Foto: © B018

Das Berghain von Beirut: Wie ein Bunker im Libanon zu einem der besten Clubs der Welt wurde

Im B018 treffen Rave und politisches Bewusstsein aufeinander.

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28 Januar 2019, 12:08pm

Foto: © B018

"In den Achtzigern hörte man in Beirut lediglich die Geräusche von Raketen und Munition", erzählt Ali Saleh. "Während alle mit dem tobenden Krieg kämpften, war der junge Naji Gebran mit seiner eigenen Musik beschäftigt. In einem kleinen Häuschen mit der Nummer 'B018' an der Tür. Es sollte später zu einem Zufluchtsort für seine Musik-Freunde inmitten ihres Elends werden."

So beginnt die Geschichte des legendären B018, einer der einflussreichsten Clubs nicht nur im Mittleren Osten, sondern in der ganzen Welt. Ali Saleh ist der Managing Partner des Clubs, ein ruhiger Typ, dessen Gesicht zu strahlen beginnt, wenn er über Beirut, B018 und die ineinander verschlungenen Geschichten spricht.


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"Zu einer Zeit, in der Clubs nicht unbedingt üblich waren, hat das B018 die Herzen vieler Generationen erobert", führt Ali fort. "Es war eine musikalische Offenbarung. Eine glaubwürdige Institution, die Beirut auf die internationale Karte des Nachtlebens katapultierte. Es war auch der erste Club, in dem elektronische Musik gespielt wurde – nicht nur im Libanon, sondern in der ganzen Region."

Das B018 öffnete seine Türen erstmalig in den Achtzigern. Damals waren es noch private Partys, die so schnell an Beliebtheit gewannen, dass sie wenige Jahre später in eine Warehouse-Location im Industriegebiet von Sin El Fil umgesiedelt wurden. Erst 1998 wurde der Club von Architekt Bernard Khoury so umgebaut, wie er heute aussieht. Gelegen in der Nachbarschaft The Quarantaine oder auch "Karantina" genannt, ein ehemaliger Zeltplatz für kurdische, palästinische und armenische Geflüchtete – bis die Bürgerwehr 1976 Hunderte von ihnen massakrierte und das Lager niederbrannte. Als Folge der Schlacht wurde dieses Areal zu einem verlassenen Gebiet erklärt. Ein seltsamer, man könnte sogar sagen kontroverser Ort für einen Club.

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Foto: © B018

"1993 [kurz nachdem der Libanesische Bürgerkrieg zu Ende ging], gab es große Hoffnung in der Bevölkerung, aber auch eine Menge Frustration. Zu dieser Zeit zielten die Baumaßnahmen darauf ab, die jüngste Vergangenheit zu beseitigen und alles Problematische unter den Teppich zu kehren", erzählt Bernard Khoury, "Es war wirklich schlimm für die Leute meiner Generation, die so lange auf dieses große Wiederaufbauprojekt gewartet haben."

"Jeder moralisch verantwortungsbewusste Architekt hätte sich bei diesem absurden Vorschlag kopfschüttelnd weggedreht, weil es unmöglich ist, einen Club in einem Gebiet mit solch einer Geschichte zu bauen", führt er fort. "Aber viele Menschen meiner Generation ärgerte die Tatsache, dass 'Karantina' kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde – das B018 war eine Reaktion darauf. Es war das erste Architekturprojekt, das seinen Finger wortwörtlich in die Wunde legte."

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Foto: © Bernard Khoury

20 Jahre nach seiner Wiedereröffnung in Quarantaine entschieden sich Ali, Bernard und der Rest des Managements, den Club zu renovieren und das Interieur komplett zu entfernen. Aber warum gerade jetzt? "Die Renovierung des Clubs war schon längst fällig", erklärt Ali. "Wir haben unser Bestes gegeben, um den gleichen Spirit und das ikonische einziehbare Dach zu behalten, aber haben auch stark in Design und Sound investiert. Wir mussten vorankommen und die Leute gleichzeitig daran erinnern, dass das Avantgarde-Design eine wichtige Rolle in unserer Positionierung des Clubs gespielt hat."

"Wenn du dir Beirut auf Google Maps anschaust, siehst du, dass es ein kleines Gebiet gibt, in dem keine Gebäude existieren – das ist Quarantaine", erzählt Bernard. "Ich wollte diese Leere erhalten. B018 ist im ersten Moment unsichtbar, aber auf eine sehr dramatische Art und Weise. Tagsüber schläft der Club, der höchste Punkt des Dachs ragt gerade mal 70cm aus dem Boden heraus. Erst in der Nacht wacht er langsam auf und die Metallbleche öffnen sich mit einem lauten Geräusch."

B018 Beirut Lebanon Underground Club
Foto: © B018

Die Wände im Club selbst verschlingen dich mit seinen schwarzen Wänden. Die ungewöhnliche Fassade ist Teil seines Charmes. Alles besteht aus schwarzem Stein: die Sitzmöglichkeiten, die Bar, die DJ-Booth, sogar die Klimaanlage. Von der Decke hängen vier Skelett-Installationen (natürlich auch aus schwarzem Stein). Sie erinnern an minimalistische Tierkörper in einem Schlachthaus.

"Das B018 wurde nie als Denkmal geplant", erzählt Bernard. "Aber es war ein Club mit einem gewissen politischen Bewusstsein und Ehrlichkeit. Niemand denkt, dass ein Club eine politische Bedeutung haben kann, besonders nicht im architektonischen Sinne. Lange haben wir uns darauf konzentriert, Bibliotheken und öffentliche Gebäude zu bauen, weil hier Geschichte geschrieben wird. Bis ich verstanden habe, dass Orte, die nicht dafür gedacht sind, Geschichte zu schreiben, gerade interessanten sind. Clubs können sehr wohl politische Projekte sein und Gebäude, die kulturell aufgeladen sind, sind oft wichtiger als Museen. Museen sind die Friedhöfe der Kultur."

Und wenn Museen die Friedhöfe der Kultur sind, sind Clubs wie das B018 der Ort, an dem Kultur geboren wird: Hinter den Decks und auf der Tanzfläche geben sie ihren Besuchern neue, unvergessliche Erlebnisse mit auf den Weg, die sie mit in ihr alltägliches Leben nehmen.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren AMUSE-Kollegen aus Amerika.