Knife+Heart

8 queere Filme, die du nicht verpassen solltest

Von falschen Identitäten bis verbotener Liebe und dem Niedergang einer engstirnigen Regierung.

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12 März 2019, 9:20am

Knife+Heart

Mit dem queeren Kino ist es so eine Sache. Auch wenn Mainstream-Filme langsam mehr LGBTQ-Geschichten integrieren, zeigen die, die die größten Erfolge einheimsen – Call Me by Your Name, Boy Erased und Love, Simon – meist doch nur eine sehr beschränkte Version von Queerness. Andere, so wie das Oscar-prämierte Queen Biopic Bohemian Rhapsody, streichen Queerness komplett aus ihren Drehbüchern und berauben in diesem Fall Freddie Mercury seiner Bisexualität.


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Glücklicherweise gibt es zahlreiche Film-Festivals, die sich ausschließlich mit LGBTQ+-Realitäten beschäftigen und queere Werke auf die großen Leinwände der Welt holen. So zum Beispiel das BFI Flare Festival in London, das die unterschiedlichsten Geschichten zeigte: Von falschen Identitäten bis verbotener Liebe und dem Niedergang einer engstirnigen Regierung. Diese acht Filme solltest du nicht verpassen.

Jeremiah Terminator LeRoy
Die Geschichte von JT LeRoy ist, nett ausgedrückt, verrückt. Die Autorin Laura Albert hat das Pseudonym JT LeRoy erschaffen, um anonym Bücher veröffentlichen zu können. Doch als die Bücher plötzlich durch die Decke gehen, muss Albert jemanden finden, der diese Fantasiefigur in der Öffentlichkeit repräsentiert. Die Geschichte wurde zwar erst kürzlich in der Dokumentation Author: The JT LeRoy Story behandelt, aber dieser neue Film – mit Laura Dern in der Rolle als Albert und Kristen Stewart als Savannah Knoop (die Frau, die vorgibt LeRoy zu sein) – verspricht, ein wilder Mix aus Fakten und Fiktion zu werden.

The Heiresses
Queeres Kino tendiert dazu, die Geschichten junger Protagonisten zu erzählen – Coming-Out Narrative lassen grüßen. The Heiresses ist anders. Und genau deswegen so interessant. Der Film handelt von Chela, eine Frau, die seit Jahrzehnten mit ihrer Partnerin zusammenlebt. Allerdings kommen sie in finanzielle Not und sind dazu gezwungen, geerbte Besitztümer zu verkaufen, was dazu führt, dass Chiquita, Chelas Partnerin, im Gefängnis landet. Erschüttert von diesem einschneidenden Wandel in ihrem Leben, findet sie Trost darin, als Taxi-Fahrerin zu arbeiten. Durch ihre Fahrten und die unkonventionelle Weltanschauung ihrer Freundin Angy schafft Chela, ihren Weg aus der langweiligen Routine und omnipräsenten Leere herauszufinden. Ana Brun hat für ihre Performance übrigens den Preis als Best Actress beim Berlin Film Festival eingesackt – es gibt also keine Ausrede, diesen Film nicht zu mögen.

Rafiki
Rafiki spielt in Kenya und erzählt die Liebesgeschichte zwei junger Frauen, die sich langsam ihrer Sexualität bewusst werden. "Ich kam an einen Punkt, an dem ich dachte, ich könne den Film nicht zu Ende bringen, doch wenn du die Leute um dich herum siehst, wirst du daran erinnert, dass das Projekt größer ist als du", erzählte Schauspielerin Sheila Munyiva über die Entstehung des Films. Das Werk wurde in Kenya von der Regierung verboten, da es angeblich "Homosexualität fördere". Dieses Verbot wurde erst aufgehoben, als die Regisseurin Wanuri Kahiu die Regierung verklagte. Zum Glück – schließlich hat Samantha Mugatsia gerade erst eine Auszeichnung als Best Actress beim FESPACO (Pan-African Film and Television Festival of Ouagadougou) in Burkina Faso gewonnen.

Socrates
Nachdem dieser Film im letzten Jahr in LA sein Debüt feierte, konnte man ihn bereits im Line-Up vieler anderer Festivals finden. Christian Malheiros hat für seine Darstellung von Socrates bereits eine Nominierung beim Indie Spirit Award eingeheimst – weitere dürften folgen. Socrates ist ein 15-jähriger Teenager, der vergeblich nach Barmherzigkeit sucht, nachdem seine Mutter gestorben ist. Währenddessen befindet er sich im permanenten Kampf mit seiner Sexualität und Identität. Der Film wurde von den Menschen kreiert, deren Leben sich in der Geschichte widerspiegelt – ein aufwühlender Film, der allen nahe geht. Und genau deswegen so wichtig ist.

Knife+Heart
Stelle dir einen klassischen Giallo Film aus den Siebzigern vor – zum Beispiel Deep Red von Dario Argento – und übersetze ihn in die queere Pornoszene von Paris. Dann kannst du zumindest ein klein wenig erahnen, welche Achterbahnfahrt dich in Knife+Heart erwarten wird. Der Film haucht dem Slasher Genre neues, wundervoll verrücktes Leben ein, indem er die Themen von obsessiver Liebe, Gewalt und der Relevanz queeren Zusammenhalts in den Vordergrund rückt. Es wurde bereits gesagt, der Film handele von "einer gewählten Familie bestehend aus stolzen Perversen". Du weißt, wenn du zu ihnen gehörst ...

Little Miss Westie
Diese Dokumentation über Schönheitswettbewerbe handelt von einer Familie mit zwei Trans-Kindern, die sich gegen die Hürden auflehnt, die von Trumps reaktionärer Regierung errichtet wurden. Es wird eine gewisse Dualität dargestellt: Zum Einen wird der Zusammenhalt innerhalb der Familie porträtiert, zum Anderen wird die Feindseligkeit aufgezeigt, die von einem politischen System kreiert wird, das Trans-Rechte auflösen will. Unbedingt anschauen!

The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert
Es gibt vielleicht nicht viel Neues über Priscilla zu sagen. Trotzdem ist es nicht weniger wichtig, alles zu versuchen, ein Ticket für diesen Oscar-prämierten Film zu ergattern. Hugo Weaving, Guy Pearce und Terence Stamp tun ihr Bestes, um die Wüste ordentlich aufzuqueeren. Es wird die Geschichte von Drag-Queens und der transsexuellen Bernadette erzählt, die versuchen "ein feines Leben in Heels" zu führen. Wer will das nicht?

Escape From Rented Island: The Lost Paradise of Jack Smith

Escape From Rented Island: The Lost Paradise of Jack Smith
John Waters hat Jack Smith "den einzig wahren Underground-Filmemacher" genannt. Allein dieses Lob ist Grund genug, sich in die Kinoschlange zu reihen, um diese experimentelle Dokumentation über den Regisseur des legendären Kurzfilms Flaming Creatures zu schauen. Zugegeben, bei der Aussage "experimentelle Dokumentation" erklingen wahrscheinlich die ersten Alarmglocken, was vielleicht auch dazu geführt hat, dass die Doku erst bei sehr wenigen Festivals gezeigt wurde. Doch die fragmentierte Aufarbeitung von Smiths Karriere, Original-Zitaten des Regisseurs und neu entdecktes Film-Footage scheinen die einzige Art zu sein, sein Erbe zu würdigen. Eine Unterrichtsstunde in queerer Geschichte, die ihresgleichen sucht.

Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.