Diese Fotografien dokumentieren die innige Beziehung zwischen einem Fotografen und seiner Muse

In "Book of Igor" geht es um die platonische Freundschaft zwischen dem 40-jährigen Stylisten, Fotografen und i-D Contributor William Baker und Igor, einem 20-Jährigen auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

von i-D Staff; Fotos von William Baker
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Jan. 9 2018, 3:19pm

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Das Verhältnis zwischen einem Künstler und seiner Muse ist seit jeher ein wichtiger Faktor künstlerischen Schaffens. Gabriel Rossetti und Elizabeth Siddal, Andy Warhol und Edie Sedgwick, Alexander McQueen und Isabella Blow sind da nur ein paar Beispiele. Genau in dieser Tradition großer kreativer Inspirationen steht das Buch Book of Igor. Durch Instagram ist William Baker auf Igor gestoßen. Diese zufällig entstandene Online-Bekanntschaft hat den Grundstein für eine lange Beziehung zwischen den beiden gelegt. Mit gerade einmal 20 Jahren gehört Igor zur Generation, die in die Internetwelt hineingeboren wurde.


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William Baker, der vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Kylie Minogue einem internationalen Publikum bekannt wurde, hat seine Faszination für das Model in Bildern festgehalten, und damit gleichzeitig ein Zeitdokument jugendlichen Optimismus geschaffen. Der Bildband ist ein einmaliger Blick auf eine ungewöhnliche Beziehung, die berührt, aber nicht durch Sexualität definiert wird. Mit uns hat der Fotograf, Stylist und Creative Director über sein Buch und die Dinge gesprochen, die er dabei gelernt hat.

Was hat dich so sehr an Igor fasziniert?
Als ich mit Instagram angefangen habe, hat mir ein Freund empfohlen, dass ich mir mal diesen Typen namens Igor anschauen soll. Ich war sofort fasziniert davon, wie provokativ und selbstbewusst die Bilder von ihm waren. Er posiert zwar, aber ist dabei natürlich. Mich hat überrascht, wie offen ein Heterosexueller solche homoerotischen Aufnahmen mit der Welt teilt – er spielte in Unterwäsche Playstation. Igors eigene Schnappschüsse waren total schamlos und ehrlich und überhaupt nicht glamourös.

Warum hast du Igor ein ganzes Buch gewidmet?
Weil er mich wirklich inspiriert hat – und das ganz ungezwungen. Es lief in etwa so ab: "Lass uns kennenlernen und das in einem Buch dokumentieren". Natürlich geht es darin um Igor, aber auch wofür er steht: Jugend, Schönheit, Unschuld, unerfüllte Träume und unerwiderte Liebe.

Wie hat sich eure Beziehung in den 18 Monaten entwickelt?
Die war von Anfang an ziemlich intensiv. Die Beziehung ist im Laufe der Zeit natürlich durch unterschiedliche Phasen gegangen, und genau diese Geschichte erzählt auch das Buch. Manchmal war es so, als ob wir ein Paar sind, obwohl er hetero ist. Und manchmal waren wir wie besten Freunde. Ich habe auf ihn aufgepasst und er auf mich.

Wie wohl habt ihr euch in den intimeren Shootings gefühlt?
Wir haben uns beide wohlgefühlt, sonst würde das Buch auch nicht funktionieren. Klar, Igor und ich kommen aus ganz unterschiedlichen Welten, aber ich habe bewusst keinen Aktaufnahmen benutzt, weil ich nicht wollte, dass es im Buch um ein offensichtliches homosexuelles Verlangen gehen sollte.

Gibt es Bilder, mit denen dich eine besondere Geschichte verbindet?
Das gilt für alle Aufnahmen, deswegen hat die Auswahl so lange gedauert. Jede Fotografie ist mit Erinnerungen verbunden und zeigt eine Seite, die mir wichtig ist. Aber es sollte nicht zu sentimental sein. Ich wollte ein bestimmtes Gefühl einfangen, ob nun von ihm oder mir. Die Selfies von Igor erinnern mich daran, was für ein Gefühl es ist, eine andere Person kennenzulernen. Wenn der Name auf dem Handy aufleuchtet und wenn nicht. Diese Gefühle wollte ich in dem Buch sichtbar machen und bin extrem dankbar dafür, dass ich ihn kennengelernt habe.

Das Buch ist auch ein Kommentar über Social Media und das ständige Bewerten unseres Lebens. War das von Anfang an ein wichtiger Teil deiner Vision?
Ich wollte den Leuten unbedingt die Chance geben, dass sie sehen, wie er wollte, dass ich ihn sehe. Diese Aufnahmen hat er mir alle geschickt, der Rest sind Fotografien, die ich von ihm gemacht habe. Seine eigenen Bilder zeigen ihn viel mehr als Objekt als es meine tun. Der Wettbewerb in den sozialen Netzwerken darum, noch attraktiver und offenherziger zu sein und noch mehr Haut zu zeigen, ist wirklich gefährlich. Viel schlimmer finde ich aber, dass diese Entwicklung mit einem Verlust an echter Intimität und Kommunikation einhergeht. Die Möglichkeit, dass sich Seelen miteinander verbinden und gegenseitig beeinflussen, ist völlig verloren gegangen.

Was sollen die Leser von Book of Igor mitnehmen?
Ich hoffe, dass die Leute die Entwicklung der Beziehung sehen – und als Zeitdokument eines jungen Mannes, der erwachsen wird. Wir hören nie auf, erwachsen zu werden. Diese Zeit zwischen der Jugend und dem Erwachsenen-Dasein ist besonders, eine Art Melancholie. Es ist eine Zeit voller Träume und Ambition, in der die Möglichkeiten noch endlos erscheinen. Ich möchte diese Hoffnung noch einmal fühlen.

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