sommer, sonne, sonnenschein: mache einen abstecher an die mittelmeerstrände der siebziger und achtziger

Claude Nori porträtiert Jugendliche am Strand.

von i-D Staff
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07 August 2015, 10:30am

Die Bilder des französischen Fotografen Claude Nori stehen für die entspannte Unbekümmertheit, Nostalgie und Wehmut, die den Sommer umgeben. Seine Aufmerksamkeit gilt der Jugend und der Sehnsucht, die er in sonnigen Settings (Stromboli, Rimini und französische Küstenorte) in den Siebzigern und Achtzigern festgehalten hat. Die Jugendlichen spielen Ping-Pong, essen Eis und stehlen sich weg, um einen Moment lang allein zu sein. Diese sorgenfreien Jugendlichen mit ihren gebräunten Beinen und schulterfreien Tops verkörpern die jugendliche Unbeschwertheit im warmen Sommer. Heute lebt Nori in Biarritz. Wir sprachen mit dem Fotografen über große Kinomomente im Alltag und wie sehr ein Fotograf mit seinen Motiven flirtet. 

Du benutzt Schwarz-Weiß- und Farbfotografie. Nach welchen Kriterien entscheidest du das?
Am liebsten verwende ich Schwarz-Weiß-Fotografie. Ich arbeite öfter damit, weil ich es poetischer finde und die Bilder dadurch an den italienischen Neorealismus der Sechziger und Siebziger erinnern, den ich verehre. Als ich Dinge anders einfangen wollte, benutzte ich Farbe. In den Siebzigern habe ich dann Kodachrome benutzt und heute feiern diese Vintage-Verfahren ein Comeback.

Momentan läuft eine Ausstellung mit deinen Bildern in der Pariser Polka Galerie. Du hast deine Bilder aber auch in Buchform durch deinen eigenen Verlag Editions Contrejour herausgebracht. Unterscheiden sich deine Arbeiten je nach Medium, in dem sie präsentiert werden?

Ich drücke mich am besten in Buchform aus, weil es ein intimerer Ort ist. 1975 fand ich keinen Verlag, der mein Buch nach meinen Vorstellungen herausbringen wollte, ich hatte ein Mock-up davon gemacht. Jetzt mache ich das, was ich für richtig halte: Doppelseiten, autobiografische Texte oder auch Verweise auf andere Fotografen. Meine Rolle ist jetzt die eines Cineasten und entspricht meinen filmischen Vorlieben.

Der Titel der Ausstellung The Adventure of a Photographer basiert auf einer Calvino-Geschichte über Antonino, einen besessenen Fotografen. Glaubst du, dass man als Fotograf besessen sein muss?

Ja und nochmal ja. Fotografen meiner Generation aus den Siebzigern wollten mit der Fotografie vorheriger Generationen brechen, die meistens ziemlich professionell und von Journalismusgeprägt war. Ein paar von uns wollten sich durch Fotografie ausdrücken, wir wollten durch Fotografie leben. Das war ein Weg, um zu reisen, um Leute zu treffen und um unsere eigenen Leben zu kommunizieren. Fotografie ist eine Art und Weise, um über die Welt nachzudenken.

Du konzentrierst dich besonders auf weibliche Jugendliche. In der Einleitung im Text zur Ausstellung wird „fotografisches Flirten" genannt. Was genau bedeutet das?
Vor ein paar Jahren brachte ich das Buch La Geometrie du Flirt heraus. Was die Ästhetik und die formalen Aspekte angeht, zählt es zum Bereich Fotografie. Ich gehe gerne auf Menschen für ein sentimentales Abenteuer zu. Ich gehe spazieren und vollführe diese Art Tanz, um sie anzusprechen und zu verführen - eben fotografisches Flirten. Ich bin einen Schritt weitergegangen, im Gegensatz zu der älteren Generation eines Doisneau, die ein Foto machen und dann weiterziehen.

Es geht also mehr darum, wie du deine Motive ansprichst?
Es geht um den Ansatz, um die Ästhetik, den Moment so festzuhalten, als ob es eine Szene aus einem Film ist. Man hat das Gefühl, dass etwas passiert ist, wie in einem Film. Es sind wahre Szenen aus dem Leben, die man nicht faken kann. Die Bilder entstanden in den Siebzigern und Achtzigern. Damals war ich jung und es war einfacher. Ich mag es, dass man in den Fotos nicht nur eine Hauptperson sieht, sondern dass im Hintergrund oder an der Seite noch jemand anderes ist. Zum Beispiel im Bild „The Girl on the Vespa" läuft jemand hinten links auf dem Bürgersteig vorbei. In „The Girl Leaning on the Convertible" sieht man eine Hand mit einer Zigarette, die abgeschnitten wurde. Auf eine gewisse Art und Weise habe ich Filme mit den Mitteln der Fotografie gemacht.

Also sind deine Motive nicht notwendigerweise Leute, die du kanntest? Das Flirten findet eher im Kopf statt als tatsächlich mit den Leuten, die vor dir stehen?
Meistens ja. Ich gehe in den Gegenden, die ich mag, am Strand spazieren, weil Leute Urlaub dort machen.Ich mag diese Orte wegen des Strandes, der Jahrmärkte und der Ausgelassenheit. Im Allgemeinen waren das Frauen, die ich nicht kannte und die mich einfach faszinierten. Nicht nur weil sie einfach attraktiv waren, sondern weil der Moment so wunderschön war, es war immer eine Mischung aus vielen Elementen. Sie haben nicht nur etwas Schönes verkörpert, sondern das Licht war schön, die Deko war interessant oder eine bestimmte Körperhaltung. Es gibt aber auch tatsächlich Porträts von Frauen, mit denen ich ausging, mit denen ich eine Liebesbeziehung hatte und die ich fotografiert habe, weil ich sie liebte.

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Credits


Text: Sarah Moroz
Alle Fotos: Courtesy of Claude Nori and Polka Galérie, Paris

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