generation noirwave: yannick ilunga aka petite noir

Yannick Ilunga aka Petite Noir ist der in Belgien geborene, in Kapstadt aufgewachsene und in London lebende Künstler hinter „Noirwave“, dem afrikanischen New-Wave-Sound, der bald das neue große Ding sein wird.

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März 2 2015, 2:40pm

In Deutschland ist er noch ein Geheimtipp, international erobert seine EP King of Anxiety die iTunes-Charts und das Musikvideo zur Leadsingle „Chess" ist ein riesiger YouTube-Hit. Wir trafen Petite Noir zum Interview und sprachen über Noirwave, seinen internationalen Erfolg und Solange Knowles.

Hallo Yannick, fangen wir mit einer Einführung über Noirwave an. Es ist scheinbar viel mehr als nur ein Sound, oder?
Bei Noirwave geht es darum, du selbst zu sein und all deine Einflüsse zu kombinieren. Das klingt zunächst einmal super einfach und klischeehaft, aber viele finden das schwierig. Nicht jeder kann Noirwave sein. Für mich geht es darum, meinen Geburtsort in Europa mit meinem Erbe und meiner Herkunft zu vermischen. Ich bin, was ich bin, und zeige das durch meine Musik. Ich habe die verschiedensten musikalischen Einflüsse und fühle mich keinem existierenden Musikgenre zugehörig.

Wenn du in die Vergangenheit blickst, kannst du mir Künstler nennen, die Teil von Noirwave wären, würden sie jetzt leben? Aus irgendeinem Grund denke ich an den Comedian Richard Pryor und Aaliyah; Künstler, die fast über ihrem Medium standen, sie passten in keine Schublade.
Ja, definitiv. Aaliyah war einfach ein Naturtalent. Sie war so ungezwungen in ihrer Ausführung und ihr Sound war ihrer Zeit weit voraus. Michael Jackson war definitiv Noirwave. Er hat die Spielregeln verändert. Ich denke außerdem an einen Typen namens Tabu Ley aus dem Kongo, der super Noirwave ist.

Dein Name ist französisch und du hast eine Menge Fans in Paris. Denkst du, dass die Franzosen einfach ein besseres Verständnis für dein Schaffen haben? Was hältst du von der französischen Kultur?
Frankreich ist großartig. Ich glaube, dass die Franzosen gute Musik und Kunst im Allgemeinen sehr zu schätzen wissen. Sie haben einen guten Geschmack. Mein französischer Name, der Fakt, dass ich Französisch spreche und Familie in Frankreich habe, haben definitiv geholfen. Mein bestes Konzert, das ich jemals gegeben habe, war in Paris. Die komplette Tour in Frankreich war großartig und ich will endlich zurück. 

Du bist in Südafrika aufgewachsen und lebst jetzt in London. Was vermisst du an Kapstadt, wenn du in London bist und umgekehrt?
Ich vermisse die Leute von dort und einfach chillen zu können. Wenn ich in Südafrika bin, vermisse ich die Arbeit, die Hektik und die Mode.

Du hast vor Solange Knowles bei ihrem New Yorker Konzert gespielt und sie hat dich auf dem ersten Saint-Heron-Mix gefeatured. Es scheint, als ob sie dem Noirwave-Verständnis entspricht. Gibt es eine Band oder bestimmte Musiker, mit denen du aktuell eine gewisse Seelenverwandtschaft empfindest? Ich weiß, dass Fade 2 Mind große Fans von dir sind. 
Solange gehört definitiv dazu. Die Show war großartig und live ist sie einfach elektrisierend und voller Energie. Für mich ist Fade 2 Mind das beste Elektro-Label überhaupt. Wenn ich DJ wäre, würde ich wahrscheinlich nur Tracks von Fade 2 Mind spielen.

2014 hast du die meiste Zeit gemeinsam mit Yasiin Bey (Mos Def) in Kapstadt im Studio verbracht. Wie kam es dazu und wie war die Zusammenarbeit?
Wir haben zusammen abgehangen, bevor wir zusammengearbeitet haben. Das war auch gut so, weil er zu einem guten Freund wurde und ich ihn sehr respektiere. Viele Musiker haben zuviel Ego und sind eingebildet, aber er ist einfach ehrlich und cool. Er gehört zu den großartigsten Künstlern, die ich kenne. Auf dem Weg ins Studio dachte ich mir nur so „What the fuck! Ich werde wirklich im Studio mit Mos sein!"

War es surreal, zusammen abzuhängen und Musik zumachen?
Auf jeden Fall. Das erste Mal habe ich 1997 von Mos gehört. Meine Schwester hat seine Single „Travelling Man" mit DJ Honda gekauft, die dann auf und ab lief. 

Hast du noch Kontakt zu Yasiin? Wie stehst du zu ihm? Hat er dir irgendwelche Lebensweisheiten mitgegeben?
Vor Kurzem war ich auf seinem Konzert und er hat mich von der Bühne aus gesehen und rief mir zu. Ich schreibe ihm ab und zu eine E-Mail mit Musik und anderem Zeug. Er ist aber ein Macher und kein großer Redner. 

Welche Musik hat dich beeinflusst?
In meiner Jugend habe ich viel Metalcore, Hardcore und Death Metal gehört. Im Moment stehe ich total auf Young Thug und dergleichen. Zusätzlich höre ich viel kongolesischen Rumba.

Du pendelst ständig zwischen London, Südafrika, Bangkok und Europa. Wo fühlst du dich zu Hause?
Ich fühle mich überall auf der Welt zu Hause. 

Lass uns über deine Projekte außerhalb der Musik sprechen. Du gehst ja mit der Drone Society durch dick und dünn.
Ja, die Drone Society ist meine Familie. Meine Base. Wir arbeiten an allem zusammen, von Partys bis zum Design, und drücken allem, was wir tun, unseren Drone-Stempel auf. Rharha, mein Creative Director, ist für das Design verantwortlich, und mein Lil'Bro Jordan ist mehr für die Logistik zuständig. Wir sind eine Familie, die seit fünf Jahren immer mehr zusammenwachst, und wir geben einander eine erstaunliche Energie. Unser Ziel ist es, Dinge mit begrenzter Stückzahl zu produzieren, die dich aber für immer beeinflussen werden. 

Du hast erst kürzlich deine EP rausgebracht und ein Album soll auch bald folgen. Kannst du mir schon mehr darüber erzählen? 
Ich bin seit drei oder vier Jahren verliebt. In den Songs behandle ich meine Erfahrungen, mit denen sich bestimmt viele identifizieren können. Wir alle lieben jemanden und ich will versuchen, die Gefühle echt dazustellen. Echte Worte über echte Kämpfe, die wirklich passiert sind, habe ich direkt zu Songtexten verarbeitet. 

Was hat die Platte inspiriert?
Mein Leben.

Die EP trägt den Titel King of Anxiety. Was hält Petite Noir nachts wach?
Ich schlafe momentan wirklich gut.

soundcloud.com/petitenoir/chess

Credits


Text und Fotos: Courtney DeWitt
Porträt: Marcus Shaney