instagram ist für diese feministischen teen-models mehr als nur ein hobby

Joanna Kuchta und Elizabeth Jane Bishop sind die 20-jährigen Model-BFFs, die Social Media neu definieren – One selfie at a time.

von i-D Staff
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30 Juni 2016, 10:50am

Tatort Instagram: Die BFFs Joanna Kuchta und Elizabeth Jane Bishop posieren als Cher und Dionne aus Clueless. Wie die beiden Schülerinnen im Film auch, sind Joanna und Elizabeth Stilikonen, nur mit dem Unterschied, dass sie Stilikonen einer Generation sind, die mehr Zeit im Internet als im Kino verbringt. „Es gibt so viele gute Dinge, die durch mein exzessives Surfen entstehen", sagt Joanna, die aus Polen kommt, mittlerweile aber in Irland lebt. „Ich habe meinen Freund und meine Freunde im Internet kennengelernt!". Während Cher und Di noch ahnungslos waren, sind sich Joanna und Elizabeth ihrer Selbst ausgesprochen bewusst und wie sie sich der Welt präsentieren. Durch ihre Social-Media-Strategie hat Joanna über 900.000 Follower und Jane über 600.000 Follower gewonnen. Fotos, wie zum Beispiel das Bild, auf dem Joanna an Elizabeths Haaren zieht, erhalten regelmäßig mehr als 50.000 Likes. Joanna und Elizabeth, Studentinen beziehungsweise Kreative, nutzen Instagram nicht nur als Plattform, um schöne Bilder zu posten. Sie nutzen Instagram, um aus ihren Personen Marken zu formen, was sich auch mittlerweile im echten Leben auszahlt. Modelagenturen sind durch Instagram auf sie aufmerksam geworden. Joanna hat bei Anti-Agency und Elizabeth bei Elite unterschrieben. Im Interview mit i-D sprechen Joanna (blond, mit einer Vorliebe für Weiß) und Elizabeth (eine brünette Londonerin, die auch bei 2000 Grad Schwarz trägt) über Social Media, Sexualität und ihre Geheimnisse.

Wie habt ihr durch Social Media eure Marken aufgebaut? Was ist euer Geheimnis?
Elizabeth: Ich bin immer stolz darauf, was ich poste. Vielleicht ist das mein Geheimnis?
Joanna: Ich habe schon immer gerne Fotos von meinen Outfits gemacht oder mir süße Kombinationen ausgedacht. Ich bin viel zu faul, um Modebloggerin zu sein. Darüber zu schreiben, wie toll das Outfit ist und wie viel Tassen Kaffee man am Tag getrunken hat, und das Ganze dann noch grammatikalisch richtig in Form zu bringen, ist mir zu anstrengend. Am Anfang habe ich Fotos von Dingen gemacht, die ich mag: süße, intime Dinge, meine Klamotten, meinen Freund und von mir selbst. Das mache ich immer noch. Aber ich mag es inzwischen gerne, wenn das Bild durch gutes Licht und eine gute Komposition noch schöner wird. Ich bin auch viel bei Twitter unterwegs. Manchmal denke ich, dass ich mich für meine Tweets schämen sollte. Doch dann fällt mir ein: Ah, das interessiert mich einen Scheiß. Mein Geheimnis? Einfach ich selbst sein.

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Denkt ihr viel darüber nach, wie ihr euch online präsentiert oder entsteht es einfach im Moment?
Elizabeth: Ich finde es wichtig, dass man auf alles, was man tut, stolz ist. Ich bin Perfektionistin, was ein Segen und ein Fluch sein kann. Aber lieber so, und ich kann stolz auf mich und meine Arbeit sein, als anders herum. Ich stecke viel Zeit in meine Posts.
Joanna: Jein. Ich poste auf Twitter das, was mir gerade einfällt, aber was das Visuelle angeht, bin ich eine Perfektionistin. Du weißt nicht, wie hart es ist, 200 Selfies zu machen und dann kannst du keins hochladen, weil deine Haare im Gesicht sind.

Social Media sind Medien der Selbstdarstellung. Aber ist Social Media auch Kunst?
Elizabeth: Social Media ist das, was du daraus machst. Einige zeigen Momente aus ihrem Leben mit ihrer Familien und ihren Freunden und andere nutzen die sozialen Medien, um ihre Kreativität und Kunst öffentlich zu zeigen. Ich würde Social Media nicht per se als Kunst bezeichnen, aber man kann auf jeden Fall die verschiedenen Plattformen nutzen, um seine Haltung, seine Persönlichkeit, seinen Style und Kreativität zum Ausdruck zu bringen.
Joanna: Social Media kann Kunst sein. Oder Comedy. Ja, sogar politisch. Es gibt auch Leute, die darüber mit ihren Freunden kommunizieren. Es gibt auch Leute, die denken, dass alles, was ich poste, kompletter Schwachsinn ist. Ich liebe die künstlerische Seite an Social Media, weil sie so aktuell und inspirierend ist. Auf Instagram habe ich schon viele talentierte und visionäre Leute gefunden. Ich möchte mit allen befreundet sein.

Viele junge Frauen stellen sich auf Social Media selbst dar und lernen oft auch ihre eigene Sexualität kennen. Wie seht ihr das Verhältnis zwischen Sexualität und Social Media?
Elizabeth: Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, die sehr engstirnig war, was Sexualität und Anderssein angeht. Deswegen haben die meisten auch gar nicht verstanden, was ich mache. Ich habe und werde nie meine Sexualität in eine Schublade stecken. Ich finde Girls wie Boys gleichermaßen anziehend, so war ich schon immer. Ich habe begriffen, dass es nicht nur mir so geht, als ich Teil von sozialen Netzwerken und dieser Community wurde. Ich fühle mich in meiner eigenen Haut viel wohler. Es ist wichtig für Leute, die genauso fühlen, zu wissen, dass sie nicht allein sind.
Joanna: Soziale Medien sind emanzipatorisch. Wenn es nicht die vielen Badass-Feministinnen auf Tumblr gegeben hätte, hätte ich länger gebraucht, um mich in meiner eigenen Haut wohlzufühlen und mit Natürlichkeit wie Brustwarzen und Körperbehaarung klarzukommen. Ich bin so glücklich, dass Girls ihre eigene Sexualität entdecken und sich nicht der male gaze unterwerfen. Es ist doch toll, dass immer weniger darüber gesprochen wird, was Männer bei Frauen toll finden, und sich stattdessen darauf konzentriert wird, dass sich Frauen in ihren eigenen Körpern wohlfühlen.

Wie habt ihr beide euch gefunden?
Elizabeth: Wir haben uns gegenseitig auf Twitter entdeckt und das erste Mal getroffen haben wir uns, als Joanna zufällig in Birmingham war. Ich lebe nicht weit weg und wir haben zusammen im Hotel übernachtet.
Joanna: Sie hätten uns fast rausgeschmissen, weil wir im Fitnessstudio des Hotels gegessen haben. Das hat aber Spaß gemacht!

Beschreibt uns euer perfektes Outfit, von Kopf bis Fuß.
Elizabeth: Alles von Moschino oder Versace.
Joanna: Ich mag den monochrom-weißen und 70er-Look: Deswegen eine hochtaillierte Schlaghose, die eng am Popo anliegt, ein weißes Schlauch-Oberteil und weiße, auffällige High-Heels.

Was ist der beste Rat, der euch mal gegeben wurde?
Elizabeth:
Sobald du lernst, dich selbst zu lieben, wird alles einfacher.
Joanna: Ich bin schlecht darin, Ratschläge zu geben. Sei einfach du selbst.

Credits


Text: Zio Baritaux
Fotos: Courtesy of Elizabeth Jane Bishop and Joanna Kuchta

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