Foto: Jeff Mermelstein, New York City, 1993. Courtesy of Laurence King Publishing.

So hat sich die Straßenfotografie seit den 90ern verändert

Der Professor für Fotografie Colin Westerbeck analysiert, was die Straßenfotografie der 90er Jahre so besonders gemacht hat.

von André-Naquian Wheeler
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09 Mai 2018, 12:47pm

Foto: Jeff Mermelstein, New York City, 1993. Courtesy of Laurence King Publishing.

Straßenfotografie entwickelt sich extrem schnell, sie reicht von Szenen aus dem 19. Jahrhundert bis zu Schnappschüssen auf dem Instagram-Account von Hypebeast. Auch die Art, wie wir Straßenfotografie konsumieren, hat sich drastisch verändert.

Vor 24 Jahren haben die beiden Professoren Colin Westerbeck und Joel Meyerowitz ihre ausgiebige Studie Bystander über die einflussreichsten Straßenfotografen in Buchform veröffentlicht. In einer Neuauflage wurde der digitalen Fotografie ein ganzes Kapitel gewidmet, das sich mit der Obsession mit urbanen Räumen und dem Konsumverhalten in der Jahrhundertwende beschäftigt.


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Westerbeck besteht darauf, dass sich die Methoden und Motive der Straßenfotografie zwar verändert haben, das Ziel aber immer noch das Gleiche geblieben ist: das bunte Treiben und die Unmittelbarkeit unseres Alltags einzufangen.

Wir werfen gemeinsam mit dem UCLA-Professor einen Blick auf die Ästhetik der Straßenfotografie aus den 90er Jahren und lassen uns erklären, was sich durch die Digitalfotografie für das Genre verändert hat.

Foto: Peter Kayafas, Dallas, Texas, 1990. Courtesy of Laurence King Publishing.

Als ihr Bystander 1994 veröffentlich habt, gab es noch kein Instagram. Glaubst du, dass soziale Medien die Straßenfotografie drastisch verändert haben?
Ich glaube, dass Instagram für die meisten Straßenfotografen zu wahllos und überladen ist. Einer der Gründe, warum wir Bystander damals überhaupt gemacht haben, war den vielen Fotografen dieses Genres zu helfen. Wenn ich Talks halte, tauchen so viele Leute auf, die selbst Straßenfotografen sind und sich mit anderen vernetzten möchten – Instagram ist zu chaotisch dafür.

Foto: Armani Willett, 1998. Courtesy of Laurence King Publishing.

Was hat sich seit den 90ern für die Straßenfotografie verändert?
Damals war sie noch durch die analoge Fotografie limitiert. Du hast dich mit den Fotos beschäftigt, die sich in deinen Augen interessant angefühlt haben. Jetzt fotografieren die meisten nur noch digital, was die Straßenfotografie zwar um einiges zugänglicher, aber auch schon fast zu einfach gemacht hat. Du ziehst nicht mehr mit zwei oder drei Filmen los, sondern kannst deine Fotos gleich anschauen und außerdem so viele machen, wie du willst.

Foto: Jeffrey Ladd, New York City, 1995. Courtesy of Laurence King Publishing.

Und wie beeinflusst das die Arbeiten?
Das wird vor allem an der Bearbeitung der Bilder sichtbar. Straßenfotografen aus der analogen Ära waren viel impulsiver, aber natürlich hatten auch sie Kontaktabzüge, bei denen sie nicht so recht wussten, was sie sich eigentlich dabei gedacht hatten. Bei dieser Art von Fotografie spielt sich viel im Unterbewusstsein ab. Du hast keine Zeit, viel nachzudenken, sondern folgst deinem Instinkt. Es kann sein, dass du ihn nicht gleich verstehst, aber irgendwann wird er sich wie ein Muster durch deine Arbeiten ziehen.

Foto: Cristóbal Hara, Atienza, 1993. Courtesy of Laurence King Publishing.
Foto: Mitch Epstein, Untitled, New York #7, 1998. Courtesy of Laurence King Publishing.
Foto: Jeff Wall, "A Sudden Gust of Wind," 1993. Courtesy of Laurence King Publishing.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.

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