verschossen in sommersprossen

Der Fotograf Brock Elbank spricht über seine neue Porträtreihe, in der er die sommersprossigen Gesichter der Welt dokumentiert.

von Tish Weinstock
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01 Oktober 2015, 1:40pm

Brock Elbanks Karriere ist so abwechslungsreich wie die Gesichter, die er fotografiert. Er hat sein Handwerk in den 1990ern in den Metro Studios gelernt, bekam Aufträge von der verstorbenen Isabella Blow, zog dann nach Sydney, um eine Karriere in der Werbebranche zu verfolgen, bevor er 2013 nach London zurückkehrte. Dort begann er die Arbeit an #Project60, bei dem er für die Hautkrebs-Charity eines Freundes Männer mit Bärten ablichtete. Das Projekt fand eine ruhige Erhabenheit in der Behaarung und bewies, dass Bärte nicht nur für Hipster sind. Es war ein solcher Erfolg, dass es sogar eine eigene Ausstellung im Somerset House hatte.


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Doch abgesehen von den Bärten hatte Brock Jahre damit verbracht, die Identität des Individuums zu erforschen und einzigartige Konstellationen der ungekünstelten Schönheit zu finden, in Sydney und London und an vielen anderen Orten. Das Ergebnis ist eine intime Reihe über sommersprossige Gesichter, die in die Kamera starren, jedes mit seiner eigenen Geschichte. Interessanterweise lehnten die meisten Modelle ihre Sommersprossen ab, weil sie in ihren Augen Makel waren. Wir finden sie wunderschön und haben dem Fotografen deshalb ein paar Fragen zu einer Fotoreihe gestellt.

Wie kamst du dazu, deine Faszination für Sommersprossen in Kunst zu verwandeln?
Über die Jahre hinweg habe ich die Gesichter und Persönlichkeiten der Menschen geschätzt und studiert, und mich dabei auf solche Leute konzentriert, die ich als visuell reiche Individuen bezeichne. Ich fühle mich immer mehr zu einzigartigen Personen hingezogen, was mich wiederum dazu gebracht hat, mich immer mehr auf Porträtarbeiten zu konzentrieren. Ich genieße den Prozess, als Gegenüber mit dem Modell zu arbeiten.

Was bedeutet Schönheit für dich?
In meinen Augen, und in meiner bescheidenen Meinung, ist Schönheit ein sehr vielseitiges Thema. Zum Beispiel habe ich vor Kurzem einen 10-jährigen Jungen namens Josh fotografiert. Josh war das Kind von Eltern mit unterschiedlicher Hautfarbe, hatte feuerrote Locken, ein Gesicht voller Sommersprossen und grün-goldene Augen. Josh sah wirklich ungewöhnlich aus, und man kann sich vorstellen, wie einzigartig und eindrucksvoll er aussehen wird, wenn er erwachsen ist. Ich hatte noch nie so jemanden gesehen. Schönheit bedeutet für mich, etwas zu finden, das so unglaublich ist, dass es einzigartig ist.

Was sagen deine Bilder über die jeweiligen Modelle aus?
Wenn ich jemanden fotografiere, versuche ich einfach einen subtilen Blickwinkel oder einen gewissen Ausdruck zu finden. Ich unterhalte mich gerne mit allen, bevor wir mit dem Fotografieren anfangen. Ich will gerne etwas über sie und über ihr Leben erfahren. Diese Woche hatte ich das Vergnügen, Helio Ascari zu fotografieren. Er ist ein Meisterhandwerker, der die schönsten Fahrräder der Welt baut. Helio ist Brasilianer und ich habe seine ausgezeichnete Arbeit schon eine Weile auf Instagram verfolgt. Ich habe ihn eingeladen, sich von mir porträtieren zu lassen, weil er in London war. Ich habe von Helio erfahren, was für ein hartes Leben er früher in Südbrasilien hatte und wie er Anfang 20 Model wurde. Es war ihm also sehr vertraut, fotografiert zu werden. Aber als er mir seine Arbeit gezeigt hat, war er sehr bescheiden, und das war es, was ich in meinem Porträt einfangen wollte.

Warum ist es so wichtig, dass die Modelle in diesen Porträts nackte Schultern haben?
Kleidung lenkt von der Botschaft ab, denn die lautet Sommersprossen. Die Aufnahme wird dadurch überladen—außerdem haben viele von ihnen auch Sommersprossen auf den Schultern.

Viele Menschen versuchen, ihre Sommersprossen zu verstecken, aber du hast sie zu einem Objekt der Bewunderung gemacht und die Leute dazu gebracht, sich selbst mit anderen Augen zu sehen. War dir klar, dass du einen solchen Einfluss auf deine Modelle haben würdest?
Ich habe Sommersprossen schon immer geliebt, aber viele von meinen Modellen hatten sie schon immer gehasst, vor allem als Kinder. Jedes Porträt in dieser Reihe hatte eine ähnliche Geschichte: Während der Schulzeit haben sie die Sommersprossen gehasst, wurden gemobbt und geärgert, und sie wollten sie verstecken. Doch die meisten haben im Laufe der Zeit gelernt, damit zu leben, sie zu schätzen und zu lieben. Ich tue nichts weiter, als viele verschiedene Menschen zu fotografieren, die faszinierend aussehen und aus aller Welt kommen. Im Dezember kommt eine Frau aus den USA, die Eltern verschiedener Hautfarbe hat und unfassbar tolle Sommersprossen im Gesicht hat. Ich bin sehr dankbar, dass sie für ein Porträt den ganzen Weg nach London fliegt.

Beard wurde im Somerset House ausgestellt. Hast du für deine Reihe Freckles die gleichen Ambitionen?
Beard war ein Projekt, das mir sehr am Herzen lag. Ich habe 18 Monate lang für die Hautkrebs-Charity Beard Season gearbeitet. Es war keine Style-Reihe, sondern es ging darum, Aufmerksamkeit auf eine vermeidbare Krankheit zu lenken. Freckles ist eine Reihe, mit der ich die verschiedensten Individuen feiern will, die etwas haben, das die meisten an sich hassen, das ich aber liebe und in all seiner Schönheit zeigen will. Stephen Doherty vom Somerset House hat sehr großzügig seine Zeit und sein Wissen mit mir geteilt. Diese Reihe in so einer schönen Location zu zeigen, wäre ein grandioser Abschluss.

Was macht ein gutes Modell aus?
Jemand, der nicht zu eitel oder nervös ist. Ich mag es, wenn die Leute entspannt sind, weswegen ich vorher auch mit allen plaudere.

Woher weißt du, wann eine Reihe abgeschlossen ist?
Meine Frau sagt es mir ...

mrelbank.tumblr.com

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