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es gibt mehr details zum neuen yves-saint-laurent-museum

Wir haben uns vor der geplanten Eröffnung in Marrakesch und Paris mit Pierre Bergé und den Architekten darüber unterhalten, wie sie das Erbe des großen Modedesigners bewahren wollen.

von Nadja Sayej
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22 Februar 2017, 1:55pm

Yves Saint Laurent © Pierre Berge

Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte Pierre Bergé haben den Jardin Majorelle in Marrakesch zum ersten Mal 1966 bei ihrem ersten Besuch in der marokkanischen Hauptstadt entdeckt. Der botanische Garten mit seinen exotischen Kakteen und rechteckigen Brunnen hatte es den beiden sofort angetan. „Er war für die Öffentlichkeit zugänglich, aber fast leer", erinnert sich Bergé. „Wir wurden von dieser Oase verführt, wo sich Farben wie in einem Gemälde von Matisse mit denen der Natur vereinen."

Nachdem sie gehört hatten, dass der Garten abgerissen und das Gelände an eine Hotelgruppe verkauft werden sollte, haben sie schnell gehandelt: „Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand, um das zu verhindert", so Bergé. „So wurden wir die Eigentümer des Gartens und der Villa."

Das Grundstück gehört zu einem der beiden Standorte des neuen Yves-Saint-Laurent-Museums in Andenken an den verstorbenen Designer, der andere befindet sich in Paris. Das Museum soll im September 2017 eröffnen. In Paris wird sein ehemaliges Atelier erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich werden. „Es wird genauso aussehen wie zurzeit, als Yves Saint Laurent noch Haute-Couture-Haus war. Nur wenige Menschen haben dieses Atelier überhaupt jemals betreten", sagt der Innendesigner. „In diesem Raum sind all seine Kollektionen entstanden. Der Raum ist sehr emotional, weil wir die ursprüngliche Einrichtung so gelassen haben". Der Standort in Marrakesch wird neben Ausstellungsflächen, eine Bibliothek und einen Konzertsaal beherbergen. 

Musée Yves Saint Laurent Marrakech, exterior (c) 2016 Studio KO Fondation Pierre Bergé Yves Saint Laurent

Und natürlich spielt die Mode des großen Designers eine zentrale Rolle. Das Museum beider Standorte wird das neue Zuhause für 5000 Haute-Couture-Kreationen, 15.000 Accessoire-Teilen sowie Tausenden Zeichnungen, Moodboards und Fotos wie den Polaroids der legendären Frauen-Smokings. Daneben wird es die originalen Haute-Couture-Skizzen, Design-Prototypen, die Lagerbestände und Händler-Bücher seit den Anfängen des Modehauses 1961 zu sehen geben.

Alles ist Eigentum der Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent. Bergé war Laurents Lebensgefährte und in schweren Zeiten sein Fels in der Brandung. „Alles, was ich nicht habe, hat er", sagte der Designer über seinen Partner 2001. „Wenn ich außer Atem war, konnte ich mich auf seine Stärke verlassen und mich ausruhen."

Das neue Museum in Marrakesch hat 15 Millionen Euro gekostet und wurde vom Pariser Architektenbüro Studio Ko entworfen, das ebenfalls für den neuen Balmain Flagship Store in New York City verantwortlich ist. „Bergé hat uns gewählt, ohne vorher Entwürfe gesehen zu haben", erklärt Olivier Marty, Architekt bei Studio Ko. „Er wollte, dass das Museum modern und marokkanisch aussieht. Und das war der Grund, warum wir den Auftrag erhalten haben. Es sollte mehrschichtig und intim werden."

Die einzigartige Gebäudeform nimmt die Muster auf, die sich Saint Laurent im Laufe seiner langen Designkarriere ausgedacht hat: „Wir haben uns von Stoffmustern genauso inspirieren lassen wie von den Entwürfen mit den weißen Streifen auf schwarzem Papier", erklärt der Architekt die Idee hinter dem Neubau.

Für das neue Museum wurden Terrakotta, Beton, marokkanisches Gestein und Marmor verwendet. Die Fassade des Gebäudes besteht aus einem schlichten Mauerwerk und soll damit an die Struktur einer Leinwand erinnern. Der schlichte Stil, für den Yves Saint Laurents Designs so berühmt geworden sind. 

Musée Yves Saint Laurent Marrakech, entrance courtyard (c) 2016 Studio KO Fondation Pierre Bergé Yves Saint Laurent

Wie Fotos auf Instagram zeigen, steht das neue Museum kurz vor seiner Vollendung. In dem 4000 Quadratmeter großen Museum wird es neben der Ausstellungsfläche einen 130 Personen umfassenden Konzertsaal, ein Buchgeschäft, ein Café und eine Forschungsbibliothek mit über 5000 Büchern über Mode, die arabische und Berber-Geschichte, Geografie, Literatur und Botanik geben.

Die Architekten wollten mit dem Design einen Kontrast schaffen: „Das Gebäude soll sehr streng, dabei aber weich wirken", erklärt Fournier. „Das Museum ist eine Ode an Marokko, das Yves Saint Laurent genauso geliebt hat, wie wir es tun."

Jardin Majorelle ©

Neben dem Neubau in Marrakesch baut die 2004 gegründete Fondation das ehemalige Couture-Haus im Pariser Stadtzentrum zu einem Museum aus. Die Pläne dafür stammen von Nathalie Crinère, die bereits Ausstellungen für das Centre Pompidou und das neue Louvre Abu Dhabis gestaltet hat. Für die Inneneinrichtung ist kein Geringerer als Innendesigner Jacques Grange verantwortlich. Dieser war bereits Inneneinrichter für Saint Laurents Landsitz, dem Chateau Gabriel, ein neogotisches Haus aus dem 19. Jahrhundert. Dort hat er an den Wänden des Wohnzimmers ein Monet-Gemälde in XXL-Format anbringen lassen und das Haus mit wertvollen türkischen Teppichen, Ottomanen und Kronleuchtern ausgestattet.

„Das Design des Museums orientiert sich daran, wie Yves mit seiner Mode die Garderobe der Frau revolutioniert hat", erklärt zum Abschluss Crinère. „Man wird seine Inspirationen, seine Farben und die Eleganz seiner Entwürfe für die Tages- und Abendgarderobe erleben können. Wir wollen Yves Saint Laurents Entwürfe an dem Ort zeigen, an dem sie entstanden sind."

© Didier Févre

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Fondation.

Credits


Text: Nadja Sayej