die illustratorin cécile dormeau will, dass du dich so akzeptierst, wie du bist

„Großartig zu sein, ist nämlich viel wichtiger, als perfekt zu sein.“ - Die junge Kreative erklärt, warum die Welt mit weiblichen Makeln so streng umgeht.

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11 Dezember 2015, 9:20am

In Céciles Dormeaus Illustrationen werden Frauen in ihrer Vielfalt gefeiert. Sie zeichnet Körper in unterschiedlichen Größen und Formen. Ihre Figuren haben Körperbehaarung, Fettpölsterchen und unsymmetrische Brüste. Sie zeigt normale Frauen abseits von den photogeshoppten Puppen, die wir in vielen Hochglanzmagazinen jeden Tag sehen. Cécile geht mit ihren Werken die gesellschaftlich geprägten steifen Vorlagen an, die vor allen Dingen für Frauenkörper gelten.

Die 27-jährige Cécile lebt in Offenbach und ist als Illustratorin tätig. Geboren wurde sie in Paris, wo sie ihr Kunststudium an der Estienne abschloss. Sie hat bis vor Kurzem für Ogilvy als Junior Art Director gearbeitet und schlägt sich mittlerweile als selbstständige Kreative durch. Wir unterhielten uns mit der jungen Kreativen über ihre Inspirationen und fragten sie, warum die Welt mit weiblichen Makeln so streng umgeht.

Deine Zeichnungen sehen aus, als seien sie von echten Alltagssituationen inspiriert und würden Menschen darstellen, die es wirklich gibt. Ist das so?
Ja, das ist so. Es kann eine Oma sein, die ich auf der Straße sehe und die ein hübsches Outfit trägt; eine witzige Unterhaltung, die ich mit jemandem betrunken hatte; meine verrückte Schwester; Blödsinn, den ich in Magazinen las; eine SMS von meiner besten Freundin, die sich über ihre behaarten Beine beschwert, oder allgemein Frauen, die über ihre Körper jammern - oder auch ich selbst. Ich nehme all diese Geschichten, die ich irgendwo sehe, höre oder die mich berühren und verwandle sie in was Lustiges und Positives.

Haben sich Freunde, Familie oder Bekannte schon mal wiedererkannt?
In der Regel erkennt sich niemand wieder. Schließlich berühren diese Themen ganz viele Menschen. Ich bekomme von meinen Followern häufig den Kommentar:Das ist so typisch Ich. Einmal allerdings, da habe ich den Fehler gemacht, meine kleine Schwester abzubilden, wie sie während einer Unterhaltung auf Snapchat ein Doppelkinn hatte. Sie war total sauer und ich musste die Zeichnung im Nachhinein ändern, damit man sie nicht mehr erkennt.

Es gibt einen ganz deutlichen Themenbezug zur Body-Positive-Bewegung. Warum?
Ich hatte ständig Menschen mit Unsicherheiten um mich. Die haben wir ja alle. Sie können einem das Leben zur Hölle machen. Frauen sind nun mal unterschiedlich. Manche haben kleine Brüste, manche große Bäuche, große oder flache Hintern und ja, wir haben Körperbehaarung und Dehnungsstreifen. Wir müssen uns das häufiger sagen, damit wir es - und uns - endlich rundum akzeptieren. Ich möchte Mädchen mit meinen Illustrationen sagen: „Lass diese Unsicherheiten hinter dich, du bist mehr wert als das." Großartig zu sein, ist nämlich viel wichtiger, als perfekt zu sein.

Es gibt eine Zeichnung auf deinem Tumblr, in der du dich und eine andere 14-Jährige darstellst. Kannst du mir sagen, was es bedeutet und wie es deine Selbstwahrnehmung ausdrückt?
Vergleiche sind das größte Gift im Leben jedes Mädchens. Viele Mädchen finden andere immer hübscher, netter, sexier. Das ist natürlich komplett bescheuert. Ich bin übrigens eine von ihnen. Ich habe immer diese widersprüchlichen Gefühle, wenn es um mein Aussehen geht. Ich möchte mich manchmal einfach nur wohlfühlen und den übergroßen Pulli meines Freundes anziehen und kein Make-up auftragen. Und dann sehe ich eine 14-Jährige mit perfekter Schminke, einem perfekten Haarschnitt und dem perfekten Outfit, die mir damit irgendwie sagt: „Du siehst scheiße aus." Wir müssen alle einfach akzeptieren, dass wir nicht in jeder Minute perfekt aussehen müssen. Wenn wir uns aufbrezeln wollen, ist das absolut okay. Und wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung.

Glaubst du, die Welt ist nett zu Frauen?
Schau mal allein in der Fernsehwerbung, die teilt dir mit, dass ich dieses Shampoo brauche, für perfekte Haare, diese Mascara für perfekte Wimpern, diese Creme für perfekte Haut. Frauenzeitschriften sagen auf der einen Seite, man soll sich akzeptieren und geben auf der anderen Tipps, wie man schnell fünf Kilo abnimmt. Mädchen wollen immer wie Models aussehen und nie wie sie selbst. Die Medien propagieren Frauen gegenüber, dass die einzigen wichtigen Dinge sind, wie schön sie aussehen und wie verführerisch sie sind. Ich glaube nicht, dass die Welt besonders nett zu Frauen ist. Aber ich glaube trotzdem, dass sich das ändern kann. Wir brauchen dafür nur etwas mehr Toleranz für Unvollkommenheiten. Für mich sind Menschen mit Fehlern und echten Gefühlen inspirierend. Perfektion ist langweilig. Ich möchte, dass meine Arbeit so ehrlich ist wie nur möglich. 

cecile-dormeau.tumblr.com

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Credits


Text: Osia Katsidou
Illustrationen: Céciles Dormeau