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was amerikanische designer über melania trump denken

Von Tommy Hilfiger bis Jeremy Scott: Wir verraten euch, welcher Designer Melania Trump mit Outfits versorgen will – und wer nicht.

von Hannah Ongley
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25 November 2016, 10:55am

Hätte ihr Ehemann nicht die Wahl durch Hass und Kleingeistigkeit gewonnen, hätte Melania Trump jetzt wahrscheinlich nicht so viel Probleme damit, amerikanische Designer zu finden, die sie ausstatten wollen. Als ehemaliges Model, wenn auch nicht aus dem High-Fashion-Bereich, würde sie auch in den schlecht sitzenden Anzügen ihres Ehemanns eine gute Figur machen. In einer Zeit, in der Instagram-Likes und Click-through-Shopping die Währung sind, ist jede potenzielle öffentliche Aufmerksamkeit für Jungdesigner fast unbezahlbar.

Aber der öffentliche Druck, den neu gewählten Präsidenten und seine Familie nicht zu normalisieren, spaltet die amerikanischen Designer in zwei Lager. Eine überwältigende Zahl von Designern hat sich für Hillary Clinton ausgesprochen und ihre Kampagne sogar aktiv unterstützt. Diane von Fürstenberg hat Spenden für sie gesammelt, Marc Jacobs hat Merchandise für die Clinton-Kampagne entworfen und Ralph Lauren hat mehrere Outfits für die selbsternannte „Hosenanzug-Liebhaberin" designt. Eine Vorliebe, die sie überigens mit Angela Merkel teilt. Das Engagement der amtierenden First Lady, Michelle Obama, für junge amerikanische Designer wird die amerikanische Modeindustrie schmerzlich vermissen. (Sie hat mitgeholfen Jason Wu, Joseph Altuzarra und Naeem Khan einem weltweiten Mainstream-Publikum bekanntzumachen.) Melania Trump hat bei der dritten Fernsehdebatte auch Ralph Lauren getragen, sehr zur Überraschung des Designers. Auch viele etablierten europäischen Designer, in die sie sich gehüllt hat, waren von ihrer Kleidungswahl überrascht, darunter Balmain, Roland Mouret und Gucci. Alessandro Michele hat die mittlerweile legendäre pinkfarbene Schleifen-Bluse, die sich bei der bei der zweiten Debatte getragen hat, entworfen.

Letzte Woche hat Sophie Theallet, die Michelle Obama in den letzten acht Jahren mehrmals ausgestattet hat, bekannt gegeben, dass sie darauf bei der neuen First Lady verzichten wird und andere Designer aufgefordert, es ihr gleich zu tun. Aber nicht alle folgen ihr. Die unterschiedlichen und oft verwirrenden Reaktionen der Modeschöpfer hat zu einer Debatte darum geführt, ob die Urheber ein Recht darauf haben, darüber zu bestimmen, was mit ihren Kreationen passiert. Wir haben die bisherigen Reaktionen von Designern zusammengetragen.

Sophie Theallet
Sophie Theallet gehört zu den Lieblingsdesignern von Michelle Obama, das gleiche durfte auf ihre Nachfolgerin nicht zu treffen. „Als Person, die Vielfalt zelebriert, die Respekt und Freiheit für alle Lebensentwürfe möchte, werde ich die nächste First Lady weder ausstatten noch irgendwie sonst mit ihr in Verbindung gebracht werden", hat die Designerin letzte Woche auf ihrem Instagram gepostet. „Die rassistische, sexistische, ausländerfeindliche Rhetorik in der Präsidentschaftskampagne ihres Ehemanns ist inkompatibel mit den von uns gelebten Werten. Ich rufe meine Designerkollegen dazu auf, es mir gleich zu tun." Theallet ist selbst eingewandert und sieht ihr Label als „Ausdruck von Vielfalt und Reflexion der Welt, in der wir leben."

Tommy Hilfiger
Der Designer scheint sich darauf zu freuen, Mrs. Trump auszustatten: „Ich denke, dass Melania eine sehr schöne Frau ist und jeder Designer sollte froh darüber sein, sie ausstatten zu dürfen", sagte der Designer WWD. „Ivanka ist genauso schön und klug. Sie trägt aber ihre eigenen Kreationen. Ich denke nicht, dass wir Mode politisieren sollten. Jeder hat schließlich auch gerne Michelle Obama eingekleidet. Sie sehen einfach großartig in der Mode aus. Es kann kaum noch schöner als Ivanka und Melania werden." 

Humberto Leon
Der Opening Ceremony- und Kenzo-Designer hat Mode und Politik auf sehr deutliche Art und Weise vor Kurzem miteinander verbunden und es sieht nicht danach aus, dass sich das nach der Wahl ändern würde. Humberto Leon hat Thellets Brief auf seiner privaten Facebook-Seite geteilt, neben einem Aufruf zur Rettung von Standing Rock Sioux und ein Shout-out für den Cast des Hamilton-Musicals und dessen Ansprache an den neuen Vizepräsidenten Mike Pence. „Keiner sollte es tun und wenn sie deine Mode kauft, dann mach deutlich, dass du das nicht unterstützt", erklärte der Designer weiter. „Du weißt, wer du bist!". Das kommt wenig überraschend, dass ein Designer, der sich für LGBT- und Einwanderer-Rechte einsetzt, nicht das Symbol ihres Niedergangs ausstatten möchte.

Altuzarra
Weder Joseph Altuzarras multikultureller Hintergrund noch seine besondere Nähe zu Frau Obama scheinen sich negativ auf Melania Trumps Chancen, in den Genuss eines persönlichen Fittings zu kommen, auszuwirken: „Ich möchte nicht, dass ich Leute ausstatte, mit denen ich nicht einer Meinung bin", sagte der Designer der New York Times. Er hat Michele Obama für mehrere Anlässe eingekleidet: darunter für das Abendessen mit Prinzessin Lalla Salma von Marokko und die Outfits für ihren Japan-Trip, als Teil ihres Bildungsprogrammes für junge Mädchen.

Rag & Bone
Der Chef des Labels, Marcus Wainwright, schließt auch nicht aus, sich mit der kommenden First Lady zu treffen. Gegenüber der New York Times hat er sich ähnlich wie Altuzarra geäußert: „Es wäre scheinheilig zu sagen, dass man keine Trump ausstattet. Wenn wir sagen, dass wir für Offenheit und für die Wiederbelebung amerikanischer Textilproduktion stehen, dann müssen wir unsere privaten politischen Ansichten hintenanstellen."

Carolina Herrera
Michele Obama trägt auf dem Dezember-Cover der amerikanischen Vogue ein Kleid von Carolina Herrera. Für die Designerin scheint der momentan Aufschrei auch nur vorübergehend zu sein: „Ich glaube, in zwei oder drei Monaten werden sich die Designer melden, weil es eben Fashion ist", so die 77-Jährige zu Business of Fashion. „Wir werden sehen, dass jeder Melania ausstattet. Sie repräsentiert eben die USA." Trumps Tochter Ivanka Trump ist seit vielen Jahren Fan von Herreras Designs.

Jeremy Scott
Wenn Melania Trump einen Teddy-Badeanzug oder das Kleid mit Stiefeis-Prints tragen will, dann wird sie wohl auch nichts von der Stange kaufen müssen. „Ich werde Melania Trump einen Vertrauensbonus geben", so der Designer zu Vanity Fair kurz nach der Wahl. „Sie sieht einfach gut in den Kleidern aus. Sie trägt sie gut und sie hat eine gute Figur. Ich mag an Michele Obama ihre Persönlichkeit. Ihre Schönheit ist so viel mehr als das, was sie sagt oder was sie macht. Natürlich sieht Melania gut aus, aber ich kann das eben nicht von dem trennen, wer sie ist. Ich kenne sie nicht. Wir kennen sie nicht." Das gilt allerdings nicht für ihren Ehemann, wie er ebenfalls zu VF sagte: „Nein, ich habe nicht für ihn gestimmt. Nein, ich habe nicht für ihn geworben. Nein, ich wollte das alles nicht."

Credits


Text: Hannah Ongley
Foto: Disney/ABC via FlickrCC BY-ND 2.0