznummer hingelegt hat) hat in Ethan James Greens neuer Helmut Lang-Kampagne mitgespielt. Das war aber nicht das erste Mal, dass sie mit der Marke zusammengearbeitet hat. Lang hat bereits 1995 für eine besondere Ausgabe des Männermagazins Details mit dem Motto Sex maßgeschneiderte Teile für Lords angefertigt. Eines dieser Outfits war ein T-Shirt mit ihrem Namen darauf, der aber falsch geschrieben, weggestrichen und korrigiert worden war. "Ich fand das sagenhaft, wir haben es also extra für die Kampagne (inklusive dem Schreibfehler) wieder auferstehen lassen" sagte Burley dem W Magazine. "Und wie erwartet hat Traci am Set allen die Show gestohlen."

U wie unkonventionell
Lang hatte ständig unkonventionelle Ideen, wenn es darum ging, die Botschaft seiner Marke zu verbreiten. Er war der erste Designer, der seine Werbung zwischen 1998 und 2004 auf den kleinen Werbetafeln auf New Yorker Taxis platziert hat. Eine dieser Taxi-Werbetafeln ist im Museum für angewandte Kunst in Österreich ausgestellt. Darauf zu sehen ist ein Porträt von einem Mann mit Augenklappe, das 1979 von Robert Mapplethorpe gemacht wurde.

V wie Vuitton
Für Louis Vuittons 100. Geburtstag 1996 wurde Lang zusammen mit sechs anderen Designern darum gebeten, ihre Interpretation des ikonischen Köfferchens der Marke zu designen. Isaac Mizrahi hat ein transparentes Shoppingbag kreiert, Lang hingegen eine Mini-DJ-Koffer. "Musik ist eine wichtige Inspiration für meine Arbeiten", sagte er damals der The New York Times. In der Zeitschrift fand man auch eine Liste der Stars, an die die exklusiven Koffer vergeben wurden, darunter Chrissie Hynde, Frankie Knuckles, Courtney Love, Johnny Depp, und John Travolta. In der Kampagne hat der legendäre DJ Grandmaster Flash Langs Koffer präsentiert.

W wie Ward
Die britische Stylistin Melanie Ward hat 13 Jahre lang an der Seite von Lang als Kreativchefin gearbeitet. Sie war eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Londoner Modeszene der 90er Jahre, und ihr "klarer Minimalismus hat sie zu einer der wenigen Spezialistinnen gemacht, der es gelang, Sexiness mit Konzeptkunst zu verbinden", sagte Calvin Klein in der Zeitschrift Interview. "Es war fast unmöglich, [Langs] Kollektionen auf dem Laufsteg zu sehen und darin nicht sofort ihre klare Handschrift zu erkennen."

X wie XXX
Lang hat in seine Kollektionen oft mit Elementen aus der Welt des Bondage oder Fetisch gespielt. Selbst in seine Büro-tauglichen Outfits versteckte er Strapsen oder Latex-Elemente. Sein kultiger Duft (den er ursprünglich für die Kollaboration mit Holzer für die Biennale Florenz entworfen hatte), wurde als "Geruch des Morgens nach einer leidenschaftlichen aber komplizierten Nacht" beschrieben. Langs Marketingchef Johnny Lichtenstein war da etwas direkter: "Es riecht wie ein Mann, der gerade Sex gehabt hat."

Y wie "You have to come"
"Du bist unser Glamourboy. You have to come." Das hat die legendäre Stylistin und Kreativchefin Polly Mellen bei den American Fashion Awards im Jahr 2000 gesagt, als sie im Saal nach dem Star des Abends Ausschau hielt. Lang war für alle drei großen Preise nominiert. Wie The New Yorker damals berichtete, erschien Lang jedoch nicht – er wollte lieber in seinem Atelier an seiner neuen Kollektion arbeiten. Eine Entscheidung, die nicht so gut ankam. Fern Mallis war angeblich total verblüfft. Anna Wintour nannte seine Aktion "unhöflich" und "falsch". "In Europa wird die Privatsphäre des Künstlers noch respektiert. In den USA wird man aber, sobald man erfolgreich ist, als Eigentum der Öffentlichkeit angesehen", sagte Lang später über sein Fernbleiben.

Z wie Zip it!
Ein weiterer kontroverser Augenblick: Langs Selective Memory Series aus dem Jahr 2007. Als 80-seitiges Extra der siebten Ausgabe des Purple Magazines wurden in der Reihe Briefmarken-große digitale Scans persönlicher Nachrichten von Fans und Freunden an Lang veröffentlicht. Vorwiegend waren es Danksagungen und Einladungen von berühmten Persönlichkeiten wie Marc Jacobs, Ellen DeGeneres, Nicole Kidman, Bruce Weber, Madonna, Sofia Coppola, Nan Goldin und vielen anderen. Eine niedliche Hommage – wäre da nicht die Tatsache, dass Lang keinen der Autoren über seine Pläne, deren Notizen zu veröffentlichen, informiert hat, und einige danach etwas beschämt waren. "Vergiss' die Awards, ich habe fantastisch ausgesehen, oder?", hat beispielsweise Roman Polanski geschrieben.