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das ist die frau hinter møs „don't leave“-video, das in berlin gedreht wurde

Die amerikanischen Regisseurin Malia James hat mit uns über ihre Zusammenarbeit mit Mø und die ganz großen Gefühle gesprochen.

von i-D Staff
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30 Januar 2017, 1:40pm

Vor gut einer Woche feierte Møs neuer Song „Don't Leave" Premiere. Das Video handelt von klassischem Trennungsschmerz und dem Gefühl des Ersetzt-Werdens — Gefühle, die wohl jeder von uns schon am eigenen Leib erfahren musste. Hinter dem emotionsgeladenen Video der dänischen Sängerin verbirgt sich die Regisseurin Malia James, die bereits Musikgrößen wie die Black Keys, Dev Hynes, Troye Sivan und Jared Leto vor der Linse hatte und lange die Bassistin der kalifornischen Band Dum Dum Girls war. Die Musik hat sie längst an den Nagel gehängt, um sich ganz auf ihre große Leidenschaft, das Filmemachen, zu konzentrieren. Weil wir uns sicher sind, dass Malia für das ein oder andere Lieblingsmusikvideo von dir verantwortlich ist, wollten wir mehr über ihre Arbeit als Regisseurin erfahren.

Du hast Regie beim neuen Musikvideo „Don't Leave" von Snakeships und MØ geführt, das in Berlin gedreht wurde und letzte Woche Premiere feierte. Kannst du uns ein bisschen mehr darüber erzählen?
Das ist eine lustige Geschichte. Meine erste Idee für das Video wurde abgelehnt, also habe ich mich hingesetzt und das Konzept nochmal neu geschrieben. Den besten Zugang zu dem Song waren meine eigenen Erfahrungen. Das Video handelt von Trennungsschmerz und dem Gefühl, sich vorstellen zu müssen, wie dieser Mensch die gleichen Erinnerungen mit jemand Neuem teilt. Es geht mir dabei besonders darum, wie man sich ständig mit dieser neuen Person vergleicht, auch wenn es natürlich schwer ist, das in drei Minuten herüberzubringen. Viele denken, dass der Kerl sie betrogen hat, was OK ist. Ich wollte es tatsächlich auch sehr vage halten — besonders am Ende — so kann jeder seine ganz eigenen Erfahrungen auf das Video projizieren. Für meine Crew und mich war es amüsant zu sehen, wie sich die Leute über die Bedeutung in Youtube-Kommentaren gestritten haben.

Wie war es, mit MØ zusammenzuarbeiten?
Ein Traum, wirklich! Ich habe schon ein paar Jahre darauf gewartet, endlich mit ihr zusammenzuarbeiten. Wir hatten die gleiche Vorstellung für das Video und haben den gleichen stilistischen Background. Sie war sehr darin involviert und hat mich unterstützt. Sie konnte meine Anweisungen wirklich gut umsetzen und sie ist eine großartige Schauspielerin, die sogar auf Kommando weinen konnte. Ich könnte jetzt wirklich so viel Gutes über sie erzählen.

Warum wurde das Video in Berlin gedreht?
Ich liebe alte authentische Städte wie Mexico City, Zagreb und Athen. Berlin war ein Ort, an dem ich schon sehr lange drehen wollte. Der Film Christiane F war schon immer eine große Inspiration für mich, also bot Berlin für eine qualvolle Liebesgeschichte, wie diese, den idealen Background.

Kannst du uns den Prozess von einer einfachen Idee bis zum fertigen Film erklären?
Kein Schlaf, kein Leben, alles geht schief, aber am Ende wird alles gut.

Was möchtest du als visuelle Geschichtenerzählerin ausdrücken?
Ich nehme die Botschaften, die ich produziere, sehr ernst. Ich möchte in meinen Produktionen immer die drei Gesichtspunkte Geschlecht, Hautfarbe und Körperlichkeit ansprechen und berücksichtige immer die Art und Weise, wie ich Frauen in meinen Videos darstelle.

Intimität, Zärtlichkeit und Verletzlichkeit von menschlichen Erfahrungen finden sich immer wieder in deinen Arbeiten. Wie schaffst du es, diese Gefühle durch dieses Medium zu transportieren?
Ich bin unverbesserlich romantisch und war schon immer fasziniert von menschlichen Beziehungen, also ist es nicht wirklich etwas, das ich mit Absicht mache. So bin ich einfach und genau so sehe ich auch die Welt. Ich schaffe es mit der Kamera, den Menschen ihre Gefühle zu entlocken. Ich entwerfe die Szene, kläre die Kamera und bespreche die Szene mit den Schauspielern, damit sie im Moment sind. Wichtig ist, dass man reagiert, bevor sie überreagieren können. Ich arbeite mit Kameraleuten wie Jackson Hunt und Eli Born zusammen, die großartig dafür sind, Augenblicke festzuhalten.

Du warst lange selbst als Musikerin tätig: Inwiefern hat dich deine musikalische Karriere in deiner Arbeit als Regisseurin beeinflusst?
Ich habe das Gefühl, dass sich Musiker wohler fühlen, wenn sie mit mir zusammenarbeiten. Aus dem einfachen Grund, dass ich sie besser verstehen kann, als es andere Regisseure vielleicht können. Ich spreche ihre Sprache, verstehe ihren Lebensstil und ihren Wunsch, ihrem Ruf treu zu bleiben. Ein musikalisches Gehör und ein Verständnis für Rhythmus helfen beim Schneiden außerdem besonders gut, gerade weil ich selbst Bassgitarre gespielt habe.

Was ist die größte Herausforderung für Kreative heutzutage?
Die Work-Life-Balance. Ich war in den letzten Jahren sehr beschäftigt und bin für viele Drehs herumgereist. Deshalb fühle ich mich von meinem Leben zu Hause etwas entrückt.

Welche Projekte können wir in Zukunft von dir erwarten?
Ich habe Regie bei dem Video für eine ganz besondere Zusammenarbeit zwischen Dev Hynes und Brydon Cook in Kingston geführt. Das Ergebnis soll sehr bald veröffentlicht werden. Außerdem arbeite ich gerade an einigen größeren persönlichen Projekten.

Credits


Text: Juule Kay
Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video „Snakehips & MØ - Don't Leave (Official Video)" von SnakeshipsVEVO