Quantcast
Meinung

Der i-D Guide für ein erfolgreiches Leben als Freelancer

Die freie Autorin Harriet Verney verrät dir ihre Tipps für ein erfolgreiches Dasein in der überfüllten Welt der Freelance-Autoren.

Harriet Verney

Dieser Artikel erschien zuerst auf i-D UK.

Gerade erst habe ich meinen alten, sicheren und recht guten Job bei einer Zeitschrift gekündigt, um mich wieder kopfüber in den Pool der Freelancer zu stürzen, der sich zur Zeit leider eher wie ein Piranha-Becken anfühlt. Ich hatte ehrlich gesagt ganz vergessen, wie anstrengend es ist, sich darin über Wasser zu halten.

Andere arbeitslose, ähm freiberufliche, Freunde versuchen tagsüber ständig, einen aus dem Haus zu locken, denn eigentlich "hast du doch gar nichts zu tun, du bist Autorin, noch dazu eine freie". Es ist unglaublich schwer, nicht dem Gedanken zu erliegen, dass man jetzt in der gleichen Zeitzone lebt wie Teilzeit-Künstler und -Musiker — und das kann für die eigene Leber, den Geldbeutel und die Karriere ziemlich gefährlich werden. Hier sind ein paar Tipps, die mir dabei geholfen haben, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.


Auch auf i-D: Wir haben die jungen Kreativen von morgen getroffen


Stell' dir einen Wecker, als müsstest du pünktlich auf der Arbeit erscheinen
Du hast gerade deine letzte Gehaltsabrechnung von deinem vorigen Job bekommen. Ich weiß, entgegen aller Logik ist man total versucht, im Bett zu bleiben und auf diversen Online-Shopping-Seiten zu surfen, um Dinge zu bestellen, so als wäre es die neue Lebensaufgabe, seinen Dispo komplett auszureizen. Das ist aber keine gute Idee. Du hast zwar keinen Job, für den du aufstehen musst. Es ist aber extrem wichtig, dass du jeden Tag so aufstehst, als würde dein Chef dich pünktlich an deinem Platz erwarten. Betrachte jeden Wochentag als einen acht-Stunden-Job: Steh' auf und erledige deine Arbeit. Freelancer zu sein bedeutet nicht, dass du durchgehend Urlaub hast. Es ist ein etwas weniger anstrengender Vollzeit-Job, der den Vorteil hat, dass du den Snooze-Button ein paar Mal öfters drücken kannst, als du solltest, und dich nicht mit dem Kater vom Vorabend zur Arbeit schleppen musst.

Such dir einen Ort, an dem du effizient arbeiten kannst
Es geht um die gute alte Psychologie. Du weißt ja, wie es läuft, wenn man zu Hause arbeiten soll: irgendwie klappt es nie so richtig. Arbeite nicht in deinem Bett. Du kannst es natürlich versuchen, aber es wird höchstwahrscheinlich nicht funktionieren. Du wirst weder arbeiten, noch schlafen. Besorg' dir lieber einen Bibliotheksausweis, den gibt's nämlich meistens umsonst. Dort bist du weniger abgelenkt und kannst nicht ständig viel wichtigere Dinge dazwischen schieben, wie beispielsweise staubsaugen oder deine Socken bügeln.


Sag öfter mal "Ja"
Dein Ziel ist es natürlich, fürs Schreiben guter Stories bezahlt zu werden , aber bis es soweit ist, solltest du auch Aufträge annehmen, die dir total langweilig oder sinnlos erscheinen. Melde dich bei kleineren Zeitschriften, verfeinere deinen Schreibstil und deine Interview-Skills. Jedes Interview zählt. Klar ist es nicht so einfach, aus einem Interview mit einem schüchternen Model, das nicht deine Sprache spricht, eine riesige Story zu machen. Aber: Models kennen meistens den neuesten Klatsch und Tratsch und haben ein interessantes Sexleben, oft mit niedlichen Mitgliedern aus Boybands oder, noch besser, mit anderen Models. Und meistens erzählen sie auch gerne darüber, wenn man sie fragt. Wenn der besagte Artikel veröffentlicht wird, solltest du das feiern und alle wissen lassen, dass du ihn geschrieben hast, und nicht Zuhause sitzt und Wiederholungen alter Gossip Girl-Folgen schaust. Melde dich mit deinen neuen Ideen regelmäßig bei potenziellen Kunden. Und wenn du zu hören bekommst, dass das gerade nicht zu der Zeitschrift passt, du dich aber melden sollst, wenn dir ein neues Thema einfällt, dann nimm die Leute beim Wort und melde dich nächste Woche wieder bei ihnen. Sei präsent. Du kannst es dir nicht leisten, schüchtern zu sein. Du bist jetzt Freelancer.

Eine gute Webseite ist die halbe Miete
Wenn du noch nicht deinen eigenen Domain-Namen hast, solltest du ihn dir schleunigst besorgen. Ich erinnere mich noch gut an die Horrorgeschichten, die mir in meiner alten Agentur erzählt wurden. In einer ging es um ein durchschnittliches Model, das plötzlich berühmt wurde und deren Domain-Name bereits von einem Pornofilme-Anbieter gekauft wurde. Diese Geschichte hat sich mir eingeprägt und ich habe daraus gelernt. Ich benutze SquareSpace, weil es günstig und einfach zu bedienen ist. Ein Link, über den dich potenzielle Arbeitgeber kontaktieren können, ist wichtig, ebenso wie einige Arbeitsproben.

Versuche aber dennoch, dich so gut wie möglich zu verkaufen.

Das Gleiche gilt auch für Instagram. Schreiben ist zwar das genaue Gegenteil von Instagram. Es ist aber die Plattform, auf der die Leute dich am ehesten stalken werden. Verschwende diese Chance also nicht mit einem Selfie — auch wenn dir das wahrscheinlich zehnmal so viele Likes einbringen wird.

Die ganze Freelance-Geschichte ist am Anfang echt nicht leicht und du musst dich richtig reinhängen. Wenn du es aber wirklich willst und gut darin bist, was du tust, ist es die beste und aufregendste Art zu arbeiten. Viel Erfolg!